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In Marburg wohnen Studenten billig

Überraschendes Studienergebnis: In Marburg wohnen Studenten billig

In kaum einer anderen Universitätsstadt zahlen Studenten einer Studie zufolge im Durchschnitt weniger für ihre Wohnungen. Im nun gestarteten Semester muss jeder Nachwuchs-Wissenschaftler 235 Euro für sein Zimmer berappen.

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Im Gegensatz zu Vermietern in Frankfurt verlangen Marburger moderate Mieten.

Quelle: Grafik: Vera Lehmann

Marburg. Das ist etwa die Hälfte der Preise in München (501 Euro) oder Frankfurt (428 Euro). Nur in Bielefeld, Hildesheim und ostdeutschen Städten wie Leipzig, Cottbus, Magdeburg und Chemnitz ist Wohnraum noch billiger - dort kostet die Monatswarmmiete rund 200 Euro.

Auch der Preis-Anstieg ist in Marburg moderater als anderswo: Um sieben Euro ist die Miete gestiegen, in Gießen (292 Euro) schoss sie binnen eines Jahres um 57 Euro, im mit Marburg vergleichbar großen Tübingen (347 Euro) um 65 Euro in die Höhe. Das geht aus einer Analyse des WG-Portals „noknok24“ hervor.

Basis: Dreier-Wohngemeinschaft mit 80m²

Die Mietpreise sind im Vergleich zum Wintersemester vor einem Jahr deutschlandweit insgesamt gestiegen - in Frankfurt um bis zu zwölf Prozent, in Marburg um nur rund drei Prozent. Als Grundlage der Berechnung diente die durchschnittliche Warmmiete pro Person in der jeweiligen Stadt für eine Dreier-Wohngemeinschaft mit 80 Quadratmetern. Analysiert wurden insgesamt mehr als 200 000 Wohnungen aus der Datenbank des Portals Immobilien Scout24, die der Muster-WG entsprachen.

„Universitätsstädte mit einem hohen Druck im Wohnungsmarkt - der gilt nicht nur für Studierende - haben natürlich auch deutlich höhere Mietpreise als Uni-Städte im Osten der Republik“, sagt Franziska Busch, Sprecherin des Studentenwerks. Marburg liege nicht zuletzt auch bedingt durch die Kessellage sowohl in Hessen als auch in Deutschland eher im oberen Mittelfeld vergleichbarer Universitätsstädte. Das Studentenwerk bietet in Marburg 2100 Wohnungen an. „Bei uns richtet sich der Preis nach Ausstattung und Raumgröße“, sagt Franziska Busch, Sprecherin des Unternehmens. Es gebe teurere und günstigere Zimmer, allerdings liege der Mittelwert bei 200 Euro Miete inklusive der Nebenkosten.

Und derzeit rennen die Hochschüler dem Studentenwerk die Bude ein: „Die Auslastung jetzt zum Semesterstart ist 100 Prozent plus Notquartiere“, sagt Busch. In Letzteren sind noch einmal Dutzende untergebracht. Um den Ansturm zu bewältigen, stemmen Stadtverwaltung und Universität derzeit mehrere Großprojekte. Neben dem nun abgeschlossenen Umbau der Kilianskapelle und des bis Jahresende im Bau befindlichen Heims Ritterstraße 13 sowie dem Max-Kade-Zentrum (49 weitere Wohnungen), forciert das Studentenwerk ein weiteres Vorhaben: „In Planung befindet sich der Neubau am alten Arbeitsgericht in der Gutenbergstraße“, sagt Busch.

Dort werden mithilfe der Fördermittel aus dem wohnungspolitischen Sonderprogramm des Landes Hessen 60 Studentenappartements entstehen, vier Wohnungen sind für Männer und Frauen mit Behinderungen konzipiert.

Süddeutschlandfaktor macht Tübingen teuer

Eine Marge zwischen sechs und neun Euro Kaltmiete schätzen Immobilienmakler für Marburg als normal ein. „Wir sind nicht fairer als Vermieter anderswo. Das Bauen, die Grundstückspreise sind in Marburg einfach günstiger“, sagt Heinz Ludwig, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Eigentümerverbands Haus und Grund. Während in zentraler Top-Lage in der Universitätsstadt beim Kauf 500 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden müssten, sei es in München das Zehnfache. Überhaupt: Das mit Marburg vergleichbare aber bei Durchschnittsmieten deutlich teurere Tübingen leide unter dem Süddeutschland-Faktor: „Dort ist es per se teurer. Auch das Bauen.

Und da jeder Eigentümer rechnen und Kredite abbezahlen muss, verlangt man mehr Geld für die Miete.“ Jedoch sei man „in Marburg besonders stolz auf das Image der Studenten-Stadt, vielleicht sind viele Vermieter daher auch sensibler für die Geldknappheit der jungen Leute“, sagt Ludwig. Der Verband fordert indes die Einführung eines Mietspiegels, um ortsübliche Mieten festzusetzen. „Die Stadt muss endlich ihre Hausaufgaben machen“, sagt Ludwig. Nachwuchs-Wissenschaftler müssen jedoch in den kommenden Jahren Preissteigerungen fürchten: „Klar ist, dass es nach energetischen Sanierungen teurer werden wird. Und von solchen stehen einige erst noch an“, sagt Ludwig.

Verdienst der Stadt und der Vermieter

„Diese Durchschnittsmieten belegen, dass viele Vermieter bewusst mit Mieten umgehen. Denn die Studenten sind sehr wichtig für unsere Stadt. Aber sie bedeuten ebenso, dass wir in Marburg etwa in der Oberstadt Unterkünfte haben, die in keinem zeitgemäßen Zustand sind. Darüber hinaus trägt aber auch die Universitätsstadt selbst durch Förderung des Baus und der Sanierung studentischen Wohnraums dazu bei, dass wir in Marburg vertretbare Mieten für Studierende haben“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD).

Nach 700 000 Euro für Bahnhof und Ritterstraße sowie Hauskauf Kilian von 800 000 Euro ist auch für 2014 weitere Förderung des studentischen Wohnraums vorgesehen. Die Höhe sei jedoch noch nicht klar, die Haushaltsdebatte beginne erst in der kommenden Woche.

Das Studentenwerk wird indes nach Errichtung des Max-Kade-Zentrums und dem Umbau des Ex-Arbeitsgerichts, die Wohnheim-Ausweitung vorerst stoppen. Sanierungen ausgenommen, ist laut Sprecherin Franziska Busch für die kommenden drei Jahre kein Baustart geplant. In der Liste der Wohnheim-Plätze liegt Marburg deutschlandweit derzeit auf Rang 40 von 58, das Studentenwerk bietet deutlich mehr Zimmer an als etwa die Universitäten Frankfurt, Kassel, Trier, Ulm oder Kaiserslautern. Und günstiger gibt‘s Räume kaum irgendwo anders: Während Marburger Studenten maximal 301 Euro für einen Wohnheimplatz zahlen, sind es in Münster 535 Euro - der höchste Wert unter allen Studentenwerken.

von Björn Wisker

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