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Integration leichtgemacht

Verein Mobilo Integration leichtgemacht

Wie klappt eigentlich Integration? Zum Beispiel durch ein Kinderfest, bei dem sich deutsche Kinder und Kinder mit Migrationshintergrund austauschen, dachte sich der Verein Mobilo.

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Kinder lassen mit ihren Paten kleine Papierflieger auf der Plattform des Kaiser-Wilhelm-Turms fliegen.

Quelle: Yannic Bakhtari

Marburg. Wildes Durcheinander, Kinder lachen und spielen. Ganz gewöhnlich? Sollte es auch sein, doch bei Familien deutschen Hintergrunds und jenen mit Migrationshintergrund ist das ungezwungene Miteinander nicht alltäglich.

Oftmals haben es in die Bundesrepublik eingewanderte Familien und ihre Kinder schwer, auf Deutsche zuzugehen und umgekehrt.

Daher „machen wir die Türen auf und gehen aufeinander zu“, wie Veronika Göttlicher erklärt. Für die Lehrerin einer Deutsch-Intensivklasse sieht das „Türenöffnen“ konkret so aus: Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund bekommen je ein Kind deutscher Herkunft zugeteilt. Seit Beginn des Schuljahres im August läuft dieses „Patenprogramm“. Die Kinder besuchen sich gegenseitig zu Hause, vor allem die Kinder eingewanderter Eltern kommen zu den Deutschen heim.

Nun hat der Verein Mobilo, der das Turmcafé im Kaiser-Wilhelm-Turm betreibt, ein Fest für die Paten und ihre Familien veranstaltet. „Wir hatten noch einen Überschuss durch den Essensverkauf beim ‚Bunten Fest am Turm‘ an Christi Himmelfahrt“, sagt Carin Götzfried, Vorsitzende von Mobilo. Das „Bunte Fest“ war von und für Menschen jeder Kultur, daher bot es sich an „ein Fest vor allem für Kinder“ zu veranstalten, sagte Götzfried.

Sprachbarrieren scheint es laut Göttlicher auch nicht zu geben, „die Kinder kommunizieren super miteinander“. Das Patenprojekt samt dem Kinderfest habe Göttlicher aber auch gezeigt, dass noch viele Vorurteile abgebaut werden müssten. „Das Projekt ist eine Chance, sich interkulturell näher kennenzulernen, auch für die Ausländer untereinander.“ Gerade anfangs seien einige Kinder sogar handgreiflich geworden und riefen „Wir hassen die sowieso“, berichtet Göttlicher. Doch das Projekt habe bisher Spannungen gelockert, beim Kinderfest sprachen sogar Syrer und Afghanen ungezwungen miteinander.

Eines der Patenpärchen sind die achtjährige Mia aus Marburg und die neunjährige Mina aus Fronhausen: „Ich war sehr glücklich, als Mina das erste Mal zu mir nach Hause kam. Sie war aber schon vorher meine Freundin“, sagt Mia. Beide mögen Pferde, beide reiten und beide turnen, bislang allerdings nicht zusammen.

Deutsch falle Mina nicht so schwer, „auch Englisch lerne ich schon“, sagt Mina. Ihre Patin Mia pflichtet ihrer Freundin bei, dennoch „war ich anfangs noch geschockt, dass Mina statt ‚Kann ich das bitte haben‘ ‚Gib her‘ gesagt hat, aber sie ist ja auch erst seit acht Monaten in Deutschland.“ Die gebürtige Syrerin Mina finde aber leicht Kontakt und lerne sehr schnell.

Die Marburgerin Jana (8) mag an ihrer Patin Esra (9), „dass sie etwas dunklere Haut hat und dass sie gut Arabisch spricht“. Esra liebt es, mit ihrer Freundin zu tanzen und findet ihre „schönen Augen“ toll. Jana hat sich nun sogar arabische Apps auf ihr Handy heruntergeladen und will Esras Muttersprache unbedingt in der Schule lernen, wie sie erklärt. So sieht wohl Integration auf beiden Seiten aus.

von Yannic Bakhtari

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