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Japan, das Hilton und die neuen Möbel

Die Ausgaben der Kreisspitze Japan, das Hilton und die neuen Möbel

Durch die Japan-Reise der Landrätin ist das Jahres-Budget für Patenschaftspflege im Kreis zu drei Vierteln aufgebraucht. Die OP rückt einige weitere Ausgaben der Kreisspitze und neue Aspekte ins öffentliche Blickfeld.

Nachdenklich: Landrätin Kirsten Fründt (SPD) während einer Kreistagssitzung. Im Hintergrund: Erster Kreisbeigeordneter und stellvertretender Landrat Marian Zachow (CDU).

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. So etwa die zweitägige Klausurtagung der Führungskräfte des Landkreises, die im vergangenen Jahr in Bonn mit knapp 60 Beteiligten stattfand und im Kreishaushalt mit 15000 Euro zu Buche schlug.

Für die Weiterbildung, bei der es um die Bürgerbeteiligung im Landkreis ging, habe man Bonn als Austragungsort ausgewählt, da diese Stadt im Jahr 2014 Leitlinien zur Bürgerbeteiligung verabschiedet habe und „zu diesem Zeitpunkt erste wichtige Erfahrungen gesammelt hatte“. So begründet die Kreisverwaltung die Ortswahl gegenüber der OP. Das Hilton sei zu diesem Zeitpunkt in Bonn die günstigste Herberge gewesen. Und zudem das einzige Hotel, das eine solch große Gruppe habe aufnehmen können.

  • Das Hilton in Bonn ist ein Vier-Sterne-Hotel, das mit Grill-Restaurant und Bistro sowie Pool, Fitness-Center und Spa um Gäste wirbt (mehr Infos im Internet: www.hiltonhotels.de/deutschland/hilton-bonn/).
  • Zu den Teilnehmern der Bonn-Reise führt der Landkreis aus, dass es sich neben Landrätin Kirsten Fründt (SPD) und Erstem Kreisbeigeordneten Marian Zachow (CDU) um 54 Mitarbeiter gehandelt habe, „hauptsächlich Personal der ersten und erstmals auch der zweiten Führungsebene“ - also neben den Fachbereichsleitern auch die Leiter von Stabsstellen und Fachdiensten. Gemeinsam mit verschiedenen Referenten habe man sich „intensiv mit dem Thema Bürgerbeteiligung“ beschäftigt, heißt es zum Sinn und Zweck der Schulung in Bonn.
  • Weitere Details der Ausga­benpolitik der Kreisspitze offenbaren sich durch neue OP-Nachfragen zur Japan-Reise. So mehrten sich zuletzt die Gerüchte um die Besetzung der Landkreis-Delegation. Kirsten Fründt gab auf Nachfragen im Kreistag namentlich nur die Mitarbeiter Ralf Laumer und Stefan Franke bekannt. Als die Delegation im Internet über den Verlauf ihrer Reise informierte, bekamen auch Reisebegleitung und Dolmetscherin ein Gesicht. Dabei handelt es sich um den Marburger Sozialdemokraten und Geschäftsmann Jörg Chylek, der bei der Kommunalwahl für den Kreistag kandidierte, und um dessen Frau Yasuko Tsuruki. Beide gelten als ausgesprochene Japan-Kenner. Chylek war auch schon für die Stadt Marburg beim Austausch mit Japan eingebunden. Er arbeitet zudem mit Fründts Stabsstellenleiter und „rechter Hand“ Ralf Laumer (SPD) in der Marburger Arbeitsgemeinschaft „Alles im Biegen“ zusammen.
  • Chylek habe die Reise vorbereitet, teilt der Landkreis auf Nachfrage mit. Einen Reisebegleiter und eine Dolmetscherin habe man vor Ort benötigt, da Chylek „die klassischen und auch notwendigen Aufgaben einer Reiseleitung“ übernommen habe. Er sei für Organisation und Logistik zuständig gewesen, um für einen „reibungslosen Ablauf“ während der „eng getakteten Dienstreise“ zu sorgen, beispielsweise bei den „Transporten innerhalb Japans sowie der Vor- und Nachbereitung der Gesprächsrunden“.
  • Die Dolmetscherin habe sich nicht zusätzlich um organisatorische Aufgaben kümmern können, da „die meisten der japanischen Gesprächspartner kein Englisch sprachen, eine Verständigung also nur über die Dolmetscherin möglich war“.
  • Nach Angaben des Landkreises erhalten Chylek und Tsuruki, deren Reisekosten der Landkreis trägt, für ihren Einsatz in Japan ein Honorar von jeweils 750 Euro.
  • Gerüchte der vergangenen Tage lauteten darauf, dass Chylek auch die Raumausstattung von Fründts Büro im Kreishaus übernommen habe. Dies wies die Kreisverwaltung gestern zurück. Sie teilt mit, dass zwei Unternehmen aus Frankenberg und Hallenberg im Jahr 2014 Material geliefert hätten. Eine Marburger Firma habe neuen Boden verlegt. Defekte Innenjalousien seien durch ein Unternehmen aus Grünberg ersetzt worden. „Herr Chylek ist nach unseren Informationen weder Inhaber dieser Unternehmen, noch ist er an einem der genannten Unternehmen beteiligt“, antwortet der Landkreis und legt auf Nachfrage auch die Kosten für die Neuausstattung von Fründts Büro offen: 25000 Euro.
  • Die Möbel, die Fründts Vorgänger Robert Fischbach nach OP-Informationen vor etwa acht Jahren als Ersatz für Mobiliar aus der Zeit Landrat Kliems anschaffte, wurden in die Außenstelle der Kreisverwaltung in Biedenkopf gebracht. Dort würden sie weiter genutzt, teilt der Landkreis mit.
  • Unterdessen setzt man sich in der Opposition damit auseinander, wie Kirsten Fründt mit dem Ergebnis einer Abstimmung im Kreisausschuss umgegangen ist. Für den Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow (CDU) und sich selbst holte sie am 18.Mai dieses Jahres eine generelle Genehmigung des Kreisausschusses für Dienstreisen im In- und Ausland ein. So teilt es der Kreis mit und verweist auf eine Rücksprache mit dem Hessischen Landkreistag, der bestätigte habe, dass Landräte nach dem Gesetz in eigenem Ermessen über Häufigkeit und Kosten von Dienstreisen im In- und Ausland entscheiden könnten.
  • Die Abstimmung zu den Dienstreisen erfolgte im Kreisausschuss bei einer Gegenstimme. Darüber informierte Fründt die SPD-Fraktionsmitglieder als auch die Mitarbeiter der Kreisverwaltung vergangene Woche in einem Rundschreiben, das der OP vorliegt. In der Opposition wird diese Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses als „Dienstvergehen“ bewertet. Es handele sich bei Beratungen im Kreisausschuss nach dem Gesetz um geheime Abstimmungen. Der Landkreis räumte dazu gestern auf OP-Nachfrage ein, dass Fründts Bekanntgabe des Abstimmungsverhältnisses ein Fehler gewesen sei.

von Carina Becker

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