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Immer ran an das junge Gemüse

Saisongarten Immer ran an das junge Gemüse

Wieso sich die Finger schmutzig machen, wenn es auch bequem geht? Wieso Gemüse anbauen, wenn der Supermarkt alles bereit hält? Ganz einfach: weil es ein lehrreiches Abenteuer ist.

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So sieht sie aus, eine gut bepflanzte Parzelle auf dem Biohof Böhm in Bauerbach.

Quelle: Privatfoto

Bauerbach. „Aha, wieder eine der Generation Ziergarten“, urteilt Bettina Böhm mit einem kritischen Blick auf mich. Recht hat sie. Nur wenige Monate nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl geboren, bin ich auf englischem Rasen aufgewachsen, statt zwischen Bohnen und Kohl das Laufen zu lernen. Generation Ziergarten eben. Ertappt. Überführt. Nicht aber in meiner frisch keimenden Motivation gedämpft. Ich möchte unter die Gemüse-Gärtner gehen. Ein Stückchen Land auf dem Biohof Böhm in Bauerbach bewirtschaften. Und ich bin nicht allein. Mit mir haben sich noch achzig weitere Interessenten angemeldet. Familien mit Kindern aber auch Studenten-WGs. Arbeitskollegen, Freundeskreise, Nachbarn. Auf dem Acker wird Frau Böhm zu „Tine“. Zwischen Möhrchen und Kohlrabi ist eben kein Platz für ein förmliches „Sie“. Hier werden Fremde zu Freunden, Parzellennachbarn zu Verbündeten. Dann, wenn Kartoffelkäfer gepflückt und Schnecken gejagt werden, wenn die ersten Ernte-Erfolge gefeiert und Misserfolge gemeinsam analysiert werden. Eine Saison lang dürfen sich die Hobby-Gärtner ausprobieren. Dürfen hacken, wühlen, ernten.

Grundbepflanzung inklusive

Die Parzellen werden in drei verschiedenen Größen vermietet: 30, 45 und 60 Quadratmeter pures Gärtnerglück. Übergeben wird das kleine Stück Land mit einer Grundbepflanzung. Bioland zertifizierte Samen und Sätzlinge können zusätlich auf dem Hof erstanden werden. Die Erde, in der das Gemüse wächst, ist nur organisch, niemals aber chemisch aufgedüngt. Von Mai bis November heißt es dann: Ran an das junge Gemüse. Arbeit, die sich bezahlt. Alles, was in der Scholle wächst, darf mit nach Hause genommen werden.

„Viele müssen erst lernen, die Sachen, die sie ernten auch zu verarbeiten. Wenn der Salat schießt und ganze Zucchini-Schwämme über einen einbrechen, kommt niemand auf die Idee, in den Supermarkt zu fahren und andere Gemüsesorten zu kaufen.“ Christine Böhm ist eine Idealistin. Eine, die mit Engelsgeduld und Überzeugung für ihr Anliegen einsteht. „Wenn von zehn Leuten zwei sagen, dass saisonale und regionale Ernährung nicht schlecht ist, bin ich zufrieden.“ Bescheiden ihr Ziel. Groß ihre Erfolgsquote. „Die, die sich auf das Projekt einlassen, sind oft schon überzeugt. Aber sie wollen begleitet werden.“

Eine echte Herzensangelegenheit

Und so steht Christine Böhm mit auf dem Feld - von Mai bis November. Gibt Ratschläge, beantwortet Fragen, packt mit an. Ehemann Arnold steht hinter ihr, hält ihr den Rücken frei. Er war es, der im Jahr 2002 erstmals von dem Projekt „Biogarten für Jedermann“ hörte. Er war es, der seine Frau dafür begeisterte, der in ihr die Idee pflanzte. Heute ist er für die Grobarbeiten zuständig. Feld umpflügen im Spätherbst. Boden aufbereiten im Frühjahr. Nur manchmal, da beneidet er die schnellen Supermarkt-Einkäufer: „Wenn meine Frau um elf zu den Gärten geht, um einen Salat zu holen, dann gibt es um fünf Mittagessen “ scherzt er. Bettina Böhm kann eben nicht anders. Der Bio-Garten ist ihr Projekt. Eine Herzensangelegenheit. Sie übergibt die Parzellen immer bepflanzt. 30 Gemüsesorten sind Standard.

Für die Kür, den individuellen Zukauf von Sätzlingen und Samen, ist jede Gärtnergemeinschaft selbst zuständig. Um den Anfängern die Angst zu nehmen, bietet die Biobäuerin Gärtner-Kurse an. „Selbst wenn du vieles falsch machst, wirst du immer etwas ernten“, beruhigt Böhm. Irgendetwas wächst immer - selbst bei einem Anfänger der Generation „Ziergarten“.

von Marie Lisa Schulz

So machen Sie mit

  • Leser aufgepasst: Die Oberhessische Presse hat fünf Parzellen à 30 Quadratmeter für eine Saison im Biogarten Böhm gemietet. Sie haben die Chance, zum Gärtner zu werden und eine der Parzellen zu gewinnen.
  • Wie? Ganz einfach. Überzeugen Sie uns per Mail, Fax oder auf dem Postweg, warum gerade Sie eine Parzelle gewinnen sollten. Einsendeschluss ist Montag, 15. April. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. 
  • Ihre Bewerbung richten Sie bitte an: Oberhessische Presse, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg. Per Mail an: blattmacher@op-marburg.de, per Fax an: 06421/409302. Stichwort: Saisongarten.
  • Für die Neugärtner wird es eine gesonderte Informationsveranstaltung geben. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.
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