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Ist Gleichstellung in Firmen erreicht?

Marburger Forschungsprojekt Ist Gleichstellung in Firmen erreicht?

In einem mit einer Million Euro geförderten europäischen Forschungsverbund unter Marburger Federführung wird die Gleichstellungspolitik von Unternehmen erforscht.

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Die Soziologinnen Ortrun Brand (von links), Kristina Walden und Professorin Maria Funder erforschen die Gleichstellungspolitik von Unternehmen. Foto: Uni-Pressestelle/Reinhold Eckstein

Marburg. Marburger Sozialwissenschaftlerinnen sowie Arbeitsgruppen aus Österreich und der Schweiz untersuchen in einem neuen Forschungsprojekt, ob sich Geschlechterverhältnisse in Unternehmen gewandelt haben. Die „Deutsche Forschungsgemeinschaft“, der „Schweizerische Nationalfonds“ und der „Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung“ unterstützen die breit angelegte, vergleichende Studie unter dem Titel „Gender Cage - revisited“ mit gut einer Million Euro. Die Federführung liegt bei der Marburger Soziologieprofessorin Maria Funder von der Philipps-Universität. An ihre Arbeitsgruppe fließt mit 450000 Euro fast die Hälfte des Geldes.

Funder erforscht seit Jahren Gleichstellung

„Mit der modernen Industriegesellschaft sind auch die Geschlechterverhältnisse in Bewegung geraten“, erklärt die Projektleiterin Funder zum Hintergrund des Vorhabens. Sie erforscht bereits seit Jahren die praktische Umsetzung von Gleichstellungspolitik in Unternehmen. Den Titel „Gender Cage revisited“ trägt auch das von Funder herausgegeben Handbuch zur Organisations- und Geschlechterforschung, das im Dezember dieses Jahres im Doos-Verlag erscheinen soll. Von Funder herausgegebene Bücher haben Titel wie „Geschlechter-Egalität - mehr Schein als Sein. Arbeit und Interessensvertretung in der Informations- und Kommunikationsindustrie“. Die Forscherinnen wollen hinterfragen, ob die Gleichstellung zwischen Frauen und Männern in Unternehmen wirklich bereits erreicht ist oder ob dies nur scheinbar der Fall ist.

„In Anbetracht aktueller Wandlungsprozesse stellt sich erneut die Frage nach dem unsichtbaren Käfig geschlechtsbezogener Rollenzuschreibung und Arbeitsteilung, dem ‚gender cage‘“, sagt die Marburger Politikwissenschaftlerin Ortrun Brand, die an dem Projekt mitarbeitet. „Uns interessiert vor allem, ob alles beim Alten bleibt, ob sich die Gitterstäbe des ‚gender cage‘ allmählich auflösen“, ergänzt die Soziologin Kristina Walden, die ebenfalls zum Team des Marburger Teilvorhabens gehört. Der Begriff „Gender Cage“ ist nach Angaben von Ortrun Brand abgeleitet von dem in der Soziologie bereits vorher verwendeten Begriff „Iron Cage“ (Eiserner Käfig). Dieser besagt, dass sich viele Unternehmen zwar nach außen hin dem gesellschaftlichen Wandel anpassen, aber dabei nur ihre äußere Fassade ändern, wobei der Kern bestehen bleibt. Ob dieses auch in Bezug auf die Geschlechter- und Gleichstellungsfrage zutrifft, soll das Forschungsprojekt abklären.

Die Projektbeteiligten wollen beispielsweise untersuchen, wie Organisationen auf den zunehmenden gesellschaftlichen Gleichstellungsdruck reagieren. Zu diesem Zweck sollen neue Analyse-Instrumente entwickelt werden, um innerbetriebliche Verarbeitungsformen und Transformationen gesellschaftlicher Erwartungen zu erfassen.

„Unser Ziel ist es, ausgewählte Organisationstypen zu vergleichen und Wandlungsprozesse der Geschlechterverhältnisse in Organisationen zu identifizieren“, erläutert Maria Funder.

Laufzeit des Projekts beträgt drei Jahre

Neben der Philipps-Universität beteiligen sich Arbeitsgruppen der Wirtschaftsuniversität Wien und der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz an dem Vorhaben.

Das Forschungsvorhaben hat eine Laufzeit von drei Jahren und ist bereits im Juli angelaufen. Am vergangenen Wochenende fand ein Auftakt-Treffen in Marburg statt. Dabei wurde vereinbart, dass in Deutschland, Österreich und der Schweiz jeweils acht Unternehmen in den Fokus der Forscherinnen kommen sollen.

von Manfred Hitzeroth

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