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Jan Schalauske: „Rot-Grün braucht Druck von links“

OB-Wahl: Linken-Kandidat Jan Schalauske: „Rot-Grün braucht Druck von links“

Jan Schalauske erhielt beim Nominierungsparteitag der Marburger Linken alle 19 Stimmen und wurde als OB-Kandidat seiner Partei bestätigt.

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Jan Schalauske ist der Oberbürgermeister-Kandidat der Marburger Linken.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Es herrschte eine familiäre Atmosphäre, als im DGB-Haus in der Bahnhofstraße der 34-jährige Jan Schalauske zum OB-Kandidaten der „Marburger Linken“ gekürt wurde. Einschließlich des Kandidaten waren es 19 Stimmberechtigte, die sich dort versammelt hatten.

Die Bestätigung von Schalauskes Bewerbung galt schon im Vorfeld als sicher, denn sowohl der Kreisverband der Linken als auch der Vorstand der Marburger Linken hatten Schalauske einstimmig als einzigen Bewerber vorgeschlagen.

Henning Köster, der für die Marburger Linke bei der vergangenen OB-Wahl kandidiert hatte, stand aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung. Köster machte deutlich, dass es für einen „Linken“-Kandidaten realistisch gesehen weniger darum gehe, auf den Oberbürgermeister-Posten zu hoffen.

Stattdessen sei es wichtig, im Wahlkampf bei einem ersten Wahlgang die Themen der Linken zu vertreten. Dass sie ihren Kandidaten in die Stichwahl bringen, damit rechnen die Linken angesichts der politischen Kräfteverhältnisse in Marburg nicht.

Schalauske sei ein impulsgebender Stadtverordneter

Dennoch sei Schalauske ein guter Kandidat für die Marburger Linke, denn er habe sich in den vergangenen Jahren als Stadtverordneter als zuverlässig und impulsgebend erwiesen, sagte Köster.  Wofür er steht, das erläuterte Schalauske dann in einem rund 20-minütigen Vortrag, der auch eine Art Rechenschaftsbericht der „Linken“-Arbeit im Stadtparlament war. So berichtete Schalauske, dass vor allem die „ML“ eine Debatte über Wohnungslosigkeit angestoßen habe, die zu einem zaghaften Umdenken bei den Rathaus-Oberen  geführt habe.

Eine Sozialquote bei neuen Wohnungsbauprojekten und der Einstieg in den kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV): Das sind zwei der Projekte, die Schalauske als Oberbürgermeister verwirklichen würde. „Die Verantwortlichen von Rot-Grün streiten um Schrägaufzug und Seilbahn. Anstelle solcher Prestige-Projekte sollten sie lieber ihre Hausaufgaben beim ÖPNV machen“, sagte Schalauske.

Eine Rücknahme der Privatisierung des Uni-Klinikums und eine bessere Bürgerbeteiligung bei Großprojekten wie dem Ausbau der Windkraft auf den Lahnbergen sind weitere Punkte von Schalauskes politischer Agenda. Anstatt vor Ort den großen Kapitalgesellschaften den roten Teppich auszurollen, sollten sich die SPD und die Grünen lieber in Wiesbaden und Berlin für eine höhere Vermögenssteuer einsetzen, forderte der Linken-Politiker.

Keine „One-Man-Show“ im Wahlkampf

„Rot-Grün braucht Druck von links“, bilanzierte Schalauske. Seit 2011 ist Schalauske Stadtverordneter, seit wenigen Wochen ist er auch hessischer Landesvorsitzender der Linken. Der Politikwissenschaftler ist Mitarbeiter des „Linken“-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Gehrcke. Seinen Wahlkampf will er  aber nicht als „One-Man-Show“ verstanden haben, sondern er hofft auf die Beteiligung eines großen Teams.

Dem scheidenden Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) zollte Schalauske trotz unterschiedlicher politischer Positionen Respekt für seine Arbeit und seinen Schritt, wegen seiner angeschlagenen Gesundheit vorzeitig in den Ruhestand zu gehen.

Neben den eigenen Zielen Schalauskes stand im Mittelpunkt des Wahlparteitags die Beschäftigung mit der überraschenden OB-Kandidatur von Dr. Thomas Spies für die SPD. „Spies gehört zum Parteiadel der SPD“, sagte Henning Köster. „Er wird versuchen, auch Stimmen bei den Wählern der Linken zu holen.“ Eva Gottschaldt, die auch den Antifaschistischen Ratschlag vertritt, vermisst bei Spies klare Positionen, was die Teilnahme rechter Burschenschaften beim Marktfrühschoppen angeht.

von Manfred Hitzeroth

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