Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 4 ° Regen

Navigation:
Internationaler Betrugsversuch scheitert im Kreis

Phishing-Geldwäsche Internationaler Betrugsversuch scheitert im Kreis

Betrüger warten mit immer neuen Methoden auf. In einem aktuellen Fall der Kripo Marburg versuchte ein Betrüger eine Arbeitsuchende als Finanzagentin zu missbrauchen.

Voriger Artikel
Aufzug am Ortenberg benötigt spezielles Ersatzteil
Nächster Artikel
Das Okay für die Werksfeuerwehr

Zugangsdatenklau per Online-Mitteilung – eine beliebte Betrugsmethode. Betrüger transferieren auf diesem Wege das Geld ihrer Opfer auf andere Konten.

Quelle: Franziska Koark

Marburg. Es ist ein neuer Fall von so genanntem Phishing, von Zugangsdatendiebstahl. Eine Frau aus dem Landkreis meldete sich im Online-Portal des Arbeitsamtes arbeitsuchend und erhielt daraufhin ein Jobangebot einer vermeintlichen Firma aus der Schweiz. Ihre Aufgabe sollte die Digitalisierung von Büchern sein. Es gab einige Kontakte via E-Mail und Mobiltelefon zum Aufbau eines gewissen Vertrauensverhältnisses, ebenso die Zusendung eines „ordentlichen“ Arbeitsvertrages. Danach forderte der neue Arbeitgeber die Frau auf, einen hochwertigen Scanner bei einem ganz bestimmten Partnerunternehmen zu erwerben. Dort erhalte man auf die unverbindliche Kaufpreisempfehlung einen Rabatt von 30 Prozent. Das nötige Geld sei bereits vorgestreckt und liege auf ihrem Konto bereit. Die Zahlung solle per Western Union Money Transfer erfolgen.

Angebliche Gutschrift wird zurückgewiesen

Das tatsächlich bereitgestellte Geld stammt aus einer Phishing-Tat. Das Partnerunternehmen gibt es genauso wenig wie die Firma des angeblichen Arbeitgebers. Das transferierte Geld würde irgendwo im Ausland landen, dort abgeholt und wäre damit weg. Auf den Scanner würde die Frau vergeblich warten. Ihr kam das allerdings seltsam vor und sie wandte sich an die Polizei. Nach deren Ermittlungen stammten die auf dem Konto der Frau eingegangenen 8.000 Euro vom Konto eines Mannes aus Baden-Württemberg. Er hatte auf eine angebliche Online-Mitteilung seiner Hausbank reagiert, dem Inhalt der Nachricht Glauben geschenkt und eine angebliche Gutschrift zurückgewiesen. Erst durch die Ermittlungen der Polizei stellte der Mann bei der Kontrolle seines Kontos fest, dass es entgegen der Nachricht der angeblichen Hausbank nicht zu einer Gut- und einer Lastschrift des angeblich durch einen Buchungsirrtum auf seinem Konto gelandeten Geldes kam, sondern nur zu der Lastschrift. Der Lastschrift-Betrag landete auf dem Konto der Jobsuchenden aus dem Landkreis.

Mann bleibt Verlust von 8000 Euro erspart

Der Betrüger versuchte also, über diese Frau das Geld aus der Phishingattacke zu waschen. Mit dem Transfer per Western Union hätte sich die Spur des Geldes bei der Finanzagentin verlieren können. Sie hätte sich wegen leichtfertiger Geldwäsche nach Paragraf 261 Strafgesetzbuch strafrechtlich und zusätzlich zivilrechtlich wegen der eingeforderten Rückzahlung verantworten müssen. Außerdem droht ein Verfahren wegen des Betreibens unerlaubter Finanzdienstleistungsgeschäfte durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Durch die wache Reaktion der Jobsuchendem blieb der Mann im Besitz seiner 8000 Euro. Die weiteren Ermittlungen führten die Kripo zu einem Computer in Nordrhein-Westfalen. Höchstwahrscheinlich nutzten die Täter ohne Wissen der Familie, der der PC gehört, deren Anschluss in einem sogenannten Bootnetz.

Gespräche laufen über Marokko und Irland

Die geführten Telefonate über Mobiltelefon liefen über Marokko und Irland. All das zeigt, dass die mutmaßlichen Täter hoch spezialisiert und international vorgehen, um ihre Spuren zu verwischen. Die Polizei warnt aus diesem Anlass und richtet sich mit folgenden Warnungen und Empfehlungen an die Bevölkerung: Das Motto „viel Geld für wenig Arbeit“ birgt erhebliche Gefahren. Je verlockender ein Angebot, umso höher liegt die Wahrscheinlichkeit der fehlenden Seriosität. Reagieren Sie am besten gar nicht auf solche Angebote - egal auf welchem Wege die Offerten Sie erreichen. Stellen Sie keinen Kontakt her - lassen Sie sich nie vom Verdienst oder, wie es oft heißt, von den Provisionen oder völlig ungewöhnlichen und unüblichen Rabatten blenden und locken. Prüfen Sie Ihr Konto auf unerwartete Eingänge. Nehmen Sie in solchen Fällen Kontakt zur Bank und Polizei auf.

So schützen Sie sich vor Phi-shing-Attacken: Kein seriöses Kreditinstitut fordert vertrauliche Daten übers Internet oder per Telefon oder Post. Übermitteln Sie nie persönliche und vertrauliche Daten, vor allem keine Kontodaten und TAN-Nummern per Telefon oder E-Mail oder auf Seiten, auf die Sie durch Folgen eines Links gelangten. Geben Sie PIN und TAN nur bei selbst gewählten sicheren Verbindungen mit Ihrem Browser ein und überprüfen Sie danach regelmäßig ihre Kontobewegungen. Beenden Sie Online-Sitzungen bei Ihrer Bank durch ordnungsgemäßes Abmelden.

  • Weitere Infos zu den Phänomenen Phishing und Finanzagenten finden Sie unter anderem unter www.polizei-beratung.de
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr