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Im Landkreis verlieren die großen Parteien

Trend für den Kreistag Im Landkreis verlieren die großen Parteien

Müde Gesichter in allen anwesenden Fraktionen im Landratsamt, es war ein langer Tag. Viele sitzen tief in den Sesseln oder lehnen an Tischkanten.

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Im Kreishaus waren die Blicke die Verteilungs-Diagramme gerichtet.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. Die Blicke wandern von Smartphones auf die Leinwand, auf der die Trendergebnisse der Kreistagswahl ein immer klareres Ergebnis präsentieren, zurück zum Handy.Viele Politiker thematisieren noch vor den Ergebnissen der eigenen Partei, was die Stimmung am Abend prägte und für viele drückte. Die Trends versprechen der rechtspopulistischen Partei AfD ein Ergebnis um die 14 Prozent.

Landrätin Kirsten Fründt (SPD) zeigte sich nicht verwundert und glaubt, dass sich dieses Ergebnis bei der weiteren Auszählung nach unten korrigiert. „Wir hatten keine Chance mit den kommunalpolitischen Themen, die waren beim Wähler nicht präsent“, erklärt Fründt. Die SPD landete, wie Fründt sagt, „stabil“ bei knapp 34 Prozent (-2 Prozent).

"Kein guter Tag für den Landkreis"

Sandra Laaz, die bisherige Fraktionsvorsitzende der Grünen war hingegen erschrocken und stellte fest: „Das war kein guter Tag für den Landkreis.“ Ihre Partei habe mit einem Trendergebnis von 9,5 Prozent hingegen der letzten Wahl zwar klar verloren (-7 Prozent) aber sich wohl etwas über dem Stand der vorletzten Wahlen eingependelt.

Anna Hofmann (Die Linke) freute sich über die 7,1 Prozent im Trend. Ihre Partei machte damit fast drei Prozent gut. „Es ist ein großes Problem, dass der Rechtspopulismus im Kreis angekommen ist, aber dafür ist es gut, dass wir auch dazugewinnen konnten.“

Auch die Freien Wähler haben dem Trend nach an Stimmen gewonnen, 4,2 Prozent sind es insgesamt. „Mit dem Ergebnis können wir zufrieden sein, vielleicht reicht es mit den panaschierten Stimmen zu einem vierten Sitz für uns“, sagte Jürgen Reitz.

Dr. Stefan Heck und Werner Waßmuth von der CDU zeigten sich sichtlich mitgenommen vom Trendergebnis der AfD. „Es ist schon sehr schade, dass die Wähler offenbar mit Blick auf Berlin unsere Arbeit im Landkreis nicht honorieren wollen“, sagt Waßmuth. Heck stimmt ihm zu: „Das Ergebnis hat sicherlich bundespolitische Gründe, aber wir müssen die AfD auch hier ernst nehmen.“

Überregionale Ereignisse beeinflussen die Wahl

Die AfD-Vertreter selbst, die gestern ins Kreishaus kamen, trauten ihren Augen kaum, als sie das Trendergebnis sahen. „Ganz ehrlich, mit einem solchen Ergebnis hat von uns auch niemand gerechnet“, sagt AfD-Spitzenkandidat Reimund Dittmann gegenüber der OP. Er glaubt, dass sich nicht nur bisherige Nichtwähler für die AfD entschieden haben, sondern auch einige Wähler, die vorher eher dem CDU-Lager wohlgesonnen waren.

FDP-Mann Jörg Behlen findet es schade, dass die Kommunalwahl wie 2011 von überregionalen Ereignissen überschattet wurde. „2011 war es Fukushima, jetzt ist es die Flüchtlingsdebatte. Beide Themen rücken offenbar bei den Wählern die Leistungen der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker für den Landkreis völlig in den Hintergrund.“

von Philipp Lauer
und Götz Schaub

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Im Landkreis liegt die SPD vorne

Mit den am Sonntagabend ausgezählten Listenkreuzen kommt die SPD im Kreistag auf die meisten Stimmen. 33,96 Prozent der Wähler stimmten dem vorläufigen Zwischenergebnis zufolge für die Sozialdemokraten. Auf die zweitmeisten Stimmen kommt die CDU (26,66 Prozent), vor der AfD (14,06 Prozent).

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