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„Impfung funktioniert zu 100 Prozent“

Krebsvorbeugung „Impfung funktioniert zu 100 Prozent“

Die Ärztegenossenschaft „Prima“ hatte ins Cineplex eingeladen, um über die wachsende Verbreitung von krebserzeugenden Humanen Papillomviren (HPV) zu informieren. Die Ärzte befürworten die vorbeugende Impfung.

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Die Düsseldorfer Frauenärztin Professorin Monika Hampl hat im Cineplex den Vortrag gehalten.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Zunehmend mehr Frauen, aber auch Männer infizieren sich mit HPV, stecken sich beim Sex gegenseitig an. „Dabei ist eine Impfung eine Kleinigkeit mit großer Wirkung“, sagt der Marburger Frauenarzt Dr. Heinrich Hofmann, Vorstandsmitglied der Ärztegenossenschaft „Prima“.

Zum Auftakt einer Aufklärungsaktion hatte der Verband am Montag im Cineplex zu einer Informationsveranstaltung zum Thema eingeladen. Rund 60 Eltern, junge Frauen und Kinder nahmen teil.
Über Ansteckungsgefahr und Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs sprach Professorin Monika Hampl von der Universitäts-Frauenklinik Düsseldorf. Sie hob die geringe Verbreitung der Schutzimpfung gegen HPV in Deutschland hervor.

Auch in Marburg liege die Impfrate lediglich bei 20 Prozent.

„Viel zu wenig“, betonte die Gynäkologin und zeigte Beispiele erfolgreich durchgeführter Impfkampagnen anderer Länder, die zur fast vollständigen Ausrottung der als besonders risikoreich eingestuften Erregertypen HPV 16 und 18 führten – der Ursache für 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs, so die Gynäkologin. Auch andere Krebsarten, wie etwa Anal-, Mundboden-, Mandel- oder Peniskrebs können die Folge einer Infektion sein.

Bis zu 80 Prozent aller Menschen kommen im Laufe ihres Lebens mit HPV in Kontakt, ein Großteil übersteht die Ansteckung meist unbemerkt. Bei etwa jeder zehnten Frau schafft es die körpereigene Abwehr jedoch nicht, die Viren erfolgreich zu bekämpfen – sie verbleiben im Gewebe.

Mögliche Folgen sind krankhafte Zellveränderungen, die sich über Jahre hinweg zu Krebsvorstufen und Gebärmutterhalskrebs entwickeln können, betonte Hampl.

Einer der Impfstoffe schützt auch vor Genitalwarzen

Zum Schutz gegen bestimmte HPV-Typen gibt es seit mehreren Jahren zwei Impfstoffe zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs, die sich gegen die Hochrisikotypen 16 und 18 richten. Einer der Impfstoffe wirkt zusätzlich gegen die Typen 6 und 11, die in 90 Prozent aller Fälle zu schmerzhaften Genitalwarzen bei Frauen und Männern führen.

„Die Impfung ist sehr wirkungsvoll – es funktioniert zu 100 Prozent“, betonte die Ärztin. Für einen Schutz ist eine zwei- bis dreifache Injektion erforderlich, je nach Alter. Eine Auffrischung ist wahrscheinlich ein Leben lang nicht nötig.

Während die meisten Krankenkassen bisher Impfungen für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren übernahmen, wurde das Impfalter mittlerweile heruntergesetzt. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung gegen HPV für alle Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Die Kosten für die Impfung dieser Altersgruppe übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Die meisten Kassen in Zukunft sehr wahrscheinlich auch bis zum 17. Lebensjahr, eventuell sogar darüber hinaus, so Hampl.

„Mir hat der Vortrag viel gebracht“

„Die Impfung ist gut verträglich“, betonte die Medizinerin. Die häufigsten Nebenwirkungen seien, wie bei anderen Standardimpfungen, Kopfschmerzen oder Reaktionen an der Einstichstelle, wie etwa Rötungen. Laut einer US-amerikanischen Studie traten bei geimpften Mädchen und jungen Frauen zwischen 9 und 26 Jahren „keine schwerwiegenden Nebenwirkungen“ zutage, die auf die Impfung zurückzuführen sind.

Ein vermehrtes Auftreten von Erkrankungen wie Nervenlähmung, multiple Sklerose, das Guillain-Barré-Syndrom oder gar Todesfällen – auf die Kritiker in der Vergangenheit mehrfach hingewiesen hatten – wurde darüber hinaus nicht festgestellt. „Es besteht kein Zusammenhang. Die HPV-Impfung gehört mit zu den am besten erforschten Impfstoffen hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit“, schloss Hampl.

Im Anschluss an den umfangreichen Vortrag samt Fragerunde teilten mehrere Eltern einen deutlichen Abbau der anfänglichen Skepsis gegen eine Impfung mit. „Es ist ein interessantes und aktuelles Thema, mir hat der Vortrag viel gebracht“, sagte etwa Zuhörerin Margret Graf. „Ich wurde auf jeden Fall in meiner Entscheidung bestärkt, meine vier Töchter impfen zu lassen“, lobte auch Petra Schünemann aus Marburg. Tochter Damaris (10 Jahre) konnte dem zustimmen und hat nichts gegen eine Impfung einzuwenden.

von Ina Tannert

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