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Infizierte Mitarbeiter werden „saniert“

Kongress: Hygiene im Krankenhaus Infizierte Mitarbeiter werden „saniert“

Multiresistente Erreger in der Medizin – eine Horrorvorstellung für Patienten und Mitarbeiter in Krankenhäusern. Ein Kongress am UKGM will helfen, das Wissen über Ansteckungsrisiken zu vertiefen.

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In der Zentralen Sterilgutversorgung des UKGM werden pro Jahr knapp 200.000 Pinzetten, Scheren, Klammern und andere Untersuchungsinstrumente nach genau festgelegten Verfahren sterilisierst.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Patient L. wollte sich eigentlich nur einer Operation am Knie unterziehen. Als Andenken behielt der Mann aus dem Landkreis einen multiresistenten Keim. Zehn Jahre ist das jetzt her – und L. hat den Keim immer noch.

In deutschen Krankenhäusern infizieren sich nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) jährlich rund eine Million Patienten mit Keimen. Die Gesellschaft spricht von bis zu 40.000 Toten, die jedes Jahr wegen mangelnder Hygiene im Krankenhaus sterben. Besonders problematisch sind die multiresistenten Erreger wie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) oder der Clostridium difficile, ein antibiotikaresistentes Stäbchenbakterium, das lebensbedrohliche Darmerkrankungen verursachen kann.

„Zwei Drittel aller Erkrankungen, die durch Krankenhauskeime hervorgerufen werden, können vermieden werden“, sagt Professor Dr. Reinier Mutters ( Foto: Conrad), der Leiter der Krankenhaushygiene am Institut für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene: Durch genauere Bestimmung, mit welchen Antibiotika Keime gezielt bekämpft werden und vor allem durch mehr Anstrengungen bei der Vermeidung von Übertragungen. „Hygiene ist das A und O“, sagt Mutters.

Dabei ist die Zahl der Infektionen, die sich Patienten am UKGM zuziehen, gering, sagt Mutters. „Ein Großteil der MRSA-Keime wird von Patienten schon ins Krankenhaus mitgebracht. Durch das vor Jahren eingeführte MRSA-Screening schon bei der Aufnahme von Patienten ist die Zahl immerhin deutlich zurückgegangen. Zumindest 80 Prozent aller Neuaufnahmen werden auf MRSA oder andere multiresistente Erreger gescreent.

Neben dem Screening bei der Aufnahme von Patienten haben auch die Schulungen des Personals durch Hygiene-Fachkräfte, neue Verfahren bei der Sterilisierung von Kathetern und anderes zu dieser Entwicklung beigetragen.

Das Pflegepersonal am UKGM hat im übrigen ein relativ geringes Risiko, sich mit einem Keim zu infizieren, sagt Mutters. Er schätzt die Zahl der Mitarbeitenden, die sich anstecken, auf „zwei bis drei“ im Jahr. „Früher waren das viel mehr.“ Für gesunde Menschen sind die Keime zudem meist kein Problem.

Mitarbeiter, die Träger von MRSA-Keimen sind, müssen sich „sanieren“ lassen, sagt Mutters. Sie werden in der Zeit vom Dienst freigestellt. „Sanieren“ heißt, dass die Betroffenen täglich mit einer antiseptischen Lösung duschen und sich mit einem Spezialshampoo die Haare waschen, eine antiseptische Mundspüllösung und eine antibakterielle Nasensalbe benutzen müssen. Die Sanierung dauert im Durchschnitt ein bis zwei Wochen.

„Der Erfolg von Hygienemaßnahmen ist messbar“, sagt Mutters, Hygiene sei ein Instrument zur Qualitätssicherung geworden. „Dies nimmt Einfluss auf neue Ansätze und Strategien in der Prävention, aber auch in der Therapie von Infektionskrankheiten.“

  • Das Marburger Hygiene-Forum „Prävention schlägt Infektion“ am Samstag, den 19. November, zwischen 8.30 und 16 Uhr im UKGM in der Baldingerstraße (Hörsaal III) beschäftigt sich mit genau diesen Aspekten. In einzelnen Vorträgen geht es etwa um Hygiene bei Baumaßnahmen, das wichtige Thema Flächendesinfektion, die Erreger-Typisierung als Instrument der Prävention, um die Infektionspräsentation in der Gemeinschaftsküche oder um einzelne Erregertypen. Die Vorträge sind auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Informationen: Kongress-Sekretariat, melanie.wolf@staff.uni-marburg.de.

von Till Conrad

 
 
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