Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Iron Man wohnt in Ockershausen

Superheld Iron Man wohnt in Ockershausen

Nein, das kann nicht sein! Ist das Iron Man, der da nahe des Georg-Gaßmann-Stadions aus seinem Auto steigt? Wahrhaftig: Es ist der Superheld. Er ist nicht etwa in einer Mission unterwegs, er wohnt in Marburg-Ockershausen.

Voriger Artikel
Sozialstaffel für Gebühren kein Tabu für SPD mehr
Nächster Artikel
Ortsbeirat: Kampfabstimmung in Cappel

Ein bald alltägliches Bild: Iron Man in Ockershausen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Selbstverständlich steckt in der Rüstung auch eine Person. Es handelt sich nicht um Tony Stark, der in den Comic-Heften, Zeichentrickfilmen und Real‑
verfilmungen mit seinen selbstgebauten Konstruktionen ein aufs andere Mal die Welt rettet. In der Rüstung steckt Markus Dersch. Viele Menschen kennen ihn besser unter seinem Künstlernamen Ebby. Als „DJ Ebby“ sorgte er 20 Jahre lang mit seiner Musikauswahl und Moderation für gute Unterhaltung und volle Säle und Zelte.

l

Seit zwei Jahren lebt der Holzhäuser in Ockershausen. Dort ist gewissermaßen die Geburtsstätte der Mark 43, der aktuellen Iron-Man-Rüstung des Superhelden. Sie ist bis aufs Detail dem Original nachgebaut.
Fast 14 Monate hat Ebby an dem Projekt gearbeitet und wurde dabei von zehn Freunden kräftig unterstützt. „Ansonsten hätte es jahrelang gedauert“, vermutet Ebby.

Als die OP ihn besucht, ist gerade das letzte Teil eingetroffen: die Nebelmaschine. Doch an dieser Technik will er noch arbeiten. Zurzeit verwendet er Trockeneis. Das sei nicht ganz ungefährlich und nicht ökonomisch, sagt Ebby und erklärt: „Zehn Kilo musst du kaufen, 9,8 Kilo schmeißt du weg.“ Am liebsten würde er eine kleinen Nebelmaschine einbauen, die nach dem Verdunstungsprinzip arbeitet. Das sei aber zur Zeit nicht finanzierbar.

Ebby führt uns in zwei kleine Kellerräume, dort hat er die ganze Zeit über gewerkelt, viel ausprobiert, manches verworfen und am Ende praktikable Lösungen entwickelt. Die aus 137 Formteilen, vielen Verbindungen, unzähligen Schrauben, zig Metern an Kabeln, Steckern und vielen elektronischen Teilen bestehende Rüstung zieht er zum ersten Mal für die OP an.

Erste Ankleidung dauert fast 45 Minuten

Bis dahin trug sie nur seine Freundin. Ebby testete dabei, wie man die Rüstung am besten und schnellsten anlegt und welche Veränderungen noch nötig waren. Nun kleidet ihn die Freundin an. Das dauert fast eine dreiviertel Stunde. Sorgfalt ist dabei das höchste Gebot. Jede elektronische Steckverbindung muss sitzen.

Mit kleinen Schaltern in den Handschuhen steuert Ebby die gesamte Elektronik: das Auf- und Zuklappen des Visiers, das Herausfahren des „Waffensystems“ aus den Unterarmen, die Nebelmaschine und die Triebwerke im Rückenpanzer.

Eigentlich hatte er seinen ersten großen Auftritt an Fasching in der Kinderstation des Klinikums geplant. Das klappte nicht. Erst heute wird sich Marburgs Iron Man am Stand der Oberhessischen Presse auf der Oberhessenschau einem größeren Publikum präsentieren.

Um 15.30 Uhr geht’s los. Dort können die Messebesucher den Superhelden sehen, anfassen und ihm Fragen stel
len. Wie kam Ebby auf die Idee, dieses Projekt anzugehen? Der 42-Jährige berichtet über einen sehr bedeutenden Teil seines Lebens. Der gelernte Metzger, Koch und Fachmann für Veranstaltungstechnik kaufte gemeinsam mit einem Kompagnon eine Firma, war acht Jahre lang im Eventmanagement tätig.

Eiserner Kampf gegen 
die Folgen der Krankheit

„Wir hatten 25 Mitarbeiter, haben viel im Messebau gearbeitet, Livekonzerte gemanagt, fast alle größeren christlichen Festivals in Deutschland“, berichtet er und erzählt weiter: „Dann haben wir die Firma verkauft. Gesundheitlich hätten wir beide das, so wir unser Geschäft betrieben haben, nicht mehr lange durchgestanden.“

Ebby blieb als Techniker selbstständig. 2011 dann ein gravierender Einschnitt in seinem Leben: Bei ihm wurde ein Gehirntumor festgestellt. Den entfernte man operativ. Es folgte ein Jahr Klinikaufenthalt. „Ein halbes Jahr lang saß ich im Rollstuhl“, sagt er. Zurückgeblieben sind sensorische Probleme in der rechten Körperhälfte. „Ich muss regelmäßig Sport treiben. Wenn ich drei Tage wenig gemacht habe, merke ich, wie ich steif werde, ich habe dann auch Schmerzen.“

Was haben die Brüder Grimm, Behring, Heidegger und Iron Man gemeinsam? Antwort: alle haben in Marburg gewirkt. Letzterer wohnt sogar noch hier und heißt im normalen Leben Markus Dersch. Der Oberhessischen Pressehat er gezeigt, wie der Alltag eines Superhelden aussieht.

Zur Bildergalerie

Um das zu verhindern, geht er regelmäßig mit seinem kleinen Rüden „Peppi“ spazieren. Ab und zu kickt er mit seinen alten Kumpels in Bottenhorn. „Was man so kicken nennt, sagt Ebby und ergänzt lachend: „Ich renne zehn Minuten über den Platz.“ Dabei ist er bandagiert und trägt einen Kopfschutz. Beim SSV „Auf der Heide“ Bottenhorn hat er in jungen Jahren Fußball gespielt.

Auch beruflich ging‘s weiter, „obwohl mich die Krankenkasse zum Rentner machen wollte“, sagt Ebby. Er ließ sich umschulen zum Kaufmann für Tourismus und Freizeit und arbeitet heute bei der Deutschen Vermögensberatung in den Bereichen Medientechnik und Veranstaltungen.

Ghostbusters-Vollausstattung gebaut

Zwei- bis dreimal in der Woche muss er infolge der Krankheit Physiotherapie für seine Hand machen. „Sie muss viel bewegt werden, sonst wird sie steif“, erklärt er. Ständig die gleichen Übungen zu machen, war ihm zu langweilig, also suchte er sich Aktivitäten, die ihm Spaß machten und ihn in Bewegung hielten.

Weil er anfangs zu Hause bleiben musste, baute er sich eine Ghostbusters-Vollausstattung. Als Geisterjäger kann man ihn seither mieten, beispielsweise für Kindergeburtstage. Als Comicfan kam Ebby dann fast zwangsläufig die Idee, einen Iron-Man-Panzer zu bauen. Er nahm Kontakt zu anderen Bastlern auf, besorgte sich Baupläne in den USA.

„Zunächst dachte ich, ich schaffe das alleine. Das war naiv“, sagt er. Zu denen, die ihm halfen, zählte sein Freund Jens von der Uni Meschede, der etwa 80 Prozent der elektrischen Anlage herstellte. Der Chef eines Modellbaugeschäftes half ihm ebenfalls. Viele Pakete wurden hin- und hergeschickt.

Ebby stellte manche Teile aus Spül- und Waschmittelflaschen her, nutzte Ritterrüstungen und anderen Spielsachen aus Kunststoff. Er baute Formen und goss sie aus. So mancher Prototyp für die Teile lagert heute noch in den Regalen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „In ganz Deutschland gibt es keinen weiteren Mark 43“, freut sich Ebby. Seine Rüstung wiegt samt Akku nur 6,5 Kilogramm. „Und ich kann mich darin wunderbar bewegen“, sagt er.

Stolz ist er auch darauf, dass ihm Frank Schaff, die Synchronstimme von Tony Starks Computer‑
assistent „Jarvis“, zehn markante Sätze eingesprochen hat, die demnächst bei den Auftritten des Marburger Iron Man zu hören sind.

Er werde die eine oder andere Comic Con besuchen, gewiss bei entsprechenden Filmen am Marburger Kino zu sehen sein. „Und selbstverständlich kann man mich engagieren, ab nächsten Monat über die Internetseite ,michahoppe.de‘“, kündigt der Ebby an.

von Hartmut Berge

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr