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Impfstoff wird in Westafrika getestet

Kampf gegen Ebola Impfstoff wird in Westafrika getestet

Die ersten Zwischenergebnisse der Marburger Ebola-Impfstoffstudie sind vielversprechend. Der Virologe Professor Stephan Becker erläuterte im Gespräch mit der OP, dass die zweite Studienphase im Februar anlaufen kann.

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Quelle: dpa

Marburg. Rund 200 freiwillige Versuchspersonen nahmen an der ersten Phase der klinischen Studie teil, die der Marburger Virologe Professor Stephan W. Becker mit angestoßen hat. Darunter waren 30 nicht an Ebola erkrankte Freiwillige, die am Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf mit dem potenziellen Ebola-Impfstoff geimpft wurden.

Die große Frage für die Forscher lautete: Wie gut kann dieser Impfstoff wirken? Ein erstes Ergebnis der Phase-I-Studie, die nicht nur in Hamburg, sondern parallel auch in Genf, in den USA und Afrika gestartet wurde, besagt, dass potenziell vielversprechende Antikörper-Antworten gefunden wurden.

Doch Becker formuliert es noch vorsichtig: „Es sieht nicht hoffnungslos aus. Ein richtiger Erfolg ist erst erreicht, wenn wir herausgefunden haben, dass der Impfstoff wirklich hilft.“ Denn es müssen noch einige Fragen beantwortet werden,  wenn jetzt die Phasen II und III der klinischen Studie bei der Suche nach einem erfolgversprechenden Ebola-Impfstoff anlaufen können.

„Funktionelle Tests“ auf dem Plan der Forscher

„Wir sind froh, dass wir Antikörper nachweisen konnten. Noch ist nicht klar, ob die Immunantwort wirklich schützend ist“, erläutert Becker. Zudem müsse jetzt darüber nachgedacht werden, mit welcher genauen Dosis des Impfstoffes in der nächsten Studienphase gearbeitet werden soll.

Nachdem die ersten Tests durchgeführt worden sind und beispielsweise im Virologie-Labor in Marburg die Seren der Versuchsteilnehmer ausgewertet wurden, stehen jetzt „funktionelle Tests“ auf dem Plan der Forscher.
Außerdem laufen nun Anfang Februar die beiden nächsten Phasen der klinischen Studie an.

Dann werden Tausende von freiwilligen Gesunden in  den drei westafrikanischen Staaten Guinea, Libera und Sierre Leone mit dem Impfstoff geimpft. Das kündigte Marie-Paule Kieny, die stellvertretende Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf an.

Bei einem Treffen von Forschern mit hochrangigen Politikern und Vertretern der WHO in Genf stand  auch das weitere Vorgehen in Sachen der Finanzierung klinischer Studien für die Erprobung von Ebola- Impfstoffen im Mittelpunkt.
Getestet werden soll jetzt in Westafrika nicht nur der vor einigen Jahren von dem Marburger Virologen Heinz Feldmann entwickelte Impfstoff  rVSV-ZEBOV, sondern auch ein weiterer vielversprechender Impfstoff der Firma GlaxoSmith Kline.

Marburger Virologe: noch längst keine Entwarnung

Professor Becker bestätigte der OP, dass der US-Pharmakonzern Merck den bisher von der US-Firma „NewLink Genetics“ entwickelten Impfstoff rVSV-ZEBOV, der nun in der Marburger Studie getestet wird, bis zur Marktreife entwickeln will und dafür einen Lizenzvertrag eingegangen ist.

„Für die Firmen bedeutet das eine große Herausforderung und große Risiken“, macht Becker deutlich. So sei noch nicht klar, ob es nach einer Entwicklung zur Marktreife auch wirklich noch einen nennenswerten Bedarf für die Ebola-Impfstoffe gebe. Der Marburger Virologe sagte im Gespräch mit der OP, dass in Sachen Ebola-Epidemie in Westafrika  noch längst keine Entwarnung gegeben werden könne.

Nach aktuellen Zählungen der Weltgesundheitsorganisation WHO gebe es insgesamt schon mehr als 8 000 Todesopfer (siehe „HINTERGRUND“). Die Epidemie lodere immer wieder an einzelnen Punkten auf, sei aber noch nicht flächendeckend eingedämmt, erläuterte der Marburger Virologe.

von Manfred Hitzeroth

  • Hintergrund:  An der vor einem Jahr in Westafrika ausgebrochenen Ebola-Epidemie sind in den drei am stärksten betroffenen Ländern inzwischen mindestens 8220 Menschen gestorben, wie die WHO meldet.
    Die Zahl der Menschen, die sich insgesamt in Guinea, Liberia und Sierra Leone mit dem Ebola-Virus infiziert haben, gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf mit 20 712 an.

    Das entspricht einem Anstieg der Zahl der Toten von mehr als 300 innerhalb einer Woche. Die Zahl der gemeldeten Infektionen stieg von Ende Dezember bis zum 4. Januar um mehr als 500.
    Unterdessen ist der auf dem Vesikulären Stomatitis-Virus (VSV) basierende Impfstoff „rVSV-ZEBOV“ an ersten Patienten getestet.  

    Beteiligt sind hier unter anderem Forscher vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF): Die Teams um Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg, sind Teilnehmer eines unter Führung der WHO gegründeten internationalen Experten-Konsortiums.

    Dieser Verbund hat sich zum Ziel gesetzt, den Impfstoffkandidaten möglichst rasch und koordiniert in die klinische Testung zu bringen. „rVSV- ZEBOV“ gilt aufgrund der Ergebnisse aus präklinischen Studien als vielversprechend: Der Impfschutz tritt nach dem Verabreichen einer einzigen Dosis rasch ein und hat auch unmittelbar nach einer erfolgten Ebola-Infektion noch ein Wirkungspotential.

    In zahlreichen, nicht-klinischen Studien konnte der Impfstoff Labortiere vor dem tödlichen Ebola-Virus schützen.  In Hamburg haben 30 Freiwillige den Impfstoff erhalten, im Hochsicherheitslabor in Marburg wurde das Blut aller Probanden unter anderem auf Antikörper untersucht. Entwickelt wurde der Impfstoff beruhend auf Forschungen des früheren Marburger Forschers Heinz Feldmann von der kanadischen Gesundheitsbehörde PHAC.

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