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Im Kampf gegen gefährliche Erreger

Hygiene-Symposium Im Kampf gegen gefährliche Erreger

Ein sich veränderndes Gesundheitssystem mit Gefahren erfordert neue Schutzkonzepte. In Marburg stellten neun Wissenschaftler und Industrievertreter ihre Ideen vor.

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Konsequente Händedesinfektion ist ein wichtiges Mittel, um die Verbreitung von Krankheitserregern zu verhindern.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Typisierung von Erregern ist teuer, nur von wirtschaftlichem Interesse und dauert lange. Vorurteile wie diese versuchte Dr. Frank Günther abzubauen. Der Wissenschaftler am Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg zeigte auf, dass sich die Kosten der speziellen Verfahren seines Zentrums zwischen 3 und 20 Euro bewegen.

Molekularbiologische Typisierungsverfahren seien allerdings kein Ersatz für Primärprävention, so Günther, sondern dienten unter anderem dem „Entdecken und der Analyse von der Ausbreitung bestimmter Erreger“. Die Standardhygiene müsse optimiert, dann müssten die Mitarbeiter gescreent und die jeweiligen Räume in Kliniken gegebenenfalls saniert werden.

In drei Stufen solle eine erfolgreiche Erreger-Typisierung ablaufen: Nach der Verdachtsmeldung müsse laut dem Heidelberger Wissenschaftler ein Suchtest durchgeführt werden. Im Falle eines nicht identischen Typs werden keine weiteren Maßnahmen vorgenommen, doch im gegenteiligen Falle müsse eingegriffen werden. In der nachträglichen Betrachtung brauche es eine Analyse des Vorfalls und Deeskalation.

Gegen viele Antibiotika resistent

Vorteile für die Krankenhaushygiene seien eine schnellere Ausbruchsbekämpfung und -analyse sowie eine größere Sicherheit bei der sogenannten Patientenkohortierung, also der Möglichkeit, mehrere Patienten, die an der gleichen Infektionskrankheit leiden, gemeinsam und von den anderen Patienten getrennt, in einem Zimmer zu betreuen.

Ein spezielles Problem sind die sogenannten VRE, was für Vancomycin-resistente Enterokokken steht. Der Erreger ist gegen viele verschiedene Antibiotika resistent, sprich kann nicht einfach bekämpft und therapiert werden. Gerade in Krankenhäusern kann sich VRE schnell ausbreiten, trotz der Standardhygiene.

500000 bis eine Million, also circa acht Prozent aller Krankenhauspatienten, erkranken laut Wissenschaftler Dr. Nico Tom Mutters pro Jahr. Die Medikamentengabe, Durchfall oder Hämodialyse gehören für Mutters zu den Risikofaktoren für das Erkranken mit VRE. Neutropene Patienten (mit einer bestimmten Bluterkrankung), hämato-onkologische sowie Patienten, denen eine Leber transplantiert worden ist, stellen zusammen mit den Hämodialyse-Patienten die größte Risikogruppe dar. Folglich scheinen Bluterkrankungen und damit zusammenhängende Organe am anfälligsten für VRE zu sein.

Da setzt Mutters an. Der ebenfalls wie Günther am Infektiologie-Zentrum in Heidelberg arbeitende Wissenschaftler entwickelte zusammen mit Kollegen gestaffelte Maßnahmen zum Umgang mit VRE-Patienten und ihrer Unterbringung sowie der spezifischen Krankenhaushygiene, um VRE erfolgreich und nicht nur temporär einzudämmen. Dazu zähle auch eine Kontaktisolierung bei bestimmten Patienten.

von Yannic Bakhtari

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