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Islamisches Zentrum für alle Marburger

Moschee-Neubau Islamisches Zentrum für alle Marburger

Die neue Moschee in Marburg, die bei St. Jost entsteht, soll im Frühjahr 2016 fertiggestellt sein. Eine „Moschee für Marburg, ein Kulturzentrum für Marburg“ soll das Gebetshaus werden, sagt Dr. Hamdi Elfarra, der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde in Marburg. Im ­Sommer 2013 feierte die Islamische Gemeinde Grundsteinlegung, die damals veranschlagte Bauzeit von etwa zwei Jahren kann nicht ganz gehalten werden.

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Das Baugelände für die Marburger Moschee bei St. Jost 17. Im Frühjahr 2016 soll hier das Gebetshaus der Islamischen Gemeinde eingeweiht werden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Probleme bereitete zuletzt die Tatsache, dass bei Erdarbeiten eine hohe Schadstoffbelastung festgestellt wurde. Die hoch belastete Erde muss gesondert entsorgt werden, berichtet Dr. Elfarra. Ein erster Termin, der mit der Sondermülldeponie vereinbart war, verstrich, weil es just an jedem Tag anfing zu schneien und der Boden gefroren war.    Die Islamische Gemeinde als Bauherr  entschied sich, jetzt auf stabiles Wetter im Frühjahr zu warten und dann die Erde zu entsorgen. Anschließend könne sofort mit den Aushubarbeiten begonnen werden. Dennoch: „Die Probleme mit der Erde haben uns um ein halbes Jahr zurückgeworfen.“

Froh ist die Islamische Gemeinde über die Tatsache, dass neben dem ursprünglich vorgesehenen Gelände ein weiteres Grundstück erworben werden konnte – Moschee und Gemeinschaftszentrum können nun größer werden als ursprünglich gedacht. Ein altes Reifenlager wurde abgerissen, so dass der Wunsch der Marburger Muslime umgesetzt werden soll, auf dem frei gewordenen Gelände Seminarräume und eine Multifunktionshalle zu errichten. Der Nachbar sei über die Pläne unterrichtet und unterstütze sie, sagte Elfarra.

Der Bauantrag für die Ergänzug sei gestellt, die neuen Pläne würden Ende Januar im Gestaltungsbeirat vorgestellt und beraten, sagte der Vorsitzende. Er geht davon aus, dass die Baugenehmigung dann zügig eintrifft. Die zusätzlichen Baukosten schätzt Elfarra auf etwa 70 000 Euro gegenüber der ursporünglichen Kalkulation. Die Islamische Gemeinde hoffe, die Summe über Spenden finanzieren zu können.  

„Unterstützung aus Mitte der Stadtgesellschaft“

Auch die Verträge mit den Baufirmen sind alle geschlossen und unterschrieben. „Von uns aus kann es dann im Frühjahr richtig losgehen.“ Der Rohbau soll im Herbst stehen, Einweihung ist für Frühjahr 2016 avisiert – „es soll ein großes Fest für alle Marburger geben“, sagte Elfarra.

Eine Moschee, so hatte die Islamische Gemeinde bei der Grundsteinlegung im Sommer 2013 betont, solle nach dem Willen des Propheten Mohamed ein Ort des Alltags, der Begegnung sein. So soll denn das Zentrum in St. Jost, ein „offenes Haus“ werden, das für Muslime und Nicht-Muslime gedacht ist. Nicht umsonst gilt das Bauwerk, das in etwa zwei Jahren fertig sein soll, als „europäische“, als „deutsche“ Moschee.

Oberbürgermeister Egon Vaupel, einer der Motoren für den Bau des Bethauses, hatte schon bei der Grundsteinlegung betont, der Wunsch der muslimischen Gemeinde nach einer Moschee werde von der Mehrheit der Bürger gutgeheißen, „die Unterstützung kommt aus der Mitte der Stadtgesellschaft“.

Auch der Runde Tisch der Religionen unterstützt das Vorhaben. Die Unterstützung aus der Gesellschaft ist einer der Gründe, warum Elfarra sagt: „Ich bin stolz auf Marburg.“ Er fühle sich als Moslem sicher in seiner Heimatstadt, weil die aufstehe gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit. Was nicht heißt, dass Marburg eine Insel der Glückseligen ist. Polizeisprecher Jürgen Schlick teilte auf Anfrage der OP mit, die Zahl der angezeigten Straftaten mit rechtsradikalem Hintergrund liege seit einigen Jahren stabil bei gut 30. Für 2014 liegen die Zahlen noch nicht vor.

Ein Großteil der Straftaten beziehe sich auf die Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen.Elfarra berichtet aber auch von einer Demonstration Rechtsradikaler im vergangenen Sommer gegen den Bau der Moschee.  „Natürlich: Als Moslem muss man selbst in Marburg gelegentlich Angst haben“, sagte er deswegen auf der Antigida-Demonstration am Montag auf dem Marktplatz.

von Till Conrad

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