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„Ich würde viel mehr machen ...“

Interview mit Dr. Reinfried Pohl „Ich würde viel mehr machen ...“

In seiner Rolle als Gönner und Mäzen der Stadt Marburg fühlt sich Dr. Reinfried Pohl, einer der reichsten Menschen in Deutschland, gründlich missverstanden. Im zweiten Teil des exklusiven OP-Interviews bezieht er dazu klar Position.

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Unternehmer Reinfried Pohl hadert damit, wie seine Investitionen und Spenden wahrgenommen werden: „Mich stört, dass man die positive Seite meiner Handlungen nicht sieht.“

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. OP: Warum liegt Ihnen der Bau eines Schrägaufzugs zum Schloss so sehr am Herzen?

Pohl: Ich denke neben den älteren Besuchern der Stadt, denen der Aufgang zu beschwerlich ist, zusätzlich an meine 60 000 Vermögensberater, von denen bisher kaum einer zum Schloss gegangen ist. Ich will Marburg zum Zentrum der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) machen. Ich will, dass die Vermögensberater hier einkaufen gehen, dass sie wissen, hier kann man auch zum Arzt gehen. Meine Vermögensberater wissen, dass meine Söhne Kontinuität und Beständigkeit verkörpern. Ich möchte, dass meine Mitarbeiter aus ganz Deutschland gern nach Marburg kommen.

OP : Was steht dem im Weg?

Pohl : Was mich stört, ist, dass man die positive Seite aller meiner Handlungen nicht sieht. Wie ich die Wirtschaftskraft der Stadt Marburg gefördert habe und fördern will. Das schafft auch Arbeitsplätze. In anderen Städten würde keiner darüber reden. Die Brücke über die Lahn, darüber sind schon mehr als eine Million Menschen gelaufen, die habe ich bezahlt. Da wurde erst beraten. Sie müssen Geschenke in dieser Stadt verkaufen. Gute Taten verkaufen. Es wird immer hinterfragt: Du lieber Gott, was hat er denn da wieder im Sinne? Ich würde viel mehr machen und noch mehr investieren, wenn ich die öffentliche Debatte darum nicht fürchten müsste. Davor möchte ich mich und meine Familie schützen.

OP: Wie schwer oder wie einfach ist es für die Familie Pohl in Marburg zu leben?

Pohl : Einfach, wenn man sich zurückhält. Schwer ist es, wenn man viel helfen will. An sich müsste doch Marburg stolz sein, dass hier der Sitz des größten Allfinanz-Konzerns ist. Wem habe ich Schaden zugefügt, dass ich hier diese Anneliese Pohl-Allee errichtet habe, dass ich das verfallene Parkhaus saniert habe? Wem habe ich Schaden zugefügt, dass die Uni-Juristen Bücher bekommen? Wem habe ich Schaden zugefügt, indem ich dem Fachbereich Medizin ein Zentrum für medizinische Lehre und eine Kindertagesstätte errichten lassen habe.

OP: Wenn in Marburg derzeit ein Umbruch ansteht oder über Investitionen spekuliert wird, kommt eigentlich immer der Name Pohl ins Spiel. Welches Objekt oder Projekt wird denn tatsächlich durch Sie, Ihre Söhne oder durch die DVAG realisiert?

Pohl: Sie glauben gar nicht, was ich angeblich schon gekauft haben soll. Jetzt kursiert das Gerücht, ich habe den Frauenberg gekauft. Warum soll ich das, wenn ich hier ein schönes Hotel habe? Manche nutzen meinen Namen auch, um zu sagen: Wenn Du mir das nicht abkaufst, dann kauft mir das der Pohl ab. Das können Sie nicht kontrollieren.

OP : Im Gespräch ist unter anderem, dass Sie die Juristische Fakultät weiter unterstützen und am Pilgrimstein in einen Neubau investieren wollen...

Pohl : Das ist eine Geschichte, die im Augenblick nicht in meiner Entscheidungsmacht liegt. Wenn Sie 85 sind und etwas fördern sollen, was Sie nicht mehr erleben werden, dann haben Sie keine Beziehung mehr dazu. Ich habe die Juristen unterstützt, ich freue mich, wenn ich der Freiwilligen Feuerwehr spenden kann, die Menschen hilft und rettet.

OP: Stimmt es, dass Ihre Familie ein Sporthotel und ein Leistungszentrum in Nachbarschaft zum Gaßmann-Stadion und des VfB-Platzes errichten will?

Pohl: Alles Unsinn.

OP: Denken Sie an Marburg 2020: Welche Visionen haben Sie für die Stadtentwicklung?

Pohl: Dass einmal wieder mehr Frieden einkehrt, dass Marburg mehr als bisher als Universitätsstadt, vor allem dass der Medizinstandort, an Bedeutung gewinnt. Vielleicht bringe ich es so auf den Punkt: Ich wollte und will auch künftig dazu beitragen, dass man sagen kann, Marburg ist eine schöne Stadt und hier möchte ich bleiben. Dass ein Chefarzt, Arzt oder eine Krankenschwester sagt, hier fühle ich mich mit meiner Familie wohl, hier gibt es eine Infrastruktur und ein Ambiente, was mich und meine Kinder hält. Früher war es friedlicher. Politischen Streit gab es früher schon, aber die Parteien haben sich auch wieder vertragen.

OP : Wir geben Ihnen nun noch einige Halbsätze vor mit der Bitte, diese zu vervollständigen.Niemand soll mir später nachsagen, dass ich...  

Pohl: ...meinen Pflichten als Bürger einer Stadt, die mir die Ehrenbürgerschaft angetragen hat, nicht erfüllt habe.

OP : Als Zeichen persönlicher Wertschätzung wünsche ich mir,...

Pohl: …dass mein Handeln frei von Neid beurteilt wird.

OP: Die Person, vor der ich größten Respekt empfinde, ist...

Pohl: ...Helmut Kohl.

OP : Die CDU wird unter Angela Merkel in die politische Geschichte eingehen als...

Pohl : ... (lange Pause) Reformpartei.

OP: Was wollten Sie eigentlich sagen?

Pohl: ...als eine Partei, die eigentlich hätte mehr erreichen können, als sie erreicht hat.

OP : Ich träume davon,...

Pohl: …dass ich meinen Söhnen, meinem Unternehmen, aber auch der Stadt und der Universität noch eine möglichst lange Zeit hilfreich sein kann.

OP : Ich rege mich nicht mehr auf über...

Pohl: …Äußerungen, die mein Handeln für die Stadt Marburg missdeuten.

OP : Beispiel Schrägaufzug?

Pohl : Doch. Darüber würde ich mich sogar sehr aufregen.

OP: Ich nehme mir die Freiheit,...

Pohl: ...das zu tun, was ich als richtig empfinde.

OP: Wenn die europäische Währungsunion zerbricht,...

Pohl : …da habe ich keine Sorge, da ich davon ausgehe, dass sie nicht zerbricht.

von Christoph Linne und Anna Ntemiris

Den ersten Teil des Interviews mit Reinfried Pohl finden sie hier

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