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Ist Marburg reif für die Sperrstunde?

Gewalt in der Oberstadt Ist Marburg reif für die Sperrstunde?

Gewalt in der Oberstadt: Neben Messerstechereien, Sex-Attacken und Klub-Prügeleien sind auf dem Marktplatz Straßenreiniger von Schlägern verletzt worden. Der Magistrat reagiert, Sperrzeiten kommen auf den Prüfstand. Die Kommentarfunktion ist aktiviert - was denken Sie über die aktuelle Situation in der Oberstadt?

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Patrouillien sollen die Sicherheit in der Oberstadt vor allem nachts gewähren. Tagsüber hat sich die Oberstadtwache bewährt.

Quelle: Montage: Sven Geske

Marburg. Rowdys randalieren nach einer Trinktour, werden ertappt und schlagen zu: In der Nacht zu vergangenem Samstag haben mehrere Männer drei Straßenreiniger angegriffen und verletzt. Das teilte die Polizei mit. Die Mitarbeiter der Dienstleistungsbetriebe Marburg (DBM) räumten zwischen 4 und 4.30 Uhr am oberen Marktplatz auf, als sechs Betrunkene aus einer Kneipe kamen, Mülltonnen umwarfen und Flaschen  zerbrachen. Die Straßenreiniger baten die Gruppe, mit dem Vandalismus aufzuhören – dann schlug das Feier-Sextett zu. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung.

Einen Tag nach dieser Auseinandersetzung eskalierte der Streit zwischen zwei Gruppen, es gab eine Messerstecherei und ein 20-jähriger Student starb an den Folgen eines Stichs in das Herz. Der 26-Jährige mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt.

Kaum ein Wochenende ohne brutale Auseinandersetzung

Bereits am Wochenende zuvor kam es zu einer Schlägerei zwischen einem Feier-Trio aus Neustadt und Türstehern des Tanzlokals Desbarado. Darüber hinaus ist offenbar seit einigen Tagen zwischen Barfüßerstraße und Sybelstraße ein Mann unterwegs, der mehrere Frauen sexuell belästigt, unter anderem einer 18-Jährigen an die Hose gefasst haben soll. Viele Marburger fragen sich: Nimmt die Gefahr im Kneipenviertel zu?

„Kaum ein Wochenende verging ohne brutale Auseinandersetzungen auf der Straße. Massenschlägereien, daraus resultierende unzählige Einsätze des Rettungsdienstes und der Polizei prägten so manche Nacht am Schuhmarkt. Wir fühlten uns leider nicht nur gestört  – zum Schluss hatten wir Angst, sehr große Angst“, sagt Dirk Bamberger,  Oberstadt-Anwohner im sozialen Netzwerk Facebook. In sein Mitgefühl für die Familie des Opfers „mischt sich vor allem eine gehörige Portion Wut“, da Nachbarn und er seit Jahren die Zustände anprangern würden. Jetzt sei es so weit gekommen, dass „erst jemand auf der Straße zu Tode geprügelt werden musste“, bis die Stadt reagiere.

Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg) sagt: „Die Stadt erlebt einen Imageverlust.“ Schon 2012 sei eine Verlängerung der Sperrzeiten, Reduzierung von Lärm und Vandalismus im Stadtparlament diskutiert worden – Stadtspitze und Koalition „haben das abgewiegelt“.

Magistrat will keine Videoüberwachung

Jetzt reagiert der Magistrat: Künftig werden Polizei, Ordnungspolizei und ein privater Sicherheitsdienst vor allem an den Wochenenden während der gesamten Nachtzeiten vor Ort in der Oberstadt patrouillieren und kontrollieren. Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) hat beim Polizeipräsidium eine stärkere Präsenz von Polizisten in der Oberstadt angefordert. „In der Vergangenheit haben wir in anderen Bereichen der Stadt, etwa in Marburg-Mitte, sehr gute Erfolge erzielt“, sagt Vaupel. Die Gewalttat von Sonntag sei „eine dramatische Situation, die die Menschen berührt.“ Der Vorfall habe jedoch „nichts mit der allgemeinen Sicherheitslage in der Oberstadt zu tun.“

Eine Videoüberwachung an Hauptfußgänger-Achsen steht der Magistrat daher skeptisch gegenüber, auch wegen gesetzlicher Regelungen. Außerdem sei eine Videoüberwachung „angesichts der vielen Zugänge zu den Hauptfußgängerachsen und den engen Gassen in der Oberstadt kaum geeignet“, sagt Regina Linda, Leiterin des Ordnungsamts. Obwohl Überwachungskameras an den Eingängen der Gaststätten an der Ecke Reitgasse/Schuhmarkt Hinweise auf den Tathergang am Sonntagmorgen liefern, bezweifelt Vaupel den Abschreckungsnutzen der Technik: „Verhindern werden auch Videokameras solche Verbrechen leider nicht.“

Ist Marburg reif für die Sperrstunde?

An den Sperrzeiten, den längstmöglichen Öffnungszeiten für Kneipen und Klubs könnte sich nach OP-Informationen etwas ändern – zumindest das „Roxy“ in der Reitgasse muss ab sofort um 1 Uhr statt um 5 Uhr schließen. Grund: „Mangelnde Zuverlässigkeit bei der Einhaltung“, heißt es aus dem Magistrat. Es gebe laut Vaupel bei dem Schritt aber „keinen direkten Zusammenhang“ zwischen der Messerstecherei am Sonntag und dem Besuch der Lokalität. Entgegen der Schilderungen von Anwohnern gingen laut Ordnungsamt noch keine Beschwerden zu Gewaltproblemen im Viertel ein.

von Björn Wisker

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