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Im Kampf gegen den Alltagsrassismus

Politiker-Besuch Im Kampf gegen den Alltagsrassismus

Fokus auf Flüchtlingen: Staatssekretär Josef Dreiseitel (Grüne) sorgt sich darum, dass sich das freiwillige Engagement in Hessen von klassischen sozialen Projekten in Richtung Asylbewerber-Unterstützung verschiebt.

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Freiwillige Helfer bei der Kleidungsausgabe an Flüchtlinge beim Deutschen Roten Kreuz in Cappel.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Wir müssen sehr darauf achten, dass uns in der Gesellschaft nicht etwas wegrutscht. Im Ehrenamts-Bereich gibt es nämlich derzeit zahlenmäßig keinen Quantensprung, sondern die Hilfe verlagert sich nur von etwa der Arbeit bei der Tafel oder im Hospiz zur Unterstützung von Flüchtlingen“, sagte der Politiker am Dienstag bei einem Besuch an der Philipps-Universität. Die Betreuung der Neuankömmlinge sei „eine Herkulesaufgabe“ sowohl für den Staat als auch für die Gesellschaft, weshalb das freiwillige Engagement auch in Marburg trotzdem „unverzichtbar“ sei.

Anlass von Dreiseitels Besuch am Institut für Erziehungswissenschaft war ein Info-Gespräch über das dort angesiedelte Demokratiezentrum (Professor Benno Hafenegger / Dr. Reiner Becker), das sich vor allem um Rechtsextremismus-Forschung und Opfer-Beratung sowie Prävention kümmert. „Mit organisierten Formen von Rechtsextremismus haben wir es kaum zu tun, sondern viel häufiger mit Alltagsrassismus und vor allem gruppenbezogenen Ablehnungen, siehe Pegida, deren Ableger in Kassel oder das, was im sächsischen Freital gerade passiert“, sagt Becker, Leiter des Demokratiezentrums.

Staatssekretär: „Rassismus muss bei uns tabu bleiben“

Die Erfahrung seit 2007 lehre, dass in einem Ort oft erst Druck aufkommen, ein Gewaltakt geschehen müsse, bevor die Ursachen untersucht und bekämpft würden. Als Beispiel nannte er Vorfälle im Schwalm-Eder-Kreis, wo nach Problemen mit Rechtsextremen die Hilfe der Marburger Experten mittlerweile häufig in Anspruch genommen werde. „Das heißt nicht, dass das ein braunes Nest ist, sondern, dass man dort für die existierenden Probleme sensibler und handlungsbereit geworden ist“, sagt Becker.

Auch Flüchtlings-Fragen beschäftigten Becker und seine Kollegen zunehmend. Seit kurzem können sich Kommunen beraten lassen, wie etwa Konflikte zwischen Bewohnern von Asylbewerber-Heimen und Nachbarn minimiert werden können.
Um Anti-Diskriminierung und Integration voranzutreiben will das Land laut Dreiseitel verstärkt „innovative Projekte, die im Alltag wirken“ finanziell fördern. Vor allem Vereine, auch freiwillige Feuerwehren für Migranten zu öffnen, sei ein Anliegen. In den nächsten 15 Jahren würden in Hessen bis zu 600 000 Arbeitskräfte fehlen, alleine deshalb sei es nötig, die Bemühungen um Zuwanderer und Migranten sowie Flüchtlinge zu verstärken. „Rassismus muss bei uns tabu bleiben“, sagt Dreiseitel.

von Björn Wisker

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