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Integration von überschaubaren Gruppen

Wohnungen für Flüchtlinge Integration von überschaubaren Gruppen

Eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen, möglichst in kleinere Wohneinheiten wie etwa ein einzelnes Haus, schafft eine gute Voraussetzung, dass Integration im Landkreis gelingen kann.

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Das Haus im Dautphetaler Ortsteil Holzhausen verfügt über alle wichtigen Einrichtungsgegenstände. Einige Betten wurden von den Vermietern neu angeschafft.

Quelle: Götz Schaub

Holzhausen. Es ist ein Haus mitten im Ortskern von Holzhausen. Mit Balkon, Rasenfläche und Räumen auf drei Etagen. Es wird nicht mehr bewohnt und von den Besitzern derzeit auch nicht gebraucht. Ein Glücksfall für den Landkreis. Hier ziehen schon sehr bald zehn Flüchtlinge beziehungsweise Asylbewerber ein, die ihren Antrag erst noch stellen werden oder auf ihre Anerkennung warten. „Die Nachbarn sind darüber informiert“, sagt Vermieterin Magdalena Trenker. Die Gemeinde Dautphetal weiß auch Bescheid und bietet ihre und die Hilfe der ehrenamtlichen Helfer aus der Bürgerschaft an, informiert Ruth Schepp von der Gemeinde.

Das Haus in Holzhausen soll als ein Beispiel dienen, wie Bürger mithelfen können, dass möglichst viele Flüchtlinge nicht mehr in großen zentralen Einrichtungen leben müssen, sondern die Chance erhalten, sich in hiesige Gemeinschaften zu integrieren - gerne auch auf dem Land, wie der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) betont.

Landkreis sucht weiter nach Wohnraum

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf sucht weiterhin Menschen im Landkreis, die bereit sind, nicht benötigten Wohnraum, entweder einzelne Wohnungen, aber auch ganze Häuser an den Landkreis für die Unterbringung von Flüchtlingen zu vermieten. Zachow ist davon überzeugt, dass es noch viele Möglichkeiten für eine Aufteilung von Flüchtlingen auf einzelne Wohnungen und Häuser im Kreis gibt, die potenziellen Vermieter nur den Schritt unternehmen müssen wie das Ehepaar Trenker, mit dem Landkreis in Kontakt zu treten. Alles Weitere könne dann in Gesprächen geklärt werden.

Für einen guten Kontakt vor Ort ist seit Dezember Arndt Räuber im Auftrag des Landkreises zuständig. Räuber ist Erster Beigeordneter der Gemeinde Bad Endbach. Er ist Bauingenieur und war als Berufssoldat unter anderem in Afghanistan stationiert. Seine Hilfe besteht darin, mögliche Wohnungen und Häuser auf ihre Funktionalität zu überprüfen und den Vermietern zu sagen, in welchem Zustand die Wohnungen sein müssen.

Sicherheitsstandards müssen erfüllt sein

Die Mindestausstattung eines Zimmers sollte pro Person über acht bis zehn Quadratmeter Schlaffläche und eine Bewegungsfläche von mindestens drei zusätzliche Quadratmetern verfügen. Eine Person darf jeweils ein Bett mit allen Auflagen, einen abschließbaren Schrank, einen Tisch pro Zimmer, einen Stuhl oder Sessel, zweimal Bettwäsche und viermal Handtücher erwarten. Küchen- und Sanitäreinrichtungen müssen auf die Anzahl der in der Wohneinheit lebenden Personen ausgerichtet sein. Zudem müssen die Sicherheitsstandards erfüllt sein. Dazu ist beispielsweise in allen Räumen ein Rauchmelder anzubringen.

Die Trenkers haben investiert. Sie haben neue Betten inklusive Matratzen gekauft und aufgebaut und auch neue Handtücher bereitgelegt. „Magdalena Trenker ist bewusst, dass dort Menschen einziehen, die aus einem anderen Kulturkreis stammen. Doch sie hofft, mit der Vermietung an den Landkreis auch einen Teil zur Flüchtlingshilfe zu leisten." Zachow wird in diesem Zusammenhang nicht müde zu betonen, dass durch kleine Wohneinheiten wie ein Haus die Integration in die Gesellschaft viel einfacher gelingen kann.

Keine Betreuung rund um die Uhr

Jochen Koenemann, Leiter der Stabsstelle Ausländer, Migration und Flüchtlinge beim Landkreis sagt: „Es erfolgt für die Bewohner keine Betreuung rund um die Uhr. Natürlich bekommen sie Hilfestellung vom Vermieter und den ehrenamtlich Tätigen, damit sie zum Beispiel lernen, wie Müll zu trennen ist und wie die Waschmaschine funktioniert.“ Sonst sollen sich die neuen Bewohner aber selbst vorstehen. Nicht nur die Lage des Hauses in Holzhausen verspricht schnellen Kontakt zu den unmittelbaren Nachbarn. Nur wenige hundert Meter gibt es auch verschiedene Einkaufsmöglichkeiten für die Grundversorgung. Laut Zachow geht es jetzt nicht mehr so sehr um die Willkommenskultur, sondern um „Bildung durch Begegnung“. Dabei sei es besonders wichtig, dass beide Seiten respektvoll miteinander umgehen. Die Menschen, die in Holzhausen erwartet werden, sind noch keine anerkannten Asylsuchenden. Der Mietvertrag geht zunächst einmal über 36 Monate, wobei es wahrscheinlich sein wird, dass die Bewohner in dieser Zeit wechseln.

Zachow, Koenemann und Räuber hoffen, dass sich weitere Menschen entschließen, privaten Wohnraum anzubieten. „Pro Person und Tag zahlen wir acht bis neun Euro“, sagt Zachow. Das ist schon ein fest abgesteckter Verhandlungsrahmen. Die Anmietung kann durch den Kreis oder die zuständige Kommune erfolgen.

von Götz Schaub

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