Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Internet bietet Risiken bei mangelnder Erfahrung

Erziehung Internet bietet Risiken bei mangelnder Erfahrung

Eltern sollen ihren Kindern das Internet nicht verbieten, sondern ihnen einen gesunden Umgang mit dem Medium beibringen. Dafür warb Günter Steppich bei einem Elternabend der weiterführenden Marburger Schulen.

Voriger Artikel
Rad fahren in den Alpen entspannt ihn
Nächster Artikel
Formalität löst Kettenreaktion aus

Der Lehrer und Medienprofi Günter Steppich informierte während eines Elternabends im Audimax über Gefahren im Internet. Foto: Patricia Kutsch

Marburg. „Meine Kinder hatten das Pech, dass ihre Eltern sich besser mit Computern auskennen, als sie“, sagte der Lehrer und Medienprofi Günter Steppich zur Begrüßung der rund 300 Eltern.

Meist wüssten die Eltern gar nicht, welche Möglichkeiten das Internet bietet und was ihre Kinder dort machen. Steppich verteufelte das Internet jedoch nicht, sondern hob auch die Vorteile hervor: Das Internet erleichtere die Produktivität und die Kommunikation. Dennoch biete es auch „eine große Portion Risiken und Nebenwirkungen, wenn man sich nicht auskennt“.

Zur Eröffnung begrüßte Steppich zunächst zwei Frauen namens Sabine - diese hatten die Bluetooth-Funktion am Handy aktiviert und sichtbar, ebenso wie 15 weitere Besucher. „Ich könnte jetzt die SMS von ihrem Handy auf der Leinwand zeigen“, sagte er. „Das könnte aber Ärger mit dem Partner geben.“ Ähnlich sei es mit Computern, wenn kein guter Virenschutz vorhanden sei: Hacker haben in der Vergangenheit bereits über Viren die Webcam von Kindern aktiviert und so Einblick in deren Kinderzimmer gehabt - völlig unbemerkt.

Gerade die Pornografie sei ein großes Thema. Seiten mit diesen Inhalten seien im Netz frei zugänglich. „Die Jugend von heute tastet sich nicht mehr ran, sondern weiß schon alles aus den Pornos“, sagte der Referent. „Die Jungs gucken das alle“ - da könnten die Eltern sich sicher sein. Bedenklich: Jeder zweite Junge halte diese Filme für lehrreich. „Und keiner geht zu Papa und fragt ihn, ob man das wirklich so machen muss, wie in dem Film.“

Daher sei es wichtig, dass die Eltern frühzeitig mit ihren Kindern über das Thema Pornografie reden.

Gefährlich seien aber auch Chats: Keiner weiß, mit wem er wirklich schreibt. „Das kann schiefgehen, denn es muss kein Jugendlicher sein“, erklärt Steppich. Oftmals sehen Kinder plötzlich nackte Männer über die Webcam, statt eines netten, jungen Chatpartners. Auch die Gewalt sei ein großer Problembereich.

Spiele haben keine Amokläufe zur Folge

Nicht etwa Spiele wie „Counterstrike“ - Steppich betonte, dass Jugendliche nicht wegen des Spiels zu Amokläufern werden, sondern weil sie psychische Probleme und Zugang zu Waffen hätten. Schlimmer seien Tötungsvideos und „eklige“ Bilder. Um ein Gefühl dafür zu bekommen könnten Eltern „eklig“ ja mal als Suchbegriff bei einer Bildersuchmaschine im Internet eingeben.

Steppich klärte die Eltern über Strafen auf, die drohen, wenn ihre Kinder illegal Videos und Musik aus dem Internet runterladen und über die Gefahren sozialer Netzwerke: Welche Infos Jugendliche unbedacht über sich preisgeben, wer diese lesen kann und welche Folgen das für die Jugendlichen haben kann: Von Mobbing, über Absagen bei Bewerbungen bis hin zu Vergewaltigungen.

Der Medienprofi gab den Eltern Tipps, wie ihre Kinder sich sicher in solchen Netzwerken bewegen können.

Organisiert wurde die Informationsveranstaltung für Eltern vom Schulamt. „Wir haben eine Initiative gestartet, damit die Schulen im Bereich Medienschutz verstärkt arbeiten“, sagte Olf Westphal, Fachberater für Medienbildung im Schulamt. An 15 Schulen in der Stadt und im Landkreis würden derzeit Medienschutzbeauftragte ausgebildet - so solle es zum festen Bestandteil an den Schulen werden, dass Kinder Medienkompetenz im Unterricht lernen. Da die Schule die Erziehungsarbeit der Eltern jedoch nur unterstützen könne, sei es auch wichtig, die Eltern zu informieren.

von Patricia Kutsch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr