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Internationales Willkommen mit Herz

Begrüßungspaket Internationales Willkommen mit Herz

Der Landkreis hat ein Informationspaket für Asylsuchende geschnürt. Was ist typisch Deutschland, was muss man über den Landkreis wissen?

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Ankommen und klarkommen: Der Landkreis händigt Flüchtlingen eine Sammlung von sorgfältig zusammengestellten Broschüren aus, um über Stadt, Land und gesellschaftliche Gepflogenheiten zu informieren.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Herzlich willkommen im Landkreis Marburg-Biedenkopf! Wir freuen uns, dass Sie hier sind, und wir wünschen Ihnen ein gutes Ankommen. Hinter Ihnen liegen Abschiede und ein langer Weg. Umso wichtiger ist es uns, dass Sie sich hier wohlfühlen. Dabei möchten wir Ihnen unsere Unterstützung anbieten.“

Mit diesen und weiteren Worten begrüßen Landrätin Kirsten Fründt und Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow neue Bewohner des Landkreises, die als Flüchtlinge hierherkommen, auf einem Briefbogen. Er liegt dem Willkommenspaket bei, das der Landkreis in den vergangenen Monaten geplant und bestückt hat. Es wird ab sofort an die Neuankömmlinge verteilt, wenn sie sich im Kreishaus zur Weiterverteilung auf die Kommunen melden. Mehrere hundert Willkommenspakete liegen derzeit vor.

Anschreiben, Broschüren und Infoschriften

„Die Menschen, die bei uns Schutz suchen, kommen oft aus anderen Kulturkreisen. Sie haben eine lange Flucht hinter sich und brauchen hier jetzt Hilfestellung, um sich zu orientieren“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow bei der Vorstellung des Willkommenspäckchens im Marburger Landratsamt.

Neben dem Anschreiben, das auf Deutsch und auf Arabisch beigefügt wird, stecken eine Reihe Broschürem und Infoschriften in dem großen weißen Umschlag, der mit herzförmig angeordneten internationalen Willkommensgrüßen bedruckt ist. Im A-4-Format gibt die Karte Stadt-Land-Lahn einen Überblick von Mittelhessen und angrenzenden Regionen. In der neuaufgelegten Broschüre „Über uns“ erläutert der Landreis in englischer Sprache, wofür er zuständig ist mit Gesundheitsamt, Breitband-GmbH, Volkshochschule, Kreisjobcenter, KFZ-Zulassungsstelle oder etwa Jugend-, Familien- und Sozialamt. Die Broschüre bietet auch Einblick in die politischen Verhältnisse. Bislang nur in deutscher Sprache informiert die Broschüre des Projekts „Voice“ über die Beratungszeiten im Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge. Und durch das Heftchen „Marburg auf einen Blick“ in englischer Sprache erfahren Neuankömmlinge, was die Universitätsstadt an der Lahn so ausmacht und was man sich dort alles anschauen kann.

Fit für den Fahrkartenkauf am Automaten

Wichtig für die Mobilität: Die neue Broschüre des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, die in englischer und deutscher Sprache Informationen für die Benutzung von Bussen und Bahnen bereitstellt inklusive vieler Preisbeispiele und einer sehr hilfreichen Nutzungsanleitung für den Fahrkartenkauf am Automaten. Nützlich für die Auseinandersetzung mit den Regeln der neuen Heimat: Dem Willkommenspaket liegt ein Grundgesetz in arabischer Sprache bei.

Was auch deutschen Bürgern zur Lektüre empfohlen werden kann, wenn sie mit gutem Beispiel vorangehen wollen: der Flüchtlings-Guide von Michael Strautmann, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung unter dem Titel „Ankommen - Eine Orientierungshilfe für das Leben in Deutschland“. Darin liest man beispielsweise, dass Privatsphäre den Menschen hierzulande wichtig ist - und das es vollkommen normal ist, stundenlang im Zug oder Restaurant schweigend neben Fremden zu sitzen.Hilfreich sind zudem die Verhaltensregeln zur Nutzung öffentlicher Toiletten: „Man sollte die Toilette möglichst sauber und trocken hinterlassen. Deshalb sollte die Toilette im Sitzen benutzt werden. Wo kein Urinal zur Verfügung steht, gilt dies auch für Männer.“ Gut zum Verinnerlichen auch für deutsche Staatsbürger der Hinweis: „Religion wird als Privatsache angesehen, es gilt die Religionsfreiheit. Das heißt, dass man glauben darf, was man möchte - gleichzeitig wird aber auch erwartet, dass man akzeptiert, dass andere Menschen an einen anderen Gott glauben - oder an gar nichts.“

Das Büchlein enthält die illustrierten Verhaltensregeln in zehn verschiedenen Sprachen.

Bilderbuch-Verständigung funktioniert ohne Worte

Bestandteil des Päckchens, das der Kreis jedem Asylbewerber übergibt, ist zudem ein kleines Bilderbuch mit 1200 Abbildungen von Gegenständen aus dem täglichen Leben und deren Bezeichnung in deutscher Sprache - von „A“ wie Abfalleimer bis „Z“ wie Zahnbürste. Lebensmittel, Tiere, Landschaften oder Verkehrsmittel: Um sich zu verständigen, können die, die noch nicht Deutsch sprechen, auf den abgebildeten Gegenstand zeigen. „Dies erleichtert insbesondere in den ersten Tagen und Wochen die Verständigung für beide Seiten“, weißt Claus Schäfer, Leiter des Büros für Integration beim Landkreis.

Das Infomaterial steht auch online zur Verfügung und kann über www.marburg-biedenkopf.de (über den Button Flüchtlinge) heruntergeladen werden. Ein weiterer Baustein der Willkommensstrategie sind Hilfestellungen für die vielen Ehrenamtlichen, die sich in Marburg-Biedenkopf darum bemühen, dass Flüchtlinge einen guten Start haben. Die Infos dazu stehen auf der Homepage des Kreises bereit: Eine 24 Seiten starke Broschüre mit Informationen, Kontakten und Ansprechpartnern.

Die Broschüre „Miteinanderkultur“, die der Landkreis selbst aufgelegt hat, bemüht sich auch um die Beantwortung rechtlicher Fragen. Ergänzend dazu enthält sie Hinweise auf Formen der ehrenamtlichen Unterstützung.

von Carina Becker

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