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„In diesem Bereich ist Not am Mann“

Pflege von Demenzkranken „In diesem Bereich ist Not am Mann“

Familien, die demenzkranke Angehörige zu Hause pflegen, entlasten - das ist das Ziel des gemeinnützigen Vereins „Sinn für Sorge“, der in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Gießen aktiv ist.

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Die ehrenamtlichen Betreuer von „Sinn für Sorge“(vorne von links): Patricia Stegmann, Astrid Lipp, Fotini Dermertzoglou, Beate Schmidt-Keller, Elsbeth Ohlmes. Stehend von links: Angela Göbel, Lilia Henning, Volkmar Koch, Iris Selinger, Daniela Krieb, Chri

Gießen. In dieser Woche verlieh der Verein in einer kleinen Feierstunde in Gießen die Zertifikate an die ehrenamtlichen Helfer, die sich nach einem erfolgreichen Lehrgang für diese anspruchsvolle Arbeit als Betreuer qualifiziert haben.

In Deutschland leben derzeit rund 1,4 Millionen Menschen mit der Diagnose Demenz - Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte werden von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt. Für die Angehörigen ist die Pflege eines Demenzkranken eine aufopferungsvolle Belastung und meistens ein 24-Stunden-Job.

Die betroffenen Familien für einige Stunden von der großen Arbeitsbelastung zu entlasten. Ihnen ein paar Stunden zum Entspannen, für Erledigungen oder einfach Zeit für einen Friseurbesuch zu geben - das hat sich der gemeinnützige Verein „Sinn für Sorge“ auf die Fahne geschrieben. Am 2. April 2012 gegründet, hat der Verein Anfang dieses Jahres 12 ehrenamtliche Helfer in einem insgesamt dreißigstündigen Lehrgang geschult. „Dies ist für den anspruchsvollen Umgang mit Demenzkranken notwendig,“ erklärt die Lehrgangsdozentin Sabine Löhnert. Die Geronto­therapeutin wird dem Verein auch weiterhin fachlich zur Seite stehen.

Bei ihren Kursteilnehmern verspürte Löhnert eine hohe Motivation: „Es war schon toll, wie sich die Kursteilnehmer auch abends noch nach der Arbeit für ihr ehrenamtliches Engagement interessiert haben.“

Im Landkreis werden schon drei Familien unterstützt

Ohne die Pflege der Erkrankten durch ihre Familien wäre diese Aufgabe personell und finanziell nicht zu stemmen. Dies unterstreicht die enorme Wichtigkeit dieser Arbeit - das hat auch Geschäftsführerin Annette Heuser bei den zahlreichen Behördengängen zur Anerkennung des Vereins festgestellt: „In diesem Bereich ist Not am Mann“, betonte die Marburgerin bei der Verleihung der Zertifikate. „Das wurde uns auch von öffentlicher Seite bestätigt und daraus ziehen wir unsere Motivation - wir wollen Menschen helfen“.

Die ehrenamtlichen Helfer der ersten Stunde des Vereins rekrutierten sich aus persönlichen Kontakten - teilweise auch mit persönlichem Bezug zur Krankheit.

Die Arbeit des Vereins ist keine Pflegedienstleistung oder eine Haushaltshilfe, sondern eine Ergänzung zum Versorgungssystem. Es begrenzt sich auf die stundenweise Betreuung von Menschen mit Demenz. Die ehrenamtlichen Helfer erhalten dafür eine kleine Aufwandsentschädigung, die von der Pflegekasse bezahlt wird.

Auch in Marburg besitzt der Verein eine Außenstelle für den Landkreis Marburg-Biedenkopf. Dort betreut der Verein derzeit schon drei Demenzkranke, „weil man hier auf bereits qualifizierte Ehrenamtliche zurückgreifen konnte“, erklärt Heuser und ergänzt dann: „In Gießen können wir erst ab heute richtig loslegen.“

Dabei sucht der Verein auch weiterhin ehrenamtliche Helfer. Finden sich wieder zwölf Interessierte zusammen, gibt es auch einen neuen Lehrgang.

n Wer sich für eine ehrenamtlichen Tätigkeit interessiert oder selbst Entlastung bei der Betreuung eines demenzkranken Menschen benötigt, kann sich an Annette Heuser wenden: Telefon 0641/35099895, E-Mail: info@sinnfuersorge.de

von Timo Scheibe

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