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Im Schnitt kommen täglich 48 Besucher

Anlaufstellen für Wohnungslose Im Schnitt kommen täglich 48 Besucher

Die Anlaufstellen in der Gisselberger Straße sind bislang nicht durchgängig zu erreichen. „Dies ist gerade in der kalten Jahreszeit ein Problem“, sagt Helmut Kretz vom Diakonischen Werk.

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Die Tagesaufenthaltsstätte in der Gisselberger Straße 35 bietet Wohnungslosen täglich einen Schutzraum.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. In der Gisselberger Straße 35 finden obdach- und wohnungslose Menschen nicht nur das Übernachtungsheim der Stadt. Das Diakonische Werk Marburg-Biedenkopf öffnet dort täglich die Tagesaufenthaltsstätte (Tas) und berät in der Fachberatung Wohnen Menschen, die wohnungslos sind oder drohen, wohnungslos zu werden.

„Der Tagesaufenthalt ist anonym, bietet einen Schutzraum und auch die Möglichkeit, in ersten Gesprächen sich mit Sozialarbeitern anzuvertrauen“, sagt Helmut Kretz, der Fachbereichsleiter Soziale Beratung des Diakonischen Werks. Im vergangenen Jahr kamen durchschnittlich 48 Besucher am Tag in die Tas.

Konzept zur Wohnungslosenhilfe sieht Lückenschluss vor

In der Fachberatung Wohnen fanden 463 Menschen eine Beratung. 308 davon waren wohnungslos, 247 von ihnen Männer. Knapp die Hälfte der Ratsuchenden kam aus der Stadt, 28 Prozent aus anderen Teilen des Landkreises, ein Viertel von außerhalb. 51 beratene Menschen hatten keine Unterkunft, lebten ungeschützt draußen oder in Zelten, Gartenhütten, Unterständen, Kellern, auf Friedhöfen oder behelfsmäßig hergerichteten Plätzen, berichtet Kretz. Die Fachberatung führt derzeit außerdem für 86 Klienten eine­ Postadresse. Menschen, die ­keine feste Adresse im Ausweis eingetragen haben und anders nicht erreichbar sind, könnten sonst ihre Ansprüche auf Sozialleistungen nicht wahrnehmen.

Der Runde Tisch Wohnungslosenhilfe hat 2015 gemeinsam mit der Stadt Marburg ein Konzept zur Wohnungslosenhilfe­ veröffentlicht. Darin ist auch ein „Lückenschluss der verschiedenen Angebote“ vorgesehen. Denn bislang sind die Anlaufstellen in der Gisselberger Straße nicht durchgängig erreichbar. Die Tas öffnet täglich um elf Uhr ihre Tür und schließt um 15.30 Uhr. Das Übernachtungsheim der Stadt nimmt Gäste­ ­allerdings nur von 18 bis 21 Uhr auf, muss um acht Uhr am nächsten Tag wieder verlassen werden. „Dies ist gerade in der kalten Jahreszeit ein Problem“, erklärt Helmut Kretz. Außerdem blieben Menschen, die sehr süchtig oder psychisch krank sind, außen vor. Auch Paarzimmer würden nicht vorgehalten.

Einen Kältebus wie in vielen anderen Städten gibt es in Marburg nicht, ebenso keinen Wintercontainer, der Menschen im Ernstfall vor dem Erfrierungstod retten könnte. „Mit einem Streetworkangebot könnte man noch mehr Menschen erreichen“, sagt Kretz. „Es gibt natürlich auch keine kleinen Wohnungen für unsere Klienten, da der Wohnungsmarkt sehr angespannt ist.“

Herrenschuhe ab Größe 43 und Schlafsäcke benötigt

Wer Menschen auf der Straße konkret helfen wolle, könne gerne den Hinweis auf die Angebote in der Gisselberger Straße geben. Dabei sei es „ganz wichtig, wohnungslosen Menschen mit Respekt zu begegnen und ihnen ihre Würde zu lassen“, sagt Kretz. Sind die Anlaufstellen in der Gisselberger Straße geschlossen und ein Mensch droht zu erfrieren, solle man unbedingt die Polizei informieren.
In der Tas erhalten Wohnungslose neben Kleidung auch Ausrüstung. Derzeit werden dort neben Schlafsäcken vor allem Männerschuhe ab Größe 43 nachgefragt. „Es besteht immer der Bedarf an den Jahreszeiten entsprechender Kleidung sowie an Isomatten, Zelten und Rucksäcken“, sagt Kretz.

Auf der neuen Internetseite des Diakonischen Werks gibt es weitere Informationen zur Wohnungslosenhilfe. Die Fachberatung Wohnen öffnet montags von 9 bis 13 Uhr, Dienstag bis Donnerstag von 11 bis 13 und 14 bis 16 Uhr. Freitags nach Vereinbarung, von 11 bis 13 Uhr Postausgabe. Telefonisch erreichbar ist die Tas unter 0 64 21 / 16 15 18, das Übernachtungsheim der Stadt unter 0 64 21 / 23 84 2

von Philipp Lauer

Obdachlos oder Wohnungslos?
Obdachlose Menschen sind wohnungslos, aber nicht jeder wohnungslose Mensch ist obdachlos. Laut Definition der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) ist wohnungslos, „wer nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügt.“ Dazu zählen auch Menschen die kommunal untergebracht sind, sie haben meist nur Nutzungsverträge. Auch Menschen, die sich in Heimen, Anstalten, Notübernachtungen, Asylen, Frauenhäusern aufhalten, die als Selbstzahler in Billigpensionen leben oder bei Verwandten, Freunden und Bekannten vorübergehend ­
unterkommen, zählen als ­wohnungslos.
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