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Islamische Armensteuer und buddhistische Gaben

Forschung Marburg: Gabetheorie Islamische Armensteuer und buddhistische Gaben

„Opfer, Geschenke, Almosen. Die Gabe in Religion und Gesellschaft“: Das ist der Titel eines von Professorin Alexandra Grund-Wittenberg herausgegebenen Sammelbandes.

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Geben ist seliger denn nehmen: Nicht nur der Teddy freut sich über eine milde Gabe.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. In dem jetzt erschienenen Sammelband sind die Vorträge einer interdisziplinären Ringvorlesung an der Marburger Universität zusammengefasst, die auf Anregung der Marburger Theologie-Professorin Alexandra Grund-Wittenberg zustande kam. Dazu trugen vorwiegend Wissenschaftler aus dem Marburger Zentrum für interdisziplinäre Religionsforschung sowie einige auswärtige Referenten bei.

Anknüpfend an den von Marcel Mauss angestoßenen Diskurs zur Gabetheorie geht es dabei unter anderem um folgende Fragen:

  • Welche Gaben von Gott oder Gottheiten haben eine herausgehobene Bedeutung?
  • Mit welchen Absichten werden diese Gaben gegeben?
  • Welche ethische Bedeutung haben milde Gaben – (Almosen, Armensteuer oder Sozialabgaben) im Selbstverständnis von Religionsgemeinschaften?
  • Wie können Gaben zum inneren Zusammenhalt von Religionsgemeinschaften beitragen?

„Geben  spielt in Religionen eine herausragende Rolle“, schreibt Grund-Wittenberg in ihrem Eingangs-Aufsatz. So werde Gott oder den Göttern Opfer, Dank oder ein rechtschaffenes Leben dargebracht, oder Menschen brächten einander aus religiösen Gründen gegenseitig Gaben dar. Vom Christentum über das Judentum und den Islam bis hin zum Buddhismus und dem Shintoismus wird in dem Buch zum Thema Gaben eine breite Palette an Weltreligionen von den Forschern untersucht. Das Spannende: Bei aller Unterschiedlichkeit der Religionen lassen sich religionsübergreifend viele Gemeinsamkeiten entdecken. So berichtet der Islamforscher Professor Albrecht Fuess (Marburg) darüber, dass es vergleichbar zu christlichen karitativen Organisationen auch islamische Wohltätigkeitsverbände gebe, die eine wichtige Rolle spielten. Die Almosenabgabe (zakat) stelle sogar eine der fünf Säulen des Islam dar. Bis heute entrichten Muslime im Namen der Barmherzigkeit Gottes (Allah) diese „Armensteuer“, eine Spende für Bedürftige, erläutert Fuess.

Der Religionswissenschaftler Dr. Martin Repp (Heidelberg)macht in seinem Beitrag deutlich, dass die Opfer-Praxis im Shintoismus in Japan dazu beitragen könne, dass von der Natur entfremdete Menschen wieder mehr Respekt vor den Gaben der Natur gewinnen könnten. Eine in der Bibel im Neuen Testament beschriebene besondere Art der Gabe nimmt die Theologie-Professorin Angela Standhartinger (Marburg) in den Blick. Die Rede ist von der Speisung der 5 000 durch Jesus, für die wenige Brote und Fische als Ausgangsbasis gedient haben sollen. Für die Theologin ist in dieser Erzählung weniger der Wundercharakter entscheidend, als das Anknüpfen  des von Gott gesandten Menschen an die Praxis antiker Wohltäter, das Volk öffentlich zu speisen und dabei aber die geltenden sozialen Hierarchien außer Kraft zu setzen.

Der emeritierte Theologie-Professor Hans-Jürgen Greschat geht in seinem Beitrag von einer im Buddhismus gebräuchlichen, speziellen Form der Gabe aus, dem „Dana“, bei dem Mönche mit ihren leeren Töpfen auf Wanderschaft  gehen und ihre Töpfe von Hausfrauen mit mittäglichem Essen gefüllt bekommen. Zudem weist er auf die im Buddhismus wichtigen Vorgaben zum Geben hin: Es solle mit Achtsamkeit, Gleichmut und Wissensklarheit sowie zwar mit Anstrengung, aber ohne Begierde und Verblendung geschehen. Ein wichtiges Gebot sei aber auch, dass das Teilen ohne den Wunsch nach einer Gegengabe  geschehen solle.

  • Alexandra Grund (Herausgeberin): Opfer, Geschenke, Almosen. Kohlhammer Verlag. 207 Seiten. 29,99 Euro

von Manfred Hitzeroth

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Gaben und Gegengaben, Geschenke und Almosen: Damit hat sich die Marburger Theologie-Professorin Alexandra Grund-Wittenberg befasst.

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Ein Bettler hockt auf  einem Bürgersteig: Die Bedeutung von Gaben erforscht eine Marburger Theologin. Foto:  Tobias Hirsch

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