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In Marburg stand erstes Uni-Chemielabor der Welt

Gedenktafel eingeweiht In Marburg stand erstes Uni-Chemielabor der Welt

Bereits zum zweiten Mal ist in Marburg eine Gedenktafel für eine Historische Stätte der Chemie aufgestellt worden.

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Die Gedenktafel zu Ehren des Chemielabors von Johannes Hartmann wird enthüllt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das wahrscheinlich weltweit früheste chemische Universitätslabor stand in Marburg. Das „Laboratorium chymicum publicum“ wurde im Jahr 1609 von dem Marburger Professor Johannes Hartmann in einem Teilbau des säkularisierten Franziskaner-Klosters an der Barfüßerstraße eingerichtet.

Dort befanden sich damals auch weitere Unterrichtsräume der 1527 gegründeten Philipps-Universität, und zwar im sogenannten „collegium marpurgense“. 1730 wurde das Gebäude abgerissen und an seine Stelle kam der Pferdestall der Reitschule der Universität. Heute steht dort das Institut für Leibesübungen.

Mit einem Festkolloquium und der Enthüllung einer Gedenktafel vor dem heutigen Sportinstitut der Uni erinnerte die Gesellschaft Deutscher Chemiker am Freitag an Hartmanns berühmtes Labor, das nach seinem Weggang aus Marburg zum Wasch- und Brauhaus umfunktioniert wurde.

Weltweit erste Professur für Medizinische Chemie

Hartmann hatte Ende des 16. Jahrhunderts zunächst als Hofmathematiker beim Landgrafen in Kassel gearbeitet und war dann auf eine Professur für Mathematik an der Universität in Marburg berufen worden. Dann absolvierte der gelernte Buchbinder auch noch ein Medizinstudium und war zwischenzeitlich auch Rektor der Philipps-Universität. 1609 erhielt er die weltweit erste Professur für das neue Fach Medizinische Chemie – eine Mischung aus Chemie und Pharmazie.

Eine Broschüre zu Hartmanns Labor wurde von dem Marburger Pharmaziehistoriker Christoph Friedrich und dem emeritierten Marburger Chemie-Professor Reichardt vorgelegt. Beide hielten auch Vorträge beim Festakt in der Alten Aula.

„Internationale Ausstrahlung“

Hartmann habe damals in der Tradition von Paracelsus die Chemie in den Dienst der Medizin gestellt, sagte Professor Friedrich. Mit Hilfe von chemischen Methoden stellte er Arzneimittel her. Besonders innovativ sei damals Hartmanns Idee gewesen, die Studenten im Labor zu unterweisen. Heutzutage ist dieses natürlich für alle Chemie- und Pharmaziestudenten Standard. „Dank des praktischen Laborunterrichts hatte die Fakultät damals eine beachtliche internationale Ausstrahlung“, erläuterte Friedrich.

Seit 1999 würdigt die Gesellschaft Deutscher Chemiker regelmäßig besondere Wirkungsstätten von Chemikern oder berühmte Wissenschaftler mit einer Gedenktafel. So wurde im Jahr 2006 auch die Wirkungsstätte des früheren Marburger Chemie-Professors Hans Meerwein in Marburg ausgezeichnet. Insgesamt gibt es jetzt 15 Historische Stätten der Chemie. Marburg ist dabei als bisher einzige Stadt zweimal vertreten.

von Manfred Hitzeroth

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