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Initiative will Flüchtlinge aufnehmen

Ringvorlesung Initiative will Flüchtlinge aufnehmen

Zum Auftakt der interdisziplinären Ringvorlesung ging es um das Thema der Aufnahme von Flüchtlingen in Marburg.

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OB Dr. Thomas Spies (von links), Dr. Johannes Becker, Gabriele Borgemeister und Marita Gabrian saßen zum Auftakt der Ringvorlesung auf dem Podium.Foto: Felix Busjaeger

Marburg. Als die EU im September 2015 ein umfangreiches Relocation-Programm für 160000 Geflüchtete beschloss, war der Plan ambitioniert und schenkte vielen Menschen Hoffnung. Alleine Deutschland hatte sich dazu verpflichtet, insgesamt 27500 Menschen aufzunehmen. Doch zwei Jahre später zeigt sich: Nicht einmal 10 Prozent durften bisher nach Deutschland kommen und ­vielerorts gibt es ungenutzte Unterkünfte.

Auch in Marburg wurden Vorbereitungen getroffen und ein großes Netz aus freiwilligen Helfern sollte den Ankömmlingen den Start in der Universitätsstadt erleichtern. Doch bisher blieben die Bemühungen der Stadt und Initiativen erfolglos. In zahlreichen Städten ist die Situation ähnlich, und es haben sich Unterstützerkreise gebildet. In Marburg bemüht sich die Initiative „200 nach Marburg“ und sammelte in einer Petition mit der Unterstützung von vier Marburger Parteien mehr als 47000 Unterschriften.

Bei der Auftaktveranstaltung der Ringvorlesung „Konflikte in Gegenwart und Zukunft“ diskutierten Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Konfliktforscher Dr. Johannes M. Becker und zwei Mitglieder der Initiative „200 nach Marburg“, Gabriele Borgemeister und Marita Gabrian, über die „Relocation“ als Menschenrechtspflicht. „Wir haben es mit einem Skandal zu tun“, eröffnete Becker die Gesprächsrunde und verdeutlichte, wie viele Menschen weltweit auf der Flucht leben und in welchen menschenunwürdigen Bedingungen sie teilweise untergebracht sind. In Camps in Italien und Griechenland harren laut Becker Geflüchtete ohne ausreichend Verpflegung, medizinische Versorgung sowie ohne festes Dach aus und hoffen auf eine Weiterreise in andere europäische Länder. Gabrian erläuterte, dass die momentane Situation unzumutbar sei und eine Verteilung der Geflüchteten auf europäische Städte eine große Entlastung für die Camps in Italien und Griechenland darstellen würde. „Bisher konnte die EU ihre ambitionierten Ziele nicht erreichen. Es passierte nichts“, resümierte sie. Vonseiten der Stadt erhält die Initiative breite Unterstützung, im Stadtparlament wurde beschlossen, dass 200 Geflüchtete aus Idomeni aufgenommen werden sollen. Im November 2016 wurde ein erneuter Antrag gestellt, um die 200 Menschen nach Marburg zu holen, bisher ohne­ Erfolg. OB Dr. Thomas Spies (SPD) sieht das Problem beim Bund, der die Entscheidungsgewalt hat. Auch das Abkommen zwischen EU und Türkei ist für Spies eine Ursache für die langsame Umsetzung des Relocation-Programms.

Zum Schluss berichtete Alexander Hirsch von seinen Eindrücken auf der Insel Chios. Unzureichende Versorgung sei weiterhin ein entscheidendes Thema. Insbesondere zu Beginn­ der kalten Jahreszeit fehle es an ­Decken und winterfesten ­Unterkünften.

von Felix Busjaeger

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