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Jagd auf Bogen-Diebe

Diebstahl Jagd auf Bogen-Diebe

Wut und Trauer herrschen bei den Moischter Schützen. Neue, teure Bögen sind ihnen geklaut worden. Den Liefertermin kannten nur Wenige. Die Täter-Suche beginnt. Waren es Sportskameraden?

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Florian Barbe (32) spannt seinen Primitivbogen, um sein Schießsport-Hobby auszuleben. Nach dem Diebstahl von zehn Blank-
bögen aus dem Vereinsheim, steht das Hobby für viele, vor allem junge Moischter auf dem Spiel. Foto: Björn Wisker

Marburg. Moischt. Florian Barbe (32) zieht an der Sehne des Sportbogens. Die Spannung, die auf der dürren Schnur liegt, steht symbolisch für die Gemütslage aller 130 Mitglieder des SV Moischt. Ein Mix aus Trauer, Enttäuschung und Ärger liegt über der Schießanlage.„Für mich ist das ein Schlag ins Gesicht, ich bin tief traurig, mir raubt das sogar die Motivation, weiterzumachen“, sagt Michael Schwab (37), Jugendtrainer. Seine Abteilung trifft der Raubzug besonders hart. 26 Kinder trainieren auf der Anlage regelmäßig mit Recurve- oder Kompositionsbogen, schießen auf bis zu 70 Meter entfernte Zielscheiben. Diesem Ansturm standzuhalten, war für den Verein schwer. Nicht jeder besaß ein Sportgerät, deshalb kauften Achim Klinger (43) und Co. vor kurzem zehn topmoderne Blankbögen. „Damit jeder, der das Schießen ausprobieren will, auch mitmachen kann“, sagt der Vorsitzende. Nun müsse das Training vorerst ausfallen.

Die Sorge des Vereins: Tauchen die Bögen nicht wieder auf, findet sich kein Ersatz, suchen sich die Kinder womöglich andere Hobbys - und der Bogen-Boom ist vorüber. „Dabei sorgen wir für sportliche Vielfalt, bieten etwas anderes als Fußball oder Tennis“, sagt Michael Bette, Bogenreferent. „Aber wir wissen auch, wie schnell sich junge Leute langweilen, wenn hier vorübergehend erstmal nichts mehr passiert“, sagt Klinger.

Den Hintereingang hebelten die Einbrecher mit roher Gewalt auf, die Spuren einer Brech-stange sind unverkennbar. Sie traten die Tür zum Lagerraum auf, schnappten sich gezielt die zehn neuen Bögen. Wert: mehr als 2500 Euro. So bitter der Verlust für den Verein: Die wertvollste Beute erkannten die Täter nicht, ignorierten sie. In Rucksäcken verpackt standen zwei Sportgeräte, die je rund 2000 Euro kosten. Hätten die Unbekannten auch die Pfeile - einer kostet zwischen acht und 40 Euro - mitgenommen, wäre der Schaden noch schmerzhafter geworden. Wie Hohn erscheint es den Moischtern hingegen, dass die Einbrecher, sozusagen zum Dank eine Flasche Billigsekt auf dem Tresen im Sportheim hinterlassen haben.

Die Frage, die sich jeder stellt: Wer klaut zehn Sportbögen? So recht wagt es sich niemand auszusprechen, auch, weil die Antwort schmerzt: Die Täter könnten Sportskameraden sein. Dass der Einbruch und die Beute Zufall waren, daran glaubt jedenfalls im Verein keiner. Zu seltsam wirkt die Tatsache, dass die Bögen erst Stunden vor dem Aufbrechen des Lagers geliefert, in Schröck abgestellt wurden. Das wussten nicht viele. Auch die Polizei macht das stutzig. Sie suche die Täter in- und außerhalb der Schießsportszene, sagte ein Sprecher auf OP-Anfrage.

Dabei ist man in Moischt stolz auf die Entwicklung der vergangenen eineinhalb Jahre. Seitdem strömen Dutzende junge Leute auf das Vereinsgelände. „Dieser Prozess wird von den Dieben kaputtgemacht“, sagt Schwab. Penibel scanen die Mitglieder Internet-Auktionshäuser und Online-Börsen. Taucht ein Bogen auf, schauen sie sich die Bilder an. „Diese Waffen sind individuell, jede hat eine Signatur. Bietet sie jemand zum Verkauf an, entdecken wir das 100-prozentig“, sagt Schwab. Klinger kämpft unterdessen um Ersatz. Hilfe erhofft er sich vom Sportamt oder dem Landessportbund, ein paar Euro als Nothilfe um Bögen zu kaufen. Die Vereinskasse plünderte man vor Wochen für die neuen Geräte, die Versicherung zahlt nichts.

Jedes Jahr, sagt Bette, dringen Unbekannte in das Heim ein, schlagen Mögel kaputt, klauen. Im ebenfalls attackierten Nachbarhaus der Schröcker Schützenkollegen lagern sogar Pistolen - allerdings im Safe. Da hatten die Diebe keine Chance.

von Björn Wisker

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