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Irritationen um Befragung zur Windkraft

Lichter Küppel Irritationen um Befragung zur Windkraft

Die geplante Bürgerbefragung zur Windkraft auf dem Lichten Küppel droht zur Farce zu werden. Ein Nein zum Bau der Anlagen würde nichts an der prinzipiellen Baugenehmigung für den Standort ändern.

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Ja oder nein – die Bürgerbefragung zur Windkraft auf dem Lichten Küppel könnte weit weniger Einfluss auf den Anlagenbau haben als Anwohner und Politiker erwarten.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Sollten die Bürger die zwei nahe Moischt geplanten Windräder ablehnen, die Stadtverordnetenversammlung sich dem Veto verbindlich anschließen und das kommunale Energieunternehmen daraufhin einen Rückzieher machen, stünde die Fläche weiterhin auch anderen Investoren offen. Entsprechende OP-Informationen sind nun vom Regierungspräsidium in Gießen bestätigt worden.

Die Streichung einzelner Vorrangflächen wäre daher nur möglich, wenn sich „neue fachliche Aspekte ergäben“. Das Ergebnis einer Marburger Bürgerbefragung sei von der Regionalversammlung Mittelhessen „fachlich zu beurteilen und abzuwägen“. Was speziell eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung angehe, „gehört der Bürgerwille nicht unmittelbar zu den Genehmigungsvoraussetzungen“. Das sogenannte gemeindliche Einvernehmen, das die Stadt vor einem Bau prüfen müsste, jedoch sehr wohl. Ergo: Verneint die Kommune nach einem etwaig negativen Ergebnis der Bürgerbefragung das Einvernehmen, wäre das ein möglicher Hinderungsgrund.

Windkraft in Marburg - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Da der Lichte Küppel Eigentum von Hessenforst – und somit dem Land, nicht der Stadt Marburg – ist, kann die Stadt die Verpachtung der Fläche für die Herstellung erneuerbarer Energien indes nicht verbieten. Da Hessenforst finanziell angeschlagen ist, sehen Experten ein großes Interesse an der Flächen-Verpachtung, um Geld einzunehmen. „Wenn sich über Gutachten nichts weiter Schädliches für Mensch, Tier und Wald feststellen lässt, wird man das von dieser Seite wohl umsetzen wollen“, sagt Joachim Wierlemann vom hessischen Landesverband Windenergie, ein Lobbyverband für den Ausbau von Windenergie.

Teilregionalplan wird nach dem Sommer offengelegt

Die Stadtverordnete Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg) warnt: „Die Bürgerbefragung kann Windräder also nicht verhindern. Es wird lediglich entschieden, ob die Stadtwerke dort investieren sollen oder nicht.“ Dass der Lichte Küppel prinzipiell für den Bau von Windrädern freigegeben ist, hängt auch mit gemessenen Windstärken zusammen. Auf dem Areal herrschen nach Angaben von Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) Windgeschwindigkeiten von 6,55 Meter pro Sekunde in 140 Metern Höhe – so hoch, wie die zwei geplanten Anlagen sein sollen.

Eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 5,75 Meter pro Sekunde in 140 Metern Höhe über Grund wird vom Wirtschaftsministerium als Grundvoraussetzung für Wind-Vorrangflächen verlangt. „Andere Investoren als die Stadtwerke werden wirtschaftlich nachhaltiger rechnen müssen. Ob diese ermittelten Windstärken dann wirklich ausreichen, wird sich zeigen“, sagt Suntheim-Pichler.

Das RP hat derzeit nur einen Investoren-Antrag vorliegen – den der Stadtwerke. Ausschließen lasse sich aber nicht, dass auch andere Interesse bekommen und – falls die Gutachten das zulassen – eine Genehmigung bekämen.
„Wenn ein Standort als Vorrangfläche ausgewiesen ist, ist er das aufgrund seiner Eignung als solcher“, sagt Windkraft-Lobbyist Joachim Wierlemann. Hintergrund zu den Vorrangflächen: Laut den Energiezielen der Landesregierung sollen in den nächsten Jahren zwei Prozent der Landesfläche, die als dafür geeignet gelten, für den Bau von Windkraftanlagen ausgewiesen werden. Der Teilregionalplan Mittelhessen wird laut RP in der zweiten Jahreshälfte erneut offengelegt.

von Björn Wisker

Hintergrund: Skeptiker warnen vor Infraschall

  • Ernste Gefahr oder Einbildung? In Dänemark – einem Vorreiter in Sachen Windkraft –  häufen sich derzeit die Beschwerden über Gesundheitsprobleme und Beeinträchtigungen in der Tierwelt nahe Windrädern – verursacht durch den sogenannten Infraschall. „Wenn gesundheitsschädliche Immissionen nicht vermieden oder abgeschirmt werden können, ist Investition in Windkraft mitten in der Stadt nicht sinnvoll“, sagt Dr. Werner Schubö, ein Anwohner vom Richtsberg. Unter Infraschall versteht man Schall, dessen Frequenz unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegt. Infraschall ist nach Angaben von Wissenschaftlern Bestandteil der natürlichen Umgebung des Menschen, wird aber auch künstlich erzeugt – im Verkehr und durch technische Geräte. Zu diesen Verursachern zählen jedoch nur ältere Modelle, wie Erich Hau, Ingenieur  und Windkraftplaner, in seinem Fachbuch schildert. Laut Landesamt für Umwelt Baden-Württemberg, das seit 2013 systematisch Infraschall misst, liegt dieser bei Windrädern auch im Nahbereich (150 bis 300 Meter) deutlich unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Dass Krankheiten durch Infraschall ausgelöst werden können, ist wissenschaftlich bislang nicht belegt. „Da das Geräusch nicht hörbar ist, ist es populär geworden damit Angst zu machen. Dabei ist der Faktor Infraschall unbedenklich“, sagt Joachim Wierlemann, hessischer Windkraft-Lobbyist auf OP-Anfrage.
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