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„Ich will nicht so bleiben, wie ich bin“

CDU verabschiedet Dr. Wagner „Ich will nicht so bleiben, wie ich bin“

Konservativ, christlich-sozial, wirtschaftsliberal: Dr. Christean Wagner legt Wert auf sein Profil, das er in den vergangenen 40 Jahren manchmal mit kraftvoller Anstrengung, manchmal mit leichtem Humor habe verteidigen müssen.

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Der Bundestagsabgeordnete Stefan Heck (Zweiter von links) überreichte im Namen der heimischen CDU ein Bild an Dr. Christean Wagner. Kreischef Dr. Thomas Schäfer und Kreistagspräsident Detlef Ruffert (SPD) schauten es sich gemeinsam an.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ist mit seinen Vorrednern Finanzminister Dr. Thomas Schäfer und Marburgs CDU-Parteichef Mathias Range nicht ganz einer Meinung. Diese haben zuvor in ihren Reden erklärt, dass Dr. Christean Wagner ein Konservativer sei. „Ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt“, sagt Bouffier vor rund 400 Gästen, die am Dienstagabend zum Empfang der Kreis- und Stadt-CDU ins DVAG-Congresszentrum gekommen sind. Der Gießener Bouffier kennt den Lahntaler Wagner seit vier Jahrzehnten. Wagner nur als Konservativen zu definieren, greife zu kurz, so der CDU-Landeschef. Als Beweis für seine These führt Bouffier die aktuelle schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden auf. Ein Novum in der deutschen Geschichte, das Wagner mit in die Wege geleitet habe. „Er trägt das Feuer für die Gestaltung der Zukunft in sich“, sagt Bouffier über den Kollegen, der sich mit 71 Jahren aus der hauptamtlichen Politik verabschiedet hat. Alles andere als rückwärtsgewandt sei Wagner.

Wagners Nachfolger als CDU-Kreischef ist Dr. Thomas Schäfer. Beide sind promovierte Juristen. Schäfer erinnert daran, dass Wagner der Vater des Projekts elektronische Fußfessel ist. Das elektronische Überwachungsmittel sei heute Alltag in der deutschen Justiz. Es sei das medial erfolgreichste Projekt in der jüngeren Rechtsgeschichte gewesen.

Der Vater des Projekts elektronische Fußfessel

Schäfer sowie der heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Heck, der während seiner Zeit als Jura-Student Wahlkreisreferent von Wagner war, würdigen insbesondere auch die Mitarbeiterführung ihres früheren Chefs, Kollegen und Freundes. Wagner sei ein fürsorglicher Vorgesetzter und habe berufliche Veränderungen seiner Zöglinge stets gefördert, auch wenn dies zu Neubesetzung von Ämtern geführt habe.

Sichtlich gerührt, mit zeitweise brüchiger Stimme erzählt Wagner den Laudatoren und Festgästen: „Bei allen psychischen und physischen Belastungen, bei allen Risiken und allem Ärger - es gibt kaum eine schönere Arbeit als die eines Politikers.“ Ein Politiker nehme Einfluss auf die Gesellschaft, ob beim Bau einer Sporthalle oder der Bildung einer neuen schwarz-grünen Koalition.

Dabei betont er, dass die CDU auch in Zukunft nicht die FDP aus dem Blick verlieren dürfe. „Wir haben ausgezeichnet mit ihr zusammengearbeitet“, so das CDU-Urgestein. Einer mit dem der Pensionär künftig zusammenarbeiten wird, ist Detlef Ruffert. „Sie sind mein Chef im Kreistag“, sagte der ehrenamtliche Abgeordnete dem Kreistagspräsidenten. Ruffert ist der einzige SPD-Vertreter an diesem Abend. „Es ehrt Sie, dass Sie mit entsprechendem Respekt hier sind“, sagt Wagner zu Ruffert. Den Magistrat der Stadt Marburg vertritt an diesem Abend der ehrenamtliche CDU-Stadtrat Jürgen Rehlich. Zu den Wiesbadener Ehrengästen gehören neben Bouffier Landesinnenminister Peter Beuth und der hessische CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg.

Neue ehrenamtliche Aufgabe: Telefonseelsorge

Ihnen allen erklärt Wagner, dass er konservativ, aber auch christlich-sozial und wirtschaftsliberal sei. Das C in der CDU dürfe nicht verschämt beiseite geschoben werden. „Ein Politiker darf auch sagen, dass er betet - wenn er das nicht instrumentalisiert“ . Dem Podium verrät er: „Ich will nicht so bleiben, wie ich bin. Ich höre nicht auf, zu werden“.

Im anschließenden OP-Gespräch berichtet Wagner, dass er eine neue ehrenamtliche Aufgabe übernehmen wird. Er wird in der Telefonseelsorge mitarbeiten und anonym mit Menschen sprechen, die Sorgen haben.

Und Christean Wagner wird künftig mehr Zeit für die Familie haben. Für seine Frau Heidi, aber auch für seine Mutter Ursula, die inzwischen in Marburg lebt, ihn gern kritisiert und mit ihm diskutiert. Und für Dackel „Nobel“, der mit den beiden Frauen in der ersten Reihe Platz nehmen durfte.

von Anna Ntemiris

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