Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Jeder Fünfte ist zu schnell

Stadt will weiter in Tempo-30-Zonen blitzen Jeder Fünfte ist zu schnell

Seit Ende vergangenen Jahres sind alle innerörtlichen Wohnstraßen in Marburg als Tempo-30-Zonen ausgewiesen worden. Als letztes hinzu kamen Rotenberg, Ockershäuser Allee, Leopold-Lucas-Straße, Zwetschenweg, Hermannstraße und Sommerbadstraße. Auch im Wehrdaer Weg und in der Wehrdaer Straße gilt seit Dezember Tempo 30.

Voriger Artikel
Auch dem Kreis drohen Ausfälle
Nächster Artikel
Tagsüber arbeiten und nachts löschen

Seit Ende vergangenen Jahres ist die Lepold-Lucas-Straße in ­Ockershausen eine Tempo-30-Zone.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nach einer Schonfrist kontrolliert die Stadt seit Anfang Februar kontinuierlich, ob die zulässige Höchstgeschwindigkeit eingehalten wird. Das Ergebnis stellt insbesondere den Autofahrern am Rotenberg kein gutes Zeugnis aus: Dort war bei vier Messungen jeder fünfte von ihnen zu schnell unterwegs.

Die Stadt spricht zwar davon, dass die Autofahrer im Durchschnitt gut mit der Geschwindigkeitsbegrenzung zurechtkommen und sie auch einhalten. Die vorgelegten Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache.

846 Verstöße am Rotenberg

Im Februar und März hat die Ordnungsbehörde sechs Wochen lang am Rotenberg, im Wehrdaer Weg, in der Wehrdaer Straße, Hermannstraße sowie in der Ockershäuser Allee zu unterschiedlichen Tageszeiten Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen. Es geht also um die Straßen, in denen zuletzt Tempo 30 eingeführt worden ist. Die Auswertung ergibt Folgendes:

- Bei vier Messungen am Rotenberg über unterschiedliche Tage verteilt gab es bei insgesamt 4335 gemessenen Fahrzeugen 846 Verstöße.

- Am Wehrdaer Weg waren während einer vierstündigen Messung und 550 gemessenen Fahrzeugen insgesamt 73 Verstöße zu verzeichnen.

- In der Wehrdaer Straße wurden bei zwei Messungen 2930 Fahrzeuge gezählt, dabei kam es zu 402 Verstößen.

- In der Hermannstraße wurden insgesamt 3110 Fahrzeuge gemessen. 253 Verstöße gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung gab es dort.

- In der Ockershäuser Allee kam es bei einer Gesamtzahl von 2740 gemessenen Fahrzeugen zu 185 Verstößen.

Am Rotenberg ist also die Akzeptanz der Geschwindigkeitsbegrenzung am niedrigsten, in Ockershausen am höchsten, was eventuell auch damit zusammenhängt, dass zum Beispiel in der Ockershäuser Allee durch die zahlreichen geparkten Autos der Verkehrsfluss ohnehin schon ausgebremst wird.

Bei einer Straßenumfrage am Dienstag in Ockershausen äußerte sich die Mehrheit der Befragten positiv zur Tempo-30-Zone. Eine 64 Jahre alte Ockershäuserin beobachtet immer wieder durchs Fenster, wie die Autos durch die Straße rasen.

„Das führt schneller zu Unfällen“

„Nur bei Kontrollen oder Blitzern fahren die Leute langsamer, sobald diese weg sind, fahren alle so wie vorher“, berichtet die Frau, die ihren Namen nicht nennen will. Eine Tempo-30-Zone sei generell sinnvoll, „aber es müssen sich auch alle daran halten“. Das unterstreicht auch Heike Wittkamp, „da Ockershausen ein Wohngebiet ist und es dort mehrere Schulen gibt“.

Ein 46 Jahre alter Ockershäuser, der seinen Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen will, hält die Rechts-vor-links-Regelung für problematisch. „Das führt schneller zu Unfällen“, sagt er. „Ich habe deshalb selbst schon mal fast einen Unfall gebaut. Außerdem sieht man durch die vielen parkenden Autos und die kleinen Seitenstraßen nicht viel.“

Generell aber hält der Ockershäuser die Tempo-30-Zone im Stadtteil für sinnvoll – anders als eine weitere Passantin, die ebenfalls in Ockershausen wohnt: „Ich finde das nicht sinnvoll, da die Ockershäuser Allee eine Durchgangsstraße ist.“ Ein weiterer Passant hebt hervor, dass es durch Tempo 30 „ruhiger für die Anwohner“ wird.

„Um die Verstoßzahlen weiter zu reduzieren, wird die Ordnungsbehörde auch weiterhin in allen Tempo-30-Zonen Geschwindigkeitsmessungen durchführen“, kündigt Tina Eppler von der städtischen Pressestelle auf Nachfrage der OP an.

„Die Verwarn- und Bußgelder richten sich nach dem bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog für Straßenverkehrsordnungswidrigkeiten. Ab einer Überschreitung von sechs Kilometern pro Stunde beginnt es mit einem Verwarngeld von 15 Euro“, erklärt Eppler.

Nicht überall gilt
 rechts vor links

Autofahrer sind „Gewohnheitstiere“ – davon kann sich wahrscheinlich niemand freimachen. Deshalb sind manche Tempo-30-Zonen eine wahre Herausforderung ans Kurzzeitgedächtnis. Wer zum Beispiel vom Wilhelmsplatz aus ins Barfüßertor fährt, wird dort auf den Beginn der Tempo-30-Zone hingewiesen. Eine weitere Erinnerung folgt nicht, ist laut Straßenverkehrsordnung (StVO) auch nicht notwendig, bis die Geschwindigkeitsbegrenzung am Rotenberg kurz vor dem Elisabethenhof aufgehoben wird.

Außerdem gilt dort auch nicht überall rechts vor links – wie übrigens auch an einigen Einmündungen in Hermannstraße, ­Ockershäuser Allee und Lepold-Lucas-Straße. Von der Rechts-vor-Links-Regelung kann laut StVO abgewichen werden, wenn dort zum Beispiel „öffentliche Verkehrsmittel linienmäßig verkehren“.

Um das Kurzzeitgedächtnis der Autofahrer zu unterstützen, „sind zusätzliche Tempo-30-
Markierungen auf der Fahrbahn vorgesehen“, teilt Eppler mit. „Die Markierungen konnten aufgrund der Witterung nicht, wie sonst üblich, zeitgleich mit der Einrichtung der Tempo-30-
Zonen Ende November/Anfang Dezember aufgebracht werden.“

von Michael Arndt 
und Emilia Vogt

 
Auch nach fast drei Jahren Tempo 30 gibt es am Ortenberg nach wie vor Probleme mit dem Einhalten der Rechts-vor-links-Regelung, wie zum Beispiel an der Einmündung der Dürerstraße in die Schützenstraße zu ­beobachten ist. Foto: Nadine Weigel
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr