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Innenstadt bietet nicht genug Platz für den Verkehr

Öffentlicher Personenverkehr Innenstadt bietet nicht genug Platz für den Verkehr

In die Freude der Stadtwerke Marburg über die Ergebnisse der RMV-Mobilitätsstudie mischt sich Sorge über die Zukunft des öffentlichen Personenverkehrs in Marburg.

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Eine Straßenbahn in Bonn: Die Idee einer schienengebundenen Verbindung in Marburg wird immer wieder diskutiert – für die Innenstadt oder auf die Lahnberge.

Quelle: Oliver Berg

Marburg. „Das ist eine Bestätigung unserer jahrelangen Bemühungen, die Qualität im Nahverkehr zu verbessern“, freut sich Christoph Rau, Geschäftsführer der Stadtwerke Consult. Die Stadtwerke hätten vor allem gute Antworten auf die Beförderungsbedürfnisse der Studierenden gefunden.

Mit-Geschäftsführerin Birgit Stey weist darauf hin, dass die Stadtwerke prozentual mehr Menschen transportieren als die Verkehrsbetriebe in vergleichbaren Städten, „aber ohne, dass wir dafür mehr Geld vom RMV bekommen“. 2014 hatten die Stadtwerke 14,6 Millionen Fahrgäste.

Norbert Schüren, der Geschäftsführer der „Konzernmutter“ Stadtwerke, sagt aber auch: „Wir sind im Nahverkehr am Ende unserer Kapazität.“ Das liege vor allem daran, dass „die alte Stadt zu klein ist für die Zahl der Menschen, die wir transportieren müssen“.

Durchschnittsgeschwindigkeit der Busse ist gesunken

Gemeint ist vor allem der Straßenquerschnitt in der Innenstadt zwischen Wilhelmsplatz und Bahnhofstraße - die Straßen, das kennt jeder in Marburg, neigen in den Hauptverkehrszeiten zur Verstopfung.

Folge: Laut einer Stadtwerke-Statistik ist die Durchschnittsgeschwindigkeit der Busse innerhalb weniger Jahre von 21 km/h auf 18 km/h gesunken. „Um die gleiche Kilometerzahl zu erreichen, brauchen wir also mehr Zeit und damit auch mehr Personal“, sagt Schüren.

Die Straßen in der Innenstadt können nicht verbreitert werden, um etwa eine eigene Busspur einzurichten. Auch eine schienengebundene Lösung - wie eine derzeit wieder diskutierte Straßenbahn - sei aus dem gleichen Grund nicht einfach zu realisieren: Der restliche Verkehr - Autos, Radfahrer, Fußgänger - müsste mit weniger Platz auskommen.

Blieben als logische Konsequenz eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Versuch, die Verbindung Hauptbahnhof-Südbahnhof zumindest teilweise anders zu organisieren, über Weintrautstraße und Krummbogen beispielsweise. Oder den Verkehr in der Innenstadt zu reduzieren - sprich: Wo mehr Busse fahren, passen weniger Autos hin. Schüren will sich diese politisch seit Jahrzehnten aufgeladene Debatte nicht antun, sondern zunächst mit dem neuen Nahverkehrsdezernenten und Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies diskutieren, wie über Lösungsansätze nachzudenken ist.

Kapazität an Fahrzeugen reicht nicht aus

Zweites Problem: Die Beförderung von und zu den Universitätsgebieten auf den Lahnbergen. Obwohl die Stadtwerke einen modernen Buszug für knapp 200 Passagiere angeschafft haben, reicht die Kapazität an Fahrzeugen nicht aus. „Beförderungstechnisch sind die Lahnberge unser größter Stadtteil“, sagt Schüren: 9000 Studierende müssen jeden Tag vom Tal auf den Berg und zurück, 6500 Bewegungen auf diesen Routen haben die Busse im vergangenen Jahr gehabt.

Und es wird immer enger. „Nichts wäre schlimmer, als wenn wir an einer Haltestelle Passagiere wegen Überfüllung nicht einsteigen lassen können“, sagt Rau. Linien würden deswegen zu Stoßzeiten schon verstärkt.

Ein Lösungsvorschlag, der seit einigen Jahren auf dem Tisch liegt, ist eine Seilbahn vom Lahntal auf die Lahnberge. Schüren bringt eine andere Idee ins Spiel: Für ihn ist eine Linie von der Hölderlinstraße auf die Lahnberge auf eigenen Schienen denkbar.

„Schnell und mit hohen Kapazitäten“ sei dieses Verkehrsmittel. Die Anschaffungskosten von mehreren zehn Millionen Euro seien bis zu 90 Prozent vom Land erstattungsfähig - ein Argument, das auch für die Seilbahn ins Feld geführt worden ist.

Eine Bauzeit von zehn Jahren müsse man schon einkalkulieren, so Schüren. Ein erster Schritt für eine weitere Verzögerung wird aber heute Abend schon einmal getan: Nach Lage der Dinge wird das Parlament einen Antrag der Marburger Linken ablehnen, die eine Machbarkeitsstudie für die Realisierung einer Straßenbahn fordern.

von Till Conrad

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