Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
„Ins kalte Wasser geschmissen worden“

Richter Schwamb nimmt Abschied „Ins kalte Wasser geschmissen worden“

Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte als Richter referierte der Marburger Jurist Werner Schwamb über Neues beim Familienrecht.

Voriger Artikel
"Marburg ist eine tolle Studentenstadt"
Nächster Artikel
Knospt da etwa ein neues Bündnis?

Der Marburger Jurist Werner Schwamb, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Frankfurt, referierte in Marburg über Neuigkeiten aus dem Versorgungsausgleich.

Quelle: Emily Davies

Marburg. Am vergangenen Freitag und Samstag veranstaltete der Marburger Anwaltsverein das 8. Familienrechtsforum im Softwarecenter in Marburg. Prof. Dr. Stefan Heilmann, Richter am Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main, stellvertretender Vorsitzender des 1. Familiensenats, referierte bei der Veranstaltung über das Kindschaftsrecht. Dabei steht vor allem das Wohl der Kinder im Vordergrund. Der frühere Präsident des Amtsgerichts Stuttgart Helmut Borth behandelte die Schnittstellen zwischen Unterhalts- und Güterrecht.

Werner Schwamb, Vorsitzender Richter am OLG und ehemaliger Jugend- und Familienrichter am Amtsgericht Kirchhain, hielt einen Vortrag über den Versorgungsausgleich. Der Versorgungsausgleich ist der nach der Scheidung stattfindende Ausgleich der in der Ehezeit erworbenen Anrechte auf Altersversorgung.

Am 30. November diesen Jahres wird sich Werner Schwamb in den Ruhestand begeben. Daher gab er anlässlich der Veranstaltung einen kleinen Einblick in sein Berufsleben als Richter und die Frage, inwieweit sich die Justiz verändert hat. 33 Jahre ist er diesen Berufsweg gegangen, seine Spezialgebiete sind der Versorgungsausgleich und das Unterhaltsrecht.

Werner Schwamb erzählte, dass erst 1998 das gemeinsame Sorgerecht gesetzlich geregelt wurde und dass sich in den letzten 18 Jahren vor allem die Rechte von Vätern gewandelt und verändert haben. Auch bei nicht-ehelichen Kindern haben mittlerweile die Väter Anspruch auf gemeinsames Sorgerecht.

Schwamb sieht Eigenverantwortung im Unterhaltsrecht kritisch

Aktuell umstritten ist jedoch, inwieweit ein eheliches Kind, dessen biologischer Vater ein anderer ist, Umgang zu diesem haben darf. Und ob überdies sogar ein Anspruch auf gemeinsames Sorgerecht für den biologischen Vater neben dem rechtlichen Vater gesetzlich geregelt werden sollte. Letzterem steht Schwamb skeptisch gegenüber.

Die Eigenverantwortung im Unterhaltsrecht sieht Schwamb kritisch. Das Reformgesetz von 2008 regelte den Vorrang des Kindesunterhalts und führte zu Einschränkungen des Ehegattenunterhalts. Danach haben auch Elternteile, die nur teilzeitberufstätig sind, weil sie Kinder betreuen, ab deren viertem Lebensjahr nicht mehr unbedingt Anspruch auf Unterhalt. Es sei denn, sie legen genügend Beweise vor, dass die Kinder auf die persönliche Betreuung durch diesen Elternteil angewiesen sind. Ansonsten gibt es auch noch immer den Ehegattenunterhalt, wenn die Frau für ihre Ehe und die Kinder zum Beispiel das Studium abgebrochen hat, sie also einen ehebedingten Nachteil für ihr Erwerbsleben erlitten hat.

Das Unterhaltsrecht veränderte sich in den letzten Jahren laufend, dies kann man auch in dem Werk „Die Rechtsprechung zur Höhe des Unterhalts“ nachsehen, das Werner Schwamb mitverfasst hat. Es handelt sich dabei um die neueste Auflage mit der aktuellen Düsseldorfer Tabelle, die seit 1. Januar 2016 gültig ist und an deren Weiterentwicklung Werner Schwamb als Vertreter des OLG Frankfurt seit 2007 mitgewirkt hat.

Schwamb berichtete, dass 2009 das neue Versorgungsausgleichsgesetz in Kraft getreten ist, über das er in Marburg referierte. Außerdem kam er auf die aktuell angespannte Personallage bei den Gerichten auch im Gebiet des Familienrechts zu sprechen, weil in den vergangenen Jahren Stellen gekürzt wurden. Jedoch ist für 2017 ein Zuwachs vorgesehen.

„Es gibt noch immer keine Spezialausbildung für dieses Rechtsgebiet. Auch ich bin damals ins kalte Wasser geschmissen worden und musste mich in diesem Gebiet selbst fortbilden“, fügte Werner Schwamb anschließend hinzu. Allerdings wird derzeit darüber debattiert, dass es spezielle Fortbildungen im Bereich des Familienrechts geben soll.

von Emily Davies

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr