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"Ich wollte immer Geschichten erzählen"

"Eine von hier" "Ich wollte immer Geschichten erzählen"

Wenn die kreativen Ideen mit ihr durchgehen, dann sagt sie "Kauderwelsch" dazu. Andere finden ihre Geschichten und deren künstlerische Umsetzung gar nicht durcheinander, sondern sogar ziemlich preisverdächtig.

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Lisa Krane fühlt sich Marburg immer noch eng verbunden. Hier trifft sie Freunde und besucht ihre Familie. Privatfoto

Quelle: Privatfoto

Marburg. Stellen Sie sich folgende Begebenheit vor: In Ihrer Brust schlagen zwei Herzen. Dies ist nicht sprichwörtlich zu verstehen, sondern als medizinische Anomalie. Obwohl Sie sich gesund fühlen, raten Ihnen die Ärzte, eines der Herzen zu entfernen, weil es nicht absehbare Komplikationen geben könnte. Was würden Sie tun?

Die Frage, die auch Lisa Krane beschäftigt, dreht sich darum, wer eigentlich definiert, wann wir krank sind und inwieweit die Medizin überhaupt beurteilen kann, was gut für uns ist.

Die Nachwuchs-Regisseurin hat das oben beschriebene Szenario ihrem Kurzfilm „In uns das Universum“ zugrunde gelegt. Darin geht es um eine junge Tänzerin, die mit einer bemerkenswerten Diagnose die Welt der Medizin auf den Kopf zu stellen droht. Doch hinter der faszinierenden Entdeckung steht die Frage, was ein gutes und gesundes Leben eigentlich ausmacht.

Auf der Suche nach dem Kick

Lisa Krane liebt es, sich solche Geschichten auszudenken und dann in Bild und Ton umzusetzen. „Ich finde das so unfassbar spannend, weil der Film alle Künste vereint und eine ganz spezielle Atmosphäre hat“, sagt die 29-Jährige. Im Moment spielt sich ihr Leben in Hamburg ab. Über Arne Feldhusen, der sich durch Regiearbeiten für Serien wie „Stromberg“ oder „Tatortreiniger“ einen Namen gemacht hat, lernte Krane auch die Welt des Werbefilms kennen. „Mit Werbung verdiene ich mein Geld. Ich arbeite dort am Set und in der Produktion.“ Ihr Traum bleibt jedoch der Spielfilm. „Manchmal fühle ich mich schon wie eine Getriebene. Ich bin immer auf der Suche. Auch nach dem Adrenalinkick bei einem Dreh.“

Lisa Krane verbrachte ihre ersten Lebensjahre in den USA. Als sie sieben Jahre alt war, kehrte die Familie dann aber wieder nach Deutschland zurück, weil ihr Vater eine neue berufliche Herausforderung fand.. Über einen kurzen Zwischenstopp in Paderborn ging es ins Marburger Umland. Zuerst nach Wehrda und dann nach Michelbach, wo ihre Eltern bis heute leben.

Die Wahl-Hamburgerin machte ihr Abitur 2005 am Philippinum. 2006 ging sie dann für ein „Graphic-Design“-Studium ins englische Canterbury. Eine Zeit, an die sie sich gerne zurückerinnert.

Dann hat sie wieder die alten Gebäude vor Augen, in denen sie sich mit ihren Kommilitonen die Nächte um die Ohren geschlagen hat. Nicht vor Arbeitsstress, sondern aus Freude an der Sache. Denn dann ging es um die kreativen Prozesse, um das Ausprobieren verschiedener Stilmittel, wie etwa das Stop-Motion-Verfahren. Aber auch um den Umgang mit Schnittprogrammen oder der Tontechnik. „Ich habe schon das Gefühl, dass es beim Kunstunterricht in Deutschland eher um das Ergebnis geht. In England spielte auch der Schaffensprozess eine wichtige Rolle. Das hat mir gut gefallen.“

Eine geteilte Leidenschaft

Die Ergebnisse ihrer Arbeit verwendete Krane dann für ihre Bewerbung an der Kunsthochschule für Medien in Köln (KHM). „Ich hätte wirklich nie gedacht, dass die mich da aufnehmen“, erklärt sie rückblickend. In ihrer Kölner Zeit lernte sie viele Menschen kennen - nicht nur aus dem universitären Umfeld -, die ihre Leidenschaft für den Film teilen. Etwa 30 Mitwirkende engagierten sich schließlich bei der Umsetzung der Idee für ihre Diplom-Abschlussarbeit an der KHM.

Herausgekommen ist eben jener etwa 30 Minuten lange Kurzfilm „In uns das Universum“. Ein Werk, das bereits kurz nach der Premiere Anfang dieses Jahres internationale Aufmerksamkeit auf sich zog. „In Indien wurde er wohl auf einem Festival zum besten Film gewählt“, sagt Krane und schiebt mit einem Lachen nach: „Genau kann ich das aber nicht sagen, schließlich war ich ja nicht vor Ort.“ Wichtiger seien aber due Erfolge in Montreal und in Kalifornien wo der der Film ebenfall auf namhaften Festivals gezeigt würde.

Aber auch in Deutschland gab es positive Rückmeldungen. So wurde das Drehbuch beispielsweise für den Nachwuchspreis 2015 des Studios Hamburg nominiert. Diese Erfolge zeigen Wirkung, sagt Krane. Produzenten fragen, an was sie derzeit arbeitet. Darüber sprechen möchte sie aber noch nicht. „Es ist noch zu früh“, sagt sie. Ideen hat sie genug - man darf also gespannt sein auf ihr nächstes „Kauderwelsch“.

von Dennis Siepmann

 
Eine von hier

Name:
Lisa Krane

Geboren:
19. März 1986 in Atlanta, Georgia in den USA

Schule:
Philippinum

Was macht sie jetzt?
Lebt derzeit in Hamburg und verdient sich ihr Geld in der Werbebranche, während sie weiter an neuen Film-Ideen arbeitet.

Kommt sie noch vorbei?
So vier, fünf Mal im Jahr.

O-Ton:
„Dass ich was Kreatives machen will, wusste ich schon recht früh. Als Kind checkt man das schon recht schnell, wenn man etwas gemalt oder gebastelt hat und es den Erwachsenen gefällt.“

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