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Impfstoffstudie kann bald starten

Ebola Impfstoffstudie kann bald starten

Erst die Ebola-Epidemie in Westafrika hat die Erprobung von Impfstoffen vorangetrieben: „Es hätte niemand das Geld in die Hand genommen, um diesen Stoff zu testen, wenn der Ebolavirus-Ausbruch nicht stattgefunden hätte“, sagte der Marburger Virologe Stephan Becker.

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Eine Forscherin arbeitet im Labor des Instituts für Virologie der Universität Marburg unter der höchsten Biologischen Schutzstufe 4 (BSL4). Das Marburger Labor ist eines von nur dreien in Deutschland, das die Anforderungen des BSL4 erfüllt.

Quelle: Thomas Strecker

Marburg. Im Rahmen einer internationalen Studie soll bald auch in Deutschland ein vor mehreren Jahren in Marburg und Kanada entwickelter Impfstoff am Menschen getestet werden. „Wir hoffen, dass wir Anfang November starten können“, sagte Becker. Den Stoff sollen Freiwillige in einer ersten Phase an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf geimpft bekommen (die OP berichtete). Nach einer einmaligen Injektion würden die Testpersonen sechs Monate lang beobachtet, sagte Marylyn Addo vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (Hamburg). Das Hamburger Uniklinikum ist das erste europäische Krankenhaus, das einen Ebola-Impfstoff an Menschen erprobt.

Erst wenn in dieser klinischen Phase Nebenwirkungen des Wirkstoffs ausgeschlossen sind, soll die Wirksamkeit des Impfstoffs an Patienten in der Schweiz, in Gabun und Kenia getestet werden. Nach Aussage von Stephan Becker könnte die erste klinische Phase Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein. „Allerdings nur, wenn wir alle Hürden erfolgreich nehmen. Normalerweise dauert das alles länger, aber in diesem Fall haben wir keine Zeit“, so Becker.

Kommission vor Entscheidung

Zuvor müssten das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und die Ethik-Kommission dem Versuch der Hamburger Klinik zustimmen und das Bundesgesundheitsministerium beantragte Mittel zur Verfügung stellen. „Alle Beteiligten sind aber besten Willens. Es liegt auf Allen ein gewaltiger Druck“, so Becker gestern.

In Marburg werden die serologischen Untersuchungen zu den Studien durchgeführt. Das Blut aller Probanden wird hier unter anderem auf Antikörper untersucht, die im Körper das Ebolavirus erfolgreich bekämpfen.

In Phase zwei könnten bereits Tausende, vielleicht sogar zehntausende Menschen in Afrika einbezogen werden, sagte Klaus Cichutek, Leiter des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts. Diskutiert wird unter Experten, ob die Phase zwei angesichts der Epidemie in Westafrika übersprungen werden soll. „Es geht voran - und schneller als gedacht“, sagte Cichutek.

Sprecher des Paul-Ehrlich-Institutes und des Bundesgesundheitsamtes signalisierten gestern gegenüber der Oberhessischen Presse, dass die Entscheidung über das O.k. zur deutschen Impfstoffstudie kurz bevor steht. Bisher sei alles positiv bescheinigt, es stehe aber noch ein Bewertungskriterium aus.

Der Impfstoff gegen Ebola wird nach Einschätzung des führenden deutschen Seuchenexperten und Frankfurter Gesundheitsamtsleiter Professor René Gottschalk bis zum zweiten Quartal kommenden Jahres zur Verfügung stehen.

Erste Studie schon gestartet

Um der Epidemie wirksam begegnen zu können, müsste dann die gesamte Bevölkerung in den betroffenen Staaten Westafrikas geimpft werden, sagte Gottschalk.

Dies dürfe an den zu erwartenden hohen Kosten nicht scheitern, betonte Gottschalk, der auch Sprecher der Kompetenzzentren für Infektionskrankheiten auf Bundesebene ist. Ein Wirkstoff aus den USA würde bereits an Menschen getestet, in Tierversuchen hätten sie einen hundertprozentigen Schutz gezeigt, sagte Addo gestern auf einer Fachveranstaltung in Frankfurt.

Allen Impfstoffen, auch dem in Marburg entwickelten, ist gemein, dass abgeschwächten, genetisch veränderten Trägerviren ein kleines Proteinstück eines Ebola-Virus zugefügt wird, um den Geimpften immun zu machen. Einer der Impfstoffe werde seit September in den USA, Großbritannien und Mali getestet.

von Tim Gabel

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