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Jeder Cent hilft irgendwo einem Kind

Geldrückgabebretter Jeder Cent hilft irgendwo einem Kind

Geldrückgabebretter auf Theken wie sie etwa in Bäckereien üblich sind, können durchaus einen doppelten Boden haben. Und jede Münze, die durch Kundenhand in der unteren Etage landet, ist für einen guten Zweck bestimmt.

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Gisela Glatzl präsentiert ein Geldrückgabebrett, in dem über einen Schlitz Spendengeld für das Kinderhilfswerk „terre des hommes“ gesammelt wird.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Wie viele Soldatinnen und Soldaten hat die Bundeswehr? – Fast 180.000.

Auf dieser Welt gibt es ein Heer, das der Bundeswehr damit wenigstens zahlenmäßig weit überlegen ist – das es aber überhaupt nicht geben dürfte. Nun, es gibt dieses „Heer“ als solches nicht wirklich, doch es gibt die Soldaten, die es bilden könnten: Kindersoldaten. Überall auf der Welt zerstreut, rund 250 000 Kinder insgesamt.Den meisten ist nur ein kurzes hartes Leben beschieden, und doch werden es nicht weniger, der Nachschub scheint unerschöpflich zu sein.   

Das Kinderhilfswerk „terre des hommes“

Das ist angesichts der nächsten Zahl nicht wirklich verwunderlich: Weltweit leben rund 100 Millionen Kinder einfach auf der Straße, sind deshalb vielerorts der Macht und Willkür anderer Menschen, erwachsener Menschen, ausgeliefert. Für die deutliche Mehrheit dieser Kinder öffnet sich niemals ein Tor zu einem besseren Leben auf dieser Welt. Doch für einige schon.

Daran haben viele verschiedene Institutionen aus Europa  ihren Anteil, unter anderem auch  das Kinderhilfswerk „terre des hommes“. Die Mitglieder engagieren sich in 33 Ländern bei mehr als 400 Projekten für notleidende Kinder. „Gemeinsam für eine Erde der Menschlichkeit“ heißt dabei der Slogan.

Zuschüsse und Spenden bilden die Finanzierung

Das nötige Geld kommt überwiegend über Spenden, aber auch über öffentliche Zuschüsse von der EU und dem Bundeswirtschaftsministerium  zusammen. 2013 waren es alles in allem 17 Millionen Euro. Die Spenden müssen natürlich auch eine gewisse Kontinuität haben, wenn die Hilfe nicht plötzlich ins Leere laufen soll.

Also werden freiwillige Helfer benötigt, die Spenden-Basis-Arbeit betreiben. In hiesiger Region gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich gemeinsam um Frankenberg und Marburg kümmert. In Marburg ist Gisela Glatzl aktiv. Und ihre kleinen Helfershelfer arbeiten rund um die Uhr für sie, naja sagen wir mal besser zu den üblichen Geschäftszeiten.

Wechselgeld für einen guten Zweck

Sie kosten kein Geld, haben aber ständig mit Geld zu tun. Und wenn das Wechselgeld kommt, haben sie ihre Chance, etwas davon zu bekommen. Die Rede ist von sogenannten Geldrückgabebrettern. Das sind die Teile, die in Geschäften auf dem Tresen stehen, in denen Käufer und Verkäufer in der Regel das Geld hineinlegen.

Okay, und wie können die Geld „behalten“ beziehungsweise „sammeln“?  Die Geldrückgabebretter haben eine zweite Ebene, einen Hohlraum unter der Wechselfläche, den Münzen nur über einen Schlitz und einen gezielten Einwurf des Besitzers erreichen können. Wenn sie dann dort drin liegen, warten sie darauf, dass noch mehr zu ihnen kommen.

Und irgendwann kommt Gisela Glatzl in den Laden, hält möglicherweise einen kleinen Plausch mit den Verkäufern und Ladeninhabern, um dann die untere Ebene der Geldrückgabebretter zu leeren. Danach kann es wieder von vorne losgehen mit dem Befüllen des kleinen Schatzkästchens.

2015 wurde die 4000-Euro-Marke wieder geknackt

Natürlich hat Gisela Glatzl in mehreren Bäckereien in Marburg, namentlich bei der Bäckerei Horst, Bäckerei Müller und Bäckerei Künkel solche Bretter mit freundlicher Genehmigung der Ladenbesitzer aufgestellt. Und so kann sie sich schon über viel Kleingeld freuen, das die Bäckerei-Kunden nach und nach durch den Schlitz wandern lassen, im guten Gefühl eine gute Sache damit zu unterstützen.

Und das Kleingeld summiert sich. 2015 erzielte die Arbeitsgruppe nach 2014 das zweite Ergebnis jenseits der 4000-Euro-Marke. Genau waren es 4352 Euro und 2598 davon wurden in den Marburger Geschäften gesammelt.

„Ich denke, die Kunden verdienen es, eine kurze Rückmeldung zu bekommen, dass ihr Geld auch wie angegeben in die Projekte von ,terre des hommes‘ fließt“, sagt Gisela Glatzl. Insgesamt sammelte die Arbeitsgruppe in Frankenberg und Marburg seit 2008 über diese besondere Art der Geldspenden 19.808 Euro. In diesem Jahr wird also die 20 000-Euro-Marke geknackt, vielleicht gibt es ja auch wieder ein neues Rekordeinzelergebnis.

 
Information

Auch wenn „terre des hommes“ nach einer französischen Institution klingt, ist das Kinderhilfswerk 1967 als Verein in Deutschland gegründet worden. Mehr Informationen über die Einrichtung und deren Arbeit gibt es im Internet unter www.tdh.de.

Gisela Glatzl sucht zudem noch interessierte Helfer für Marburg. Infos gibt es unter Telefon 06421/303201 8

von Götz Schaub

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