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„Insel inmitten von Krach und Löchern“

Spontan-Demo „Insel inmitten von Krach und Löchern“

Seit Monaten ist die Kindertagesstätte der Philipps-Universität von Baulärm umgeben - auch mittags. Am Freitag protestierten Eltern dagegen.

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Spontandemo: Während im Hintergrund Bagger und Rüttelplatte lärmen, protestieren Eltern der Kindertagesstätte der Philipps-Universität für die Einhaltung der Mittagsruhe – denn die Kleinkinder müssen mittags schlafen.Foto: Andreas Schmidt

Marburg. Die Kindertagesstätte (Kita) der Philipps-Universität gleicht derzeit einer Insel: Eingeschlossen von Zäunen und Baugruben ist der normale Eingang nicht zu erreichen. Hinter und neben dem Haus an der Ecke Deutschhaus- und Bunsenstraße befinden sich Baugruben. Und auch direkt vor dem Haus wird derzeit gebaut.

„Dieser Zustand ist mittlerweile unerträglich“, sagt Hama Adamaschek, Vorstandsmitglied der „Interessengemeinschaft Uni-Kindertagesstätte“.

Sie muss schreien. Denn vor dem Haus wird eine Baugrube gerade zum Asphaltieren vorbereitet. Ein Bagger schüttet Schotter in die Grube, eine Rüttelplatte dröhnt.

Spontan-Demo gegen Baulärm am Mittag

Es ist kurz nach 12 Uhr. Und das ist der eigentliche Stein des Anstoßes. Denn mit den Bauarbeitern sei eigentlich vereinbart, dass in der Zeit von 12 bis 14 Uhr Ruhe herrsche. „Doch das ist nur selten der Fall, dann müssen wir rausgehen und daran erinnern. Denn unsere Kinder müssen schlafen, haben ein Recht auf Mittagsruhe“, sagt sie.

Da Freitagnachmittag die Straße vor dem Haus asphaltiert werden sollte, hatte die Kita-Leitung kurzfristig darum gebeten, dass die Eltern ihre Kleinen bereits um 12 Uhr abholen. Denn aufgrund des zu erwartenden Baulärms und der zusätzlichen Geruchsbelästigung durch den Asphalt sei eine Mittagsruhe nicht möglich.

Daher nutzten die Eltern die Abholzeit, um spontan zu demonstrieren. Mit Plakaten wie „Mein erstes Wort war Bagger“, „Kinder haben auch ein Recht auf Mittagsruhe“ oder „Wir brauchen Mittagsruhe von zwölf bis zwei“ machten sie ihrem Unmut Luft.

„Die Wände wackeln, es fallen Sachen aus den Regalen“, sagt Urs Nater, dessen Sohn die Kita besucht. „Das Zittern überträgt sich auch auf die kleinen Körper der Kinder. Da ist an Schlaf nicht zu denken“, führt er weiter aus. „Einige Eltern berichten, dass es bei ihren Kindern seit Beginn der Bauarbeiten zu Verhaltensauffälligkeiten gekommen ist“, so der Psychologie-Professor. Er spricht auch von einer „Arbeitszeit-Vernichtung“: „Ich hatte heute eigentlich Termine, die ich nun absagen musste, um meinen Sohn früher abzuholen.“

„Mein Sohn kann wirklich schon ,Bagger‘ sagen, obwohl er erst ein Jahr alt ist“, erläutert Ortrun Brand. Sie habe eigentlich arbeiten müssen - doch das ging am Freitag nicht mehr. „Wann soll ich das denn wieder aufholen?“, fragt sie. Die Situation findet sie „weder für die Kita noch für die Kinder förderlich“.

Auch Moritz Zöckler ist frustriert. „Man bekommt das Gefühl, dass hier die Kinder unwichtig sind“, sagt er. Und findet es geradezu absurd, dass „das Kita-Gebäude als einziges innerhalb der Baustelle noch genutzt wird.“ Zwar sei der Umzug bereits beschlossene Sache, „aber der wurde nun schon mehrfach verschoben. Da erscheinen die Versprechungen schon wenig glaubhaft, wenn sie nie eingehalten werden.“

Lüften unmöglich, Spielplatz ist weggefallen

Hama Adamaschek erläutert an weiteren Beispielen, wie die Baustellen den Ablauf in der Kita einschränken: „Lüften ist nahezu unmöglich. Und auch unser Spielplatz hinter dem Haus ist weggefallen.“ Ausweichen könne man in den Alten Botanischen Garten. „Doch aufgrund der Baustelle müssen wir einen großen Umweg gehen - da dauert es 20 Minuten, bis wir da sind.“ Auch im Hof der ehemaligen Kinderklinik sei ein Wiesenstück eingezäunt worden - Spielgeräte gibt es dort aber nicht. „Immerhin wurde dort eine Baggerschaufel voll Sand abgeladen“, so Adamaschek.

Eine schnelle Lösung ist für die Kinder und deren Mittagsruhe nicht in Sicht: Der Umzug in ein Gebäude am Schwanhof war bereits beschlossen. Doch sei dort eine Asbestbelastung festgestellt worden. In der Folge wurde das Haus abgerissen, nun entsteht ein Neubau. „Nach den derzeitigen Planungen soll er im Frühjahr kommenden Jahres bezugsfertig sein“, erläutert Adamaschek.

So lange werde man sich noch gedulden müssen - und die Bauarbeiter weiter an die versprochene Mittagsruhe erinnern. Notfalls täglich.

von Andreas Schmidt

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