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Injektionen sollen Mauer stabilisieren

Mauersanierung Injektionen sollen Mauer stabilisieren

Eine Sanierung der mittelfristig einsturzgefährdeten Stützmauer am Alten Bota­nischen Garten würde die Stadt Marburg 1,4 Millionen Euro kosten.

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Die Stützmauer am Alten Botanischen Garten trennt den Park von der Straße „Am Pilgrimstein“ ab. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Gutachter sind sich einig: Die Mauer am Pilgrimstein, die den Botanischen Garten von der Straße „Am Pilgrimstein“ abtrennt, muss innerhalb der nächsten drei bis sechs Jahre saniert werden. Der Grund dafür, dass die Mauer einsturzgefährdet ist, liegt darin, dass sich die Mauer vom Schlossberg weg und zum Park hinneigt. Dabei habe es in den vergangenen Jahren eine rasante Beschleunigung der Verformung der Mauer gegeben, machte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) im Bauausschuss deutlich (die OP berichtete).

Stadtbaudirektor Jürgen Rausch erläuterte den Ausschuss-Mitgliedern die Kerndaten der Stützmauer, bevor er die von der Stadt favorisierte Sanierungsvariante darstellte. Die Stützmauer hat eine Länge von 200 Metern und auf dieser Strecke eine Höhe zwischen 2,50 Metern und 4 Metern. Seit 25 Metern werde an der Mauer gemessen, wie sie sich bewegt. Bereits seit dem Jahr 2008 würden die Verformungen beobachtet. Erst im vergangenen Jahr hätte diese Mauerbewegung dann ein besorgniserregendes Maß angenommen.

"Noch ist Standsicherheit gegeben"

„Noch ist die Standsicherheit gegeben“, fasste Rausch die von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten zusammen. Allerdings sei aus Sicht der Gutachter der Boden unter der Mauersohle - rund sechs Meter unter dem Straßenniveau - nicht ausreichend tragfähig. Dort gebe es zwischen der Mauersohle und dem Felsgestein des Schlossbergs eine aus Sandsteinbrocken und Auffüllungsmaterial gebildete inhomogene Schicht.

Zu der Verformung der Mauer hat nach Ansicht der Statik-Experten auch der andauernde Autoverkehr auf der Straße „Am Pilgrimstein“ beigetragen. Die erste Anregung der Gutachter, die Mauer durch die Verlegung der Fahrspur an den Schlossberg-Hang und eine Temporeduzierung auf Tempo 30 zu entlasten, wurde bereits vor einigen Wochen vom Magistrat umgesetzt.

Der zweite Schritt soll nun eine Sanierung sein, für die die Gutachter zwei mögliche Varianten vorschlugen. Dabei stellte Rausch eine Variante nur kurz vor, weil sie eine längere Bauzeit und höhere Kosten und zudem eine komplette Straßensperrung mit beinhaltet. Dabei würde es sich um eine Bohrpfahlgründung mit einem Rückbau des sichtbaren Teils der historischen Mauer und einem Neubau einer verblendeten Winkelstützmauer als Ersatz handeln. Für diese Variante mit einem Kostenvolumen von 1,6 Millionen Euro würde die Bauzeit ein Dreivierteljahr dauern.

Ideen für Gehwege

Ein halbes Jahr wäre die Bauzeit für die andere Sanierungsvariante, die Rausch und Kahle bevorzugen und die auch die Billigung im Ausschuss fand. Diese Variante mit einem Kostenbedarf von 1,4 Millionen sieht vor mithilfe einer ­Mauerinjektion durch große Injek­tionslanzen den Baugrund unter der ­Mauersohle mit Zement aufzufüllen und so eine tragfähige Schicht zu schaffen. Dann würde die Mauer zwar weiterhin schief, aber immerhin auch fest stehen. Zur Verbesserung der Stabilität müssten dann, so die Idee, die beiden Bauteile der Mauer und des Gründungskörpers mit Bewehrungs-Elementen aus Stahl „vernagelt“ werden.

Diese Sanierungsvariante würde auch die Sperrung des Gehwegs beinhalten, der teilweise im Zuge der Bauarbeiten geöffnet werden müsste. Dann könne man auch über eine größere Umgestaltung der Gehwege nachdenken, berichtete Rausch. Konkret gehe es um die Idee, den hangseitigen Gehweg zu verbreitern und den Fußweg an der Gartenseite schmaler zu gestalten.

Für die Verwirklichung dieser Lösung müsse es allerdings ein Beteiligungsverfahren geben, so Rausch. Zudem müsse sich die Stadt dann um Fördergelder bewerben.

So werde die dringend notwendige Sanierung wohl nicht schon im kommenden Jahr erfolgen, sondern frühestens ab 2016. Allerdings hofft der Baudirektor, dass diese Sanierung spätestens Anfang 2017 erfolgt sein wird, wenn die neue Uni-Bibliothek eingeweiht wird, die sich am Pilgrimstein direkt an den Alten Botanischen Garten und dessen Stützmauer anschließt.

von Manfred Hitzeroth

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