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Institut warnt vor Wohnungskrise

Marktanalyse Institut warnt vor Wohnungskrise

Laut Analyse des renommierten Pestel-Instituts werden in diesem Jahr rund 1160 Wohnungen für Flüchtlinge, die in diesem Jahr kommen, zusätzlich gebraucht. Der stellvertretende Landrat Marian Zachow hält dagegen.

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Wird der Wohnraum im Landkreis knapp? Marian Zachow (CDU) zweifelt an der Prognose des Pestel-Instituts.

Quelle: Foto: Daniel Bockwoldt

Marburg. Das sind „2,6 mal so viele Wohnungen wie bislang jährlich überhaupt gebaut wurden“, sagt Pestel-Institutsleiter Matthias Günther. So wurden in den vergangenen Jahren im Landkreis Marburg-Biedenkopf lediglich rund 520 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt der Gesamt-Wohnungsbedarf für den Landkreis in diesem Jahr somit auf insgesamt rund 1340 an. Ob die Universitätsstadt Marburg in diese Analyse mit eingeflossen ist, teilte das Institut nicht mit.

Auch in den kommenden Jahren müsse sich der Landkreis Marburg-Biedenkopf auf einen „hohen Wohnraumbedarf einstellen“, heißt es aus dem Institut.

Pestel-Institut warnt vor „Wohnungskrise“

Bei der Wohnungsmarkt-Analyse diagnostizieren die Wissenschaftler eine wesentliche „Mangelerscheinung“: So fehle es zusätzlich an bezahlbaren Wohnungen.„Vor allem Sozialwohnungen“, macht Matthias Günther deutlich. „Es muss dringend etwas passieren. Andernfalls droht eine Wohnungskrise, die das Potenzial hat, an vielen Orten zu erheblichen Spannungen zu führen“, warnt der Wissenschaftler.

Der stellvertretende Landrat Marian Zachow (CDU) zeigt sich ob der Ergebnisse des Pestel-Instituts unbeeindruckt. Es gebe „keinen Grund für Panikmache“, sagt er gegenüber der OP. „Wir hatten für dieses Jahr vorgesehen, über 2000 Plätze – nicht Wohnungen! – für Asylbewerber bereitzustellen.“ Angesichts aktueller Prognosen erhöhe sich diese Zahl um etwa 600 Personen – das heißt, es werden deutlich unter 100 Wohnungen mehr benötigt. Ein deutlicher Widerspruch also zu den Ergebnissen der Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts.

Um auch im nächsten Jahr hinreichend Unterkünfte zu schaffen, werde sich der Landkreis weiter auf steigende Zahlen einstellen müssen. Eine Prognose sei jedoch insgesamt schwierig, weil sich auch die Dauer der Asylverfahren nicht abschätzen lasse und auch nicht absehbar sei, inwieweit die Menschen nach positiver Entscheidung über ihren Asylantrag in der Region bleiben, erklärt Zachow.

Es ist nicht sicher, wie viel Wohnraum benötigt wird

„Bisher haben wir es mit einer großen Abwanderung von Asylberechtigten in Ballungsräumen zu tun, das heißt, es ist gar nicht sicher, wie viel Wohnraum tatsächlich und langfristig benötigt wird“, so Zachow.

Insgesamt gebe es in der Region aber noch eine Menge Leerstand, der sinnvoll für diese Herausforderung genutzt werden könne. Zachow ist zuversichtlich: „Angesichts der großen Unterstützung in der Bevölkerung ist es uns bisher gelungen, die Herausforderung zu bewältigen und im Moment beobachten wir, dass wir sehr viele zusätzliche Angebote über freie Wohnungen bekommen.“

Keine dauerhafte Unterbringung in Jugendherbergen

Aufgrund der gestiegenen Zuweisungen von Flüchtlingen wird der Landkreis bei der Unterbringung auch auf Jugendherbergen zurückgreifen – anders als von Landrätin Kirsten Fründt (SPD) im September noch angenommen (die OP berichtete). „Dies wird aber voraussichtlich keine dauerhafte Unterbringung sein“, so Zachow. Im November werde sich ein speziell beauftragter Ansprechpartner schwerpunktmäßig um die Akquise von Wohnraum für Flüchtlinge kümmern. Zudem berate der Landkreis momentan intensiv, wie anerkannte Asylbewerber bei der Wohnungssuche stärker unterstützt werden können.

Zur Aussage des Pestel-Institutsleiters Matthias Günther zu unbezahlbarem Wohnraum im Landkreis, antwortete Zachow, dass es im ländlichen Bereich durchaus noch ein hinreichendes Angebot an günstigem Wohnraum gebe. Das Problem sei vielmehr ein anderes.

Flüchtlinge haben es bei der Wohnungssuche schwer

So erhalte der Landkreis von Kunden im KreisJobCenter die Rückmeldung, dass es im Bereich Marburg und unmittelbarer Umgebung zurzeit Schwierigkeiten bei der Suche nach bezahlbaren Wohnungen gibt – besonders für Flüchtlinge. „Leider hören wir oft, dass es Menschen mit ausländischem Namen mitunter auch schwieriger bei der Wohnungssuche haben“, bedauert Zachow.

von Ruth Korte

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