Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Im Herbst schon ans Frühjahr denken

Serie "Saisongarten" Im Herbst schon ans Frühjahr denken

Wer im Herbst Pflanzen- und Tierschutz betreibt, erspart sich im Frühjahr viel Ärger.

Voriger Artikel
Ein Einkommen zum Auskommen
Nächster Artikel
Nächste Woche kommen die Erstis

Frostspannerlarven sind bei Obstbaumfreunden nicht beliebt. Übrigens: Frostspanner mögen keine Pfirsichbäume.

Quelle: spacebirdy

Marburg. Wer im Sommer beim Genuss eines frisch gepflückten Apfels nicht in eine Made beißen möchte, der sollte sich jetzt um sein Obstgehölz kümmern. Den Stamm kann man mit einer Bürste vorsichtig von lockeren Rindenresten befreien, unter denen gerne Schädlinge und Pilze nisten. Geübte Spezialisten verwenden dazu eine Drahtbürste. Die Abfälle sollte man tunlichst beiseite schaffen, sonst kehren die Tierchen in ihr altes Zuhause zurück.

„Den Stamm sollte man mit einem Rindenanstrich versehen“, rät Stephan Kurz. Der Gärtnermeister aus Gladenbach-Bellnhausen bedauert, dass das Wissen unserer Großväter offenbar in Vergessenheit geraten ist. „Der Weißanstrich schützt die wertvollen Obstbäume“, betont er. Die beste Zeit dafür ist der Spätherbst. Weil der Anstrich im späten Winter leicht verblasst oder verwittert, sollte er bei entsprechender Witterung erneuert werden. „Die helle Farbe reflektiert das Sonnenlicht und verhindert ein zu starkes Aufheizen der Rinde“, sagt Kurz. Ohne Anstrich entstünden an frostigen, sonnenreichen Tagen Risse. Auslöser dafür sind die sehr großen Temperaturunterschiede zwischen sonnenbeschienener und im Schatten liegender Stammseite und die damit einhergehenden Spannungen.

Bei dieser Art der Stammpflege werden Eier und Larven von Schadinsekten abgetötet, ebenso holzzerstörende Pilze. Der Kalkanstrich kann zudem hungrigen Nagern und Kaninchen den Appetit auf eine Rindenmahlzeit verderben, heißt es in der einschlägigen Fachliteratur.

Baumanstrich-Präparate bekommt man zuhauf im Handel, den flüssigen Brei kann man aber auch selbst herstellen.

Die sämige Flüssigkeit wird mit einem möglichst breiten Pinsel aufgetragen. Um höherliegende stabile Äste zu erreichen, muss man den Brei weiter verdünnen und mit einer Spritze und grober Düse auftragen.

Leimringe halten Frostspanner, Raupen, Läuse und Ameisen fern

Leimringe, die man vor Mitte Oktober in etwa einem Meter Höhe an den Baumstämmen anbringt, halten ungebetene Gäste wie Frostspanner, blattfressende Raupen, Blutläuse und Ameisen aus der Baumkrone und dem Blattwerk fern. Ein 15 Zentimeter breiter Papierstreifen wird fest um den Stamm gebunden und 10 Zentimeter breit mit lange haltbarem Leim bestrichen. Das untere Ende des Papierstreifens muss hochgebogen werden, damit der Leim nicht herunterläuft.

Leimringe gibt es selbstverständlich auch im Handel. Sie verhindern etwa Fraßschäden und die Eiablage der flugunfähigen Frostspannerweibchen im Geäst.

Im Herbst kriechen die weiblichen Tiere an den Stämmen hoch und legen ihre Eier in der Rinde der Winterknospen ab. Deren Nachwuchs macht sich im Frühjahr oft über frische Knospen und Blüten her.

Um den Schädlingen keine Schleichwege um die Sperre zu ermöglichen, müssen stützende Pfähle beachtet oder präpariert werden. Tief gefurchte Borken sollte man glätten, damit die Insekten nicht zwischen Ring und Stamm hochkrabbeln können. Ein Leimring sollte zwischen sechs und acht Zentimeter breit und unbedingt von grüner Farbe sein, rät der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Gelbe Ringe locken alle Insekten an, grüne vermeiden stattdessen unerwünschte Nebenfänge von Nützlingen.

Der Ring sollte im Frühjahr spätestens im Mai entfernt werden, da gerade an jungen Bäumen Stammschäden durch den Leim möglich sind und Nützlinge wie der Marienkäfer in der Leimfalle hängenbleiben könnten.

Mulchmaterial schütz Boden vor dem Austrocknen

Gärtnermeister Stephan Kurz empfiehlt, die Baumscheibe mit Mulchmaterial abzudecken, um den Boden vor dem Austrocknen zu bewahren und konkurrierenden Grasaufwuchs zu unterdrücken. Schlupfwespen legen ihre Eier in Wirtstieren ab - wie Blattläuse und Blutläuse, aber auch Raupen - und fressen sie von innen auf. Die nützlichen Tierchen überwintern in Blattlausmumien, die meistens an Ästen und Zweigen kleben.

Es ist daher ratsam, das Holz des Winterschnitts einzusammeln und an einem geschützten Ort zu lagern. Ein Schlupfwespenweibchen belegt 200 bis 1000 Läuse mit Eiern. Zu den Nützlingen gehören auch die Marienkäfer. Sie überwintern gerne in Räumen und unter Laub. Auch ihnen sollte man ein Winterquartier gewähren.

von Hartmut Berge

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr