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Im Notfall die 112 – aber nur dann

Richtiger Weg zum Arzt außerhalb der Sprechzeiten Im Notfall die 112 – aber nur dann

Was tun, wenn der Gang zum Arzt notwendig ist, die Praxis des Hausarztes aber schon geschlossen hat? Ein Infoblatt soll 
Patienten jetzt helfen, sich an die richtige 
Adresse zu wenden.

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Wer abends oder nachts ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muss, ist häufig unsicher, wohin er sich wenden soll. In den meisten Fällen ist die Zentrale des ärztlichen Bereitschaftsdienstes die richtige Adresse.

Quelle: Bernd Weißbrod

Marburg. Freitagabend, 20.15 Uhr – eigentlich hätte Herr Müller aus Sterzhausen jetzt gerne 
den Krimi gesehen. Aber die Bauchschmerzen, die ihn schon seit gut einer Stunde zunehmend plagen, sind jetzt kaum noch auszuhalten.

Herr Müller braucht einen Arzt, das ist klar, aber an wen soll er sich wenden? Seine Bauchschmerzen sind gewissermaßen schon ein Grenzfall, sie könnten Indiz für eine ernsthafte innere Erkrankung sein, aber auch mit der großen Portion Weißkohl zusammenhängen, die es zum verspäteten Mittagessen gab.

Ist es ein Notfall, dann sollte Herr Müller unbedingt über die 112 den Notarzt rufen. Dr. Clemens Kill vom Universitätsklinikum listete am Freitagnachmittag im Landratsamt noch einmal auf, bei welchen Symptomen von einem Notfall ausgegangen werden muss:

*  Bewusstseinsverlust oder Bewusstseinstrübung
*  akute Atemnot
*  akuter, neu aufgetretener Brustschmerz
*  starke Bauchschmerzen
*  starker Kopfschmerz
*  akute Lähmungen
*  schwere Verletzungen

Liegt keines dieser Symptome vor, dann ist montags, dienstags und donnerstags zwischen 18 und 24 Uhr, mittwochs und freitags von 13 Uhr bis Mitternacht und samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 8 und 24 die Zentrale des ärztlichen 
Bereitschaftsdienstes in Wehrda die richtige Adresse.

Bereitschaftdienst unter der Nummer 116117 erreichbar

Dr. Barbara Fröhlich, niedergelassene Ärztin, berichtete, dass am Wochenende durchschnittlich 150 Patienten ärztliche Hilfe dort suchen. Die Praxis im Diakonie-Krankenhaus am Hebronberg 5 in Wehrda sei wie eine normale Hausarztpraxis eingerichtet, verfüge etwa auch über einen Ultraschall.

Unter der Woche sind es in den Abendstunden natürlich weniger Patienten – aber auffallend viele junge Menschen. „Viele haben offenbar gar keinen Hausarzt“, hat Fröhlich festgestellt und beschreibt damit eine für Universitätsstädte nicht unübliche 
Situation. Patienten mit Erkrankungen oder Verletzungen, die in der Wehrdaer Zentrale nicht behandelt werden könnten, würden umgehend in eine Klinik zur weiteren Behandlung überwiesen.

Auch an Patienten, die nicht selbst in die Praxis kommen können, etwa weil sie kein Auto haben, ist gedacht. Der Landkreis ist in vier Bezirke eingeteilt, für die es jeweils einen 
Bereitschaftsfahrdienst gibt. Die Hausbesuche können unter der Rufnummer 116117 angefordert werden. Alle anderen Patienten bittet Dr. Barbara Fröhlich aber, nicht vorher anzurufen, sondern einfach nach Wehrda zu kommen.

Infoschreiben geht an alle Haushalte im Landkreis

Der dritte Weg ist die bundesweite Rufnummer 116117, die nach Mitternacht und bis zur Öffnung der Hausarztpraxen die richtige Adresse ist. Unter ihr erreichen Hilfesuchende eine Vermittlungsstelle in Kassel, die sowohl ärztlichen Rat bietet als auch weitere medizinische Schritte einleitet, im Bedarfsfall auch einen Arzt zum Patienten schickt. Wer unsicher ist, ob seine Beschwerden einen Notfall darstellen, kann sich hier Hilfe bei der Einordnung geben lassen.

In den kommenden Tagen will der Landkreis ein Informationsschreiben mit einer Übersicht über die ärztliche Versorgung zwischen 18 Uhr am Abend und 7 Uhr am nächsten Morgen an alle Haushalte verteilen. Auf der Homepage des Landkreises ist die Übersicht auch schon eingestellt.

Landrätin Kirsten Fründt erklärte, man wolle mit dem Schreiben der in der Bevölkerung offensichtlich noch vorhandene Unsicherheit entgegentreten. Zugleich möchten die Verantwortlichen im Kreis und in den beteiligten medizinischen Einrichtungen damit vermeiden, dass in Bagatellfällen nicht die Notfallaufnahme der Krankenhäuser oder der Rettungsdienst in Anspruch genommen werden – und für wirkliche Notfälle dann unter Umständen nicht verfügbar wären.

von Frank Rademacher

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