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Idee: Lokschuppen als Event-Areal

Förderverein Idee: Lokschuppen als Event-Areal

Was wird aus dem alten Lokschuppen auf dem Areal der Waggonhalle? Eventuell wird der historische Ziegelbau demnächst verkauft. Mit unter den Interessenten steht der neue Förderverein Lokschuppen Marburg.

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Der alte Lokschuppen auf dem Waggonhallengelände ist dem Verfall preisgegeben.

Quelle: Fritz-Joachim Hüther

Marburg. Erst Mitte April stand die offizielle Gründung des Fördervereins an, bei einer ersten Gründerversammlung Anfang März herrschte noch reges Interesse an dem Thema, zahlreiche politische Vertreter befürworteten eine aktive Mitarbeit an der Rettung des Marburger Kleinods der Industriegeschichte. Das war noch vor der Kommunalwahl - heute ist von dem Interesse nicht mehr viel zu spüren, „das Ziel, das wunderbare Bauwerk zu erhalten, ist jetzt schon nur noch halb so wunderbar“, sagte Vereinsvorsitzender Manfred Velte während einer ersten Vereinssitzung.

Um den originalen Erhalt des 140 Jahre alten, denkmalgeschützten Lokschuppens zu gewährleisten, überlegt der Verein, das marode Gebäude zu erwerben. Denn der Lokschuppen soll möglicherweise verkauft werden, für die dringend notwendige, millionenschwere Sanierung des Daches fehlt der Stadt das Geld. Nach Information des Vereins ist ein „relativ niedriger, symbolischer Preis“ im Gespräch. Einem Verkauf wäre die Stadt tatsächlich nicht abgeneigt. Sollte die Stadtverordnetenversammlung dies beschließen, wäre man „an einer Zusammenarbeit mit privaten Akteuren interessiert“, teilte die Stadt auf Nachfrage der OP mit. Für diesen Fall wären jedoch „erst die Randbedingungen für die bauliche Nutzung, also die Festlegung des Zwecks, zu klären und dann eine öffentliche Ausschreibung nötig“.

Über das Vorhaben würde der Verein auch gerne mit der Obrigkeit sprechen, doch kommen sie nach eigener Aussage „nicht nach oben durch“. Die gewünschten Gespräche fanden bislang nicht statt, der Vorstand fühlt sich „ausgebremst“. Dabei spiele der Zeitfaktor eine wichtige Rolle, nicht nur für einen Erwerb sondern vor allem bei anstehenden Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen für das marode Dach.

„Hoffentlich überstehen wir überhaupt den Winter“

Einen Sanierungsplan speziell für den Lokschuppen hat die Stadt dabei nicht. Vor kurzem wurden erste kleinere Sicherungsmaßnahmen vorgenommen, „um ein weiteres Einbrechen von Dachteilen zu verhindern“. Das reicht dem Verein nicht, das Gerüst und die Sparren, die auf dem Dach angebracht wurden, hält der Vorstand für kaum ausreichend und eher kontraproduktiv. „Weitergehende Arbeiten sind erforderlich“, sieht auch die Stadt ein, doch es hapert an den Finanzen. Die Sicherheitsmaßnahmen sollen „möglichst im Rahmen der im Zuge der Ausschreibung verfolgten Umnutzung erfolgen“, teilt die Stadt mit.

Ob das zeitlich hinhaut, ist für den Verein fraglich, schon jetzt bestehe weit mehr und „dringender Handlungsbedarf“, um das Gebäude vor dem weiteren Einsturz zu bewahren, erklärte der zweite Vorsitzende Dr. Fritz-Joachim Hüther. Beim derzeitigen Zustand des Daches sei eigentlich eine sofortige, umfangreichere Maßnahme erforderlich, die Planungen dürften sich aber noch eine Weile in die Länge ziehen - „hoffentlich überstehen wir überhaupt den Winter“. Einzige Möglichkeit, dem entgegen zu wirken, wäre ein möglichst schneller Eigentümerwechsel. Der Kauf des maroden Baus würde wiederum so einige neue Verantwortung mit sich bringen, mit dem Erwerb hätte man „auch etwas am Hals“, gab Hüther zu bedenken. Neben diversen Gebühren vor allem alles, was mit Sicherungspflicht und Haftung einhergeht.

Plan: moderner Holzbauin historischer Hülle

Allerdings haften im Notfall nicht die Vereinsmitglieder, sondern lediglich der Vorstand. Davon abgesehen gebe es „nur Vorteile“: Der Förderverein könnte endlich loslegen, hätte Planungshoheit, was mit dem Gebäude passieren wird, könnte selbst in Verhandlung mit möglichen Förderern treten und sein breites Wissen mit einfließen lassen, betonte der Vorstand. Auch werde man, sobald die Rahmenbedingungen geklärt seien, „nicht lange auf dem Lokschuppen sitzen bleiben“, vermutet Hüther.

Ob sich der Verein die Bürde auferlegt, das Gebäude zu erwerben, steht noch in den Sternen: „Noch ist nichts entschieden“, betont Velte. Während der Versammlung gaben die rund 25 Mitglieder einstimmig ihrem Vorstand daher vorerst nur die Ermächtigung, mit der Stadt in weitere Verhandlungen zu treten. Über einen eventuellen Kauf werden die Mitglieder später erneut beraten.

Eines ist dem Verein bei Kauf, Sanierung und Umbau klar: Aufwand und Nutzen müssen sich lohnen - die Zukunft des Lokschuppens muss wirtschaftlich tragbar sein, und dafür hat Hüther bereits einige durchführbare Ideen. Nach dem Konzept des Chemikers ließe sich das alte Gebäude durch ein „Haus-in-Haus-Prinzip“ am besten erhalten und profitabel nutzen. In die historische Gebäudehülle des Lokschuppens könnte demnach ein komplett neuer, moderner Holzbau nach Niedrigenergiebauweise platziert werden, der Originalzustand bliebe perfekt erhalten. Als neue Location mit historischem Charme stünde das Areal dann in Zukunft für Events der Marketing-, Automobil- oder Touristik-­Branche als profitables Mietobjekt zur Verfügung.

von Ina Tannert

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