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Im Herzen bleibt sie Spanierin

50 mit 50 Im Herzen bleibt sie Spanierin

Antonia Arroyo ist gebürtige Spanierin, kam aber bereits mit zwei Jahren mit ihrer Familie ins Marburger Land, wo sie bis heute wohnt.

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Ein Stück Spanien findet Antonia Arroyo hier im Restaurant ­„Domingos“ in Marburg.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Im Januar 1964 wurde Antonia Arroyo in dem kleinen andalusischen Dorf Olvera geboren. Olvera ist eines der malerischen „weißen Dörfer“ im andalusischen Hinterland und liegt in der Nähe der weltbekannten Stadt Ronda.
Nur kurze Zeit nach Antonias Geburt in diesem Jahr ging ihr Vater als Gastarbeiter nach Deutschland, genauer gesagt nach Hessen. Denn der gelernte Frisör fand in seinem Beruf in Spanien keine Arbeit. Erst 32 Jahre später, im Jahr 1995 wurde er als langjähriger Mitarbeiter der Marburger Tapetenfabrik in den Ruhestand verabschiedet. Seine Frau und die Tochter hatte er zunächst in Spanien zurückgelassen.

Doch nachdem im Jahr 1966 auch das zweite Kind – ein Junge – geboren wurde, kam es zur Familienzusammenführung in Kirchhain bei Marburg, wo Antonia Arroyo noch heute wohnt. In Deutschland wurden noch ihre beiden weiteren Brüder geboren.Die Arbeitsstelle der gelernten Arzthelferin ist heute in Marburg, wo sie beim Gesundheitsfachgeschäft Kaphingst arbeitet. Nicht nur sie selber stammt aus dem Jahrgang 1964, sondern auch ihr Lebensgefährte. Auch er ist also theoretisch einer für die Serie „50 mit 50“.

So gab es auf jeden Fall in diesem Jahr schon zwei rauschende Geburtstagsfeiern: Nach der ersten Feier im Januar folgte ein noch größeres Fest im Mai, gewissermaßen das Fest des „100. Geburtstags“. Zu diesem kamen auch ihre Eltern, die mittlerweile wieder in Spanien, und zwar in der Nähe von Valencia leben.

Dass Antonia Arroyo ausweislich ihres Passes Spanierin ist, hört man ihr überhaupt nicht an. Zwar kann sie noch Spanisch sprechen, aber dabei bemerken ihre in Spanien lebenden Verwandten eher ihren deutschen Akzent. „Die Deutschen kommen“, habe es bei den Besuchen in Spanien in den Ferien immer geheißen. Umgekehrt galten Arroyo und ihre Familie in Oberhessen immer als „die Spanier“. Antonia hatte aber schon als junges Mädchen eine Vermittlerrolle eingenommen und für ihren Vater beispielsweise bei Behördengängen als Übersetzerin fungiert.

Plus an Deutschland: das Bildungssystem

Bei ihrem Hobby Kochen kann sie beide Kulturen sehr gut verbinden. „Dann mache ich zum Beispiel Braten mit Rotweinsoße“, verrät sie im Gespräch mit der OP.Oder sie bereitet Tapas zu – die typischen spanischen Vorspeisenhäppchen – unter die sie dann kleine deutsche Appetithappen mischt.

Doch obwohl sie in Oberhessen aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, hier arbeitet und seit 48 Jahren wohnt, fühlt sie sich im Herzen, „vom Charakter und Stolz her“ immer noch als Spanierin. Dabei bezeichne sie ihr Sohn mitunter scherzhaft als die best integrierteste Ausländerin, die er kenne. In Deutschland schätzt die gebürtige Spanierin unter anderem das gute Bildungssystem.

Trotzdem: Vor allem mit dem kalten und nassen Winterwetter in Deutschland kommt sie immer noch nicht zurecht. Die spanische Sonne und die insgesamt doch lockerere Lebensart ziehen Antonias Arroyo so sehr an, dass sie hofft, ähnlich wie ihre Eltern nach der Pensionierung wieder in ihr Heimatland zurückziehen zu können. Apropos 1964: Dass sie Angehörige eines geburtenstarken Jahrgangs ist, merkte Antonia Arroyo auch bei ihren sporadischen familiären Besuchen in ihrem Geburtsort. Denn allein in ihrer ehemaligen Straße gab es sehr viele Jungen und Mädchen, die auch dem Jahrgang 1964 angehören.

von Manfred Hitzeroth

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