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Inklusion bedeutet: Unterricht für alle

Bettina-von-Arnim-Schule Inklusion bedeutet: Unterricht für alle

Eine wichtige Etappe auf dem Weg zur inklusiven Grundstufe an der Bettina-von-Arnim-Schule ist geschafft: Für das Schulamt sind alle Voraussetzungen für eine inklusive Förderschule erfüllt.

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Der Lehrer Benno Möller informierte über Möglichkeiten eines Lernens durch Bewegung.

Quelle: Björn-Uwe Klein

Marburg. Waren in den vergangenen Wochen noch kleinere Unklarheiten zu beseitigen und letzte offene Fragen zu klären (die OP berichtete), befürwortet das Staatliche Schulamt nun das Konzept der Bettina-von-Arnim-Schule. Falls auch das hessische Kultusministerium grünes Licht gibt, steht dem Ziel „Unterricht für alle“ ab dem kommenden Schuljahr wohl nichts mehr im Weg.

„Wir gehen davon aus, dass die Genehmigung bald erfolgt“, sagte Roland Freitag, Geschäftsführer des Vereins für Heilende Erziehung Marburg, dem Träger der Schule, bei einer Info-Veranstaltung. Rund 40 Gäste – überwiegend interessierte Eltern – kamen in der Aula der Schule zusammen. Dies sei das erste Mal, dass das Konzept außerhalb der Presse einem Kreis von Menschen vorgestellt werde, sagte Lehrerin Regina Uhlenhoff. „Ein bisschen aufregend“ sei dieser Moment schon. Und: „Ich hoffe, dass wir es mit Lebendigkeit vermitteln können.“

Vokale seien emotional besetzt

An Lebendigkeit fehlte es beim Info-Abend nicht. Wie beispielsweise das Lernen von Buchstaben möglich ist, verdeutlichte die Lehrerin Sabine Mertz am Beispiel einer Geschichte: Der Geschichte von Aaron. Sein Name lässt erkennen, dass es um den Buchstaben „A“ geht, einen Vokal. Und Vokale (a, e, i, o, u) seien emotional besetzt, erklärte Mertz.

Das mache es leichter, sie zu lernen. Etwa in Verbindung mit einer Geschichte wie der von Aaron, der einen Berg besteigt und nach einem anstrengenden Aufstieg den Blick ins Tal genießt – freilich mit einem befreienden „Aaaa“. Es komme bei diesem Beispiel darauf an, das „A“ mit allen Sinnen zu erleben, sagte Mertz. Durch Sinneserfahrungen lernten die Schüler, Laute zu abstrahieren. „Später kommen dann die Konsonanten dazu und es werden die ersten Silben gebildet.“ Bildhafter Unterricht ermögliche ein problemloses Anknüpfen in der jeweils nächsten Stunde.

Einen hohen Stellenwert in der Schule, deren Leitbilder Waldorfpädagogik und anthroposophische Heilpädagogik sind, hat das Fach Eurythmie, eine Bewegungslehre. Praktische Übungen demonstrierte die Eurythmie-Lehrerin Gabriele Görich und band die Teilnehmer dabei ein. Und auch Benno Möller machte am Beispiel eines leicht einzuübenden Tanzes vor, wie Lernen durch Bewegung erfolgen kann. Der Hauptunterricht gliedert sich stets in einen sogenannten Rhythmik-, Erzähl- und Lernteil.

„Es müssen nicht alle das gleiche Pensum erfüllen“

Lehrerin Katrin Hadenfeldt unterstrich, dass Heterogenität niemals zur Nebensache erklärt werden könne. Der „Wegfall von Gleichschrittigkeit und Zielhomogenität“ sei ein wichtiger Punkt im Konzept der Bettina-von-Arnim-Schule. Hadenfeldt betonte: „Inklusion ist keine Gleichmacherei. Es müssen nicht alle das gleiche Pensum erfüllen und das Gleiche tun.“ Stattdessen würden unterschiedliche Lernwege beschritten. In der öffentlichen Wahrnehmung werde der Begriff Inklusion oft auf die Aufnahme von Schülern mit Behinderung beschränkt. „Für uns bedeutet es: Schule für alle.“

Freitag und sein Team beantworteten so manche Frage interessierter Eltern – beispielsweise in Bezug auf Schulgeld. Jochen Butenholz, Stadtwald-Bewohner und Vater zweier noch nicht eingeschulter Kinder, wollte wissen, ob es in Sachen Schulgeld Unterschiede zwischen Förder- und Regelschülern geben werde.

Freitag erklärte, dass Gleichheit bestehe. Die Höhe – zwischen 50 und 300 Euro (die OP berichtete) – werde mit jeder Familie einkommensabhängig und einzeln festgelegt. Das Schulgeld sei noch kein Grund gewesen, dass ein Kind die Schule nicht besucht habe, versicherte Freitag. Butenholz ist generell vom Lernmodell Waldorfpädagogik überzeugt.

Schulamt: aus pädagogischer Sicht keine Bedenken

Manch anderer Veranstaltungsteilnehmer hingegen wusste bislang nur wenig über dieses Thema und wollte sich mit dem Leitbild der Schule erst einmal vertraut machen. So auch Julia Diehl. Über Waldorfpädagogik sei ihr bislang wenig bekannt gewesen, sagte die Marburgerin, die sich mit ihrem Mann Frank zurzeit nach einer passenden Schule für ihre Tochter umschaut. „Es war eine informative Veranstaltung“, fand sie. Wichtige Fragen hätten geklärt werden können.

Das Schulamt äußert sich in einem Schreiben zu den Inklusionsplänen der Bettina-von-Arnim-Schule: Aus pädagogischer Sicht bestünden keine Bedenken in Bezug auf die Erweiterung der Schule. „Daher ist beabsichtigt, dem Hessischen Kultusministerium die Unterlagen mit einer befürwortenden Stellungnahme zur Entscheidung vorzulegen.“ Mit dem Schreiben werden die Stadt Marburg und der Landkreis Marburg-Biedenkopf um Mitteilung gebeten, ob dem Vorhaben aus ihrer Sicht etwas entgegensteht.

von Björn-Uwe Klein

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