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In der Heimat feiert er die „50+1“

50 mit 50 In der Heimat feiert er die „50+1“

Er liebt den heimischen Wald und die Geschichte. Doch seine Heimat ist Friesland, in das er heute mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter immer wieder gerne zurückkehrt.

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Der 50-jährige Friese Jacob Leijstra spielt ab und zu gerne „Sjoelbak“, ein niederländisches Geschicklichkeitsspiel. Foto: Mareike Bader

Marburg. „Ich bin 50 Jahre alt, im Kopf fühle ich mich aber wie 20“, sagt Jacob Leijstra. Vor etwa zehn Jahren kam er nach Deutschland - wie bei vielen Niederländern war auch bei ihm die Liebe schuld. Aber Jacob Leijstra sieht sich nicht als Niederländer. „Wir Friesen sind Friesen“, betont er. In der Schule war daher seine erste Fremdsprache, die er gelernt hat, Niederländisch. Es folgten Deutsch und Englisch.

Der gelernte Fotograf arbeitet heute in einem Produktionslabor bei CSL Behring und ist stolz auf seine Arbeit: „Meine Arbeit ist für mich eine Lebensaufgabe, weil ich weiß, dass die Medizin, die wir herstellen ganz vielen Menschen weltweit hilft.“ Ausgleich zu seiner Arbeit im Schichtbetrieb findet er in einem niederländischen Geschicklichkeitsspiel namens „Sjoelbak“ und im „Sondeln“, wenn er mit einem Metalldetektor auf „Schatzsuche“ geht. Wobei er nur ganz selten wirklich etwas findet. „Zu 99 Prozent ist es Schrott. Aber ich bin draußen, hab Bewegung und es macht den Kopf frei“, erzählt er.

Manchmal entdeckt er einzelne Silbermünzen, vergangenes Jahr hat er eine englische Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg auf einem Acker bei Schröck gefunden, die er natürlich gemeldet hat. Müll, den er findet, nimmt er mit und entsorgt ihn. „Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst“, sagt er und ärgert sich über hohe Auflagen vom Landesdenkmalschutz.

Etwa zwei bis vier Mal im Jahr fährt er in seine Heimat Friesland, wo er in Dokkum aufgewachsen ist. Früher sei er mit Freunden gerne nach Lauwersoog mit dem Moped gefahren, erinnert er sich. Manchmal ging es weiter zu den Nordseeinseln wie Ameland. „Das ist eine ganz andere Welt“, erinnert sich Leijstra.

Heute ist ein Besuch in Lauwersoog mit seiner Frau Bianca und der gemeinsamen Tochter Lena Pflicht. Er schwärmt: „Da kannst du herrlich Fisch essen.“ Kulinarisch bleibt Jacob seiner Heimat treu. Einmal im Monat isst er mit seiner Familie „Snacks“ wie „Frikandel“ oder „Kroket“, die es in Holland an jeder Imbissbude gibt. Auch manche Süßigkeiten müssen nach wie vor sein. Nach jedem Besuch in Holland werden die Vorräte wieder aufgefüllt und der Kofferraum vollgepackt. Aber auch die deutsche Küche findet der 50-Jährige lecker: Er liebt deutsches Bier, vor allem Weizenbier.

Mit seiner Tochter Lena spricht Jacob auch Niederländisch. „Das soll sie lernen, sie hat schließlich auch Familie in Holland“, sagt er. An seiner Tochter merkt er aber auch die Unterschiede zwischen Holland und Deutschland. Besonders das Schulsystem verwundere ihn manchmal. Er habe immer auch mittags Schule gehabt, dafür habe es keine Hausaufgaben gegeben, erzählt er.

In den vergangenen neun Jahren hat sich Jacob wunderbar im Kirchhainer Stadtteil Großseelheim eingelebt. Er liebe den Wald und die Geschichte in der Gegend, berichtet er. Und selbst beim Fußball hat er während der vergangenen Weltmeisterschaft für die deutsche Fußballmannschaft gefiebert - auch wenn er sich über den verpassten WM-Sieg der Niederländer bei der WM zuvor noch immer ärgert.

Seinen 50. Geburtstag hat Jacob Leijstra mit der Familie seiner Frau und den Nachbarn im kleinen Kreis gefeiert. „Und es stand auch kein Abraham bei uns im Garten“, sagt er mit Blick auf die niederländische Tradition (siehe Hintergrund-Kasten). Mit seiner friesischen Familie will er den Jubeltag dieses Jahr in Heerenveen in den Niederlanden feiern. Dort hat er bis zu seinem Umzug nach Deutschland gelebt. „Dann feiern wir 50+1“, erklärt der sympathische Friese und lacht.

von Mareike Bader

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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