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„Ist Gott tot? Und wenn ja, welcher?“

Vortrag „Ist Gott tot? Und wenn ja, welcher?“

Einen Vortrag mit einem provokanten Titel hat Professor Christoph Kleine von der Universität Leipzig während der „Annual Research Lecture“ in der Aula der Alten Universität gehalten.

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Professor Christoph Kleine hat in Marburg studiert und lehrt nun in Leipzig.

Quelle: Suria Reiche

Marburg. „Geplättet“ sei er gewesen und „zugegeben, ein bisschen weiche Knie“ habe er gehabt. Der Grund: Professor Christoph Kleine war selbst Student in Marburg und hat in dieser Zeit viele Stunden in den „heiligen Hallen“ der alten Universität zugebracht. Heute, rund 30 Jahre später, ist er Professor für Religionsgeschichte mit Schwerpunkt Buddhismus an der Universität Leipzig. „Aber nicht nur mit dem Buddhismus beschäftigt er sich“, betonte die Direktorin des Zentrums für interdisziplinäre Religionsforschung (ZIR), Professorin Edith Franke, bei der Begrüßung in der Alten Aula.

Auch die Säkularisierung sei ein großer Teil seines Forschungsgebiets. Und genau in diesen gab Kleine den zahlreichen Zuhörern einen „kleinen Einblick“, wie er es nannte. Was ist unter dem Begriff zu verstehen? Wie kann man Säkularisierung feststellen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Säkularisierung und Moderne? Und ergibt das Konzept im Kontext außereuropäischer Kulturen überhaupt einen Sinn?

All diese Fragen versuchte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaften speziell am Beispiel Japan in seinem Vortrag, dem er den provokanten Titel „Ist Gott tot? Und wenn ja, welcher, wo und seit wann?“ gegeben hat, zu beantworten.

Abgesehen davon, dass ihm auf die Schnelle kein anderer Name für seinen Vortrag eingefallen sei, beruhe der Titel auch auf einer Anekdote: Bei einer Tagung habe ein Soziologe seine Rede sinngemäß mit der Frage nach der Bedeutung von einer Religionstheorie, jetzt, wo Gott tot sei, eröffnet. Natürlich meinte dieser damit, dass Religion in unserer aufgeklärten Gesellschaft keine Rolle mehr spiele.

Die Augen habe sich Kleine daraufhin trotzdem gerieben. Für ihn sei klar, dass die Welt und der Zustand der Religion darin sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Denn ist Religion nicht gleichzeitig seit Jahren ein Riesenthema in den Medien? „Die Welt, so wird einem suggeriert, ist voll von religiösen Fanatikern.“

Aber noch viel schwieriger: Was wissen wir eigentlich über die Religiosität beziehungsweise Säkularisierung von Ländern, die derzeit im Bezug auf religiöse Problematiken nicht im Fokus der globalen Öffentlichkeit stehen? Wie sieht es zum Beispiel in Japan aus? Dem Land, in dem laut den „World Value Surveys“ mehr als 50 Prozent der Einwohner angeben, sie hätten keine Religion.

„Eine große Aufgabe“

Ob das bedeute, dass Gott in Japan tot ist, so fasste Kleine zusammen, könne anhand von Fragebögen wie den „World Value Surveys“, die in seinem Vortrag als Beispiel dienten, nicht beantwortet werden. Denn die Frage nach Gott und dem, was wir in der westlichen Welt darunter verstehen, könne man nicht einfach auf die Frage nach dem japanischen Gott ummünzen und davon ausgehen, Menschen in Amerika und Japan verstünden darunter das Gleiche.

„Der Begriff der Säkularisierung gehört wohl zu den umstrittensten in der Religionswissenschaft“, so viel bleibt zu sagen. Insgesamt sei herauszufinden, was dahinterstecke, „eine große Aufgabe, die wir in den nächsten Jahren wenigstens teilweise angehen wollen“.

Im Anschluss an den Vortrag, der während der „Annual Research Lecture“ stattfand, die regelmäßig vom ZIR der Philipps-Universität präsentiert wird und neue akademische Impulse geben soll, fand eine rege Diskussion statt.

von Suria Reiche

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