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Debatte

Idee: Smartphone-Streifen auf Gehwegen

Rempeln, Rotampeln, Risiko: Fußgänger, die beim Laufen durch Marburg auf das Handy starren, sind im Straßenverkehr gefährdet. Verbände diskutieren die Einführung von Smartphone-Streifen auf Gehwegen.
Skurril oder sinnvoll? Smartphone-Streifen auf Gehwegen wie in der Ketzerbach nach internationalem Vorbild. Fotomontage: Björn Wisker / Ricarda Schick

Skurril oder sinnvoll? Smartphone-Streifen auf Gehwegen wie in der Ketzerbach nach internationalem Vorbild.

© Ricarda Schick

Marburg. Laut Verkehrsforschern kann die Ablenkung durch Handys mit einem Alkoholstand von 0,8 Promille verglichen werden. Bisher gibt es das Nutzungs-Verbot im Straßenverkehr nur für Autofahrer und Radfahrer.

„Nutzer von Handys und Smartphones sind für andere entgegenkommende Fußgänger nervig, weil sie stets ausweichen müssen“, sagt Stefan Lieb vom Fachverband Fußverkehr Deutschland (Fuss) auf OP-Anfrage. Das Queren der Fahrbahn erfordere die volle Aufmerksamkeit - auch an Ampeln oder Zebrastreifen. Deshalb solle „speziell in diesen Situationen stets den mobilen Endgeräten keine Aufmerksamkeit gewidmet werden“, sagt Lieb. Durch fehlende Aufmerksamkeit könnten „lebensgefährlich Unfälle entstehen“.

Streifen könnte Kollisionsgefahr verringern

Unachtsamkeit könne von den Behörden als „Fehler beim Überschreiten der Fahrbahn“ bewertet werden und somit zumindest zu einer Mitschuld am Unfall führen. Der Verband diskutierte kürzlich, ob - in Anlehnung an das Beispiel der chinesischen Stadt Chongqing - die Einführung von Smartphone-Streifen auf Gehwegen sinnvoll wären. So könnte die Kollisionsgefahr verringert werden. „Fahrzeuge gehören auf die Fahrbahn, Gehwege werden sowieso von vielen Gruppen wie spielende Kinder, Rollstuhlfahrern und Skateboardfahrern belegt“, sagt Lieb.

„Die abgelenkte Aufmerksamkeit ist hier ein absolutes Problem“, sagt Hans Horst Althaus, Marburger Radaktivist. Jeder sei mit dem Verlassen der Haustüre im öffentlichen Bereich und in diesem sei gegenseitige Rücksichtnahme erforderlich. „Man muss wahrnehmen, was um einen herum passiert. Es gibt Regeln, die nicht nur auf Fahrbahnen und vor allem nicht nur für Auto- oder Radfahrer gelten, auch Fußgänger haben ihre Umgebung zu beachten“, sagt er.

 

Smartphone-Gehstreifen

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Der ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino erläutert: „Fußgänger greifen häufiger zum Handy als Auto- oder Radfahrer. Gehen empfinden wir eben als selbstverständlich, es unterfordert uns auch, deshalb suchen wir uns Ablenkung. Das Smartphone bietet da unendlich viele Möglichkeiten.“ Es brauche ein Risikobewusstsein, denn als schwächstes Glied in der Reihe der Verkehrsteilnehmer sei gerade für Fußgänger jede Beschäftigung gefährlich. Zehn Minuten Fußweg sollten Chiellino zufolge auch ohne Nebenbeschäftigung machbar sein. „Ganz rigoros gesprochen, müsste es für jeden eine Anhaltepflicht geben, wenn er angerufen wird oder SMS tippt“, sagt Althaus.

Studenten versuchen Unfall-Potenzial zu ermitteln

Hintergrund: Neben der chinesischen Stadt Chongqing, die auf einer Gehwegseite die Handynutzung erlaubt, auf der anderen untersagt, gibt es auch in den USA einige Orte mit dem Hinweisschild: „Erst aufmerksam sein, dann auf Facebook schauen.“

Wiesbadener Studenten versuchten nun, das Unfallpotenzial von Smartphone-Starrern zu ermitteln. In zwei Monaten Beobachtung stellten sie fest, dass 16 Prozent der Fußgänger im Straßenverkehr ihr Handy nutzen. „In einer anschließenden Befragung stellte sich heraus, dass sie die Gefahr durch solches Verhalten allgemein als hoch einschätzten“, sagt Fotini Tzavala, Studentin. Das eigene Risiko stuften die Fußgänger aber geringer ein. „Sie überschätzten unserer Meinung nach ihre eigene Umsichtigkeit.“ Die meisten Befragten nutzten das Smartphone unterwegs zur schriftlichen Kommunikation und zur Unterhaltung (Videos, Musik).

Besonders interessant: Mehr als ein Drittel gab an, durch ihr Verhalten mindestens einmal in den letzten zwölf Monaten in eine gefährliche Situation geraten zu sein. „Betrachtung des Bildschirms und Tippen darauf gefährdet die Nutzer, vor allem auf belebten Bürgersteigen und in der Nähe stark befahrener Straßen“, sagt Professor Bernhard Heidel, Studien-Betreuer.

von Björn Wisker

 
 

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