Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regen

Navigation:
„Ich will jetzt Physik studieren“

"Mint-Summer-School for Girls" „Ich will jetzt Physik studieren“

Die Philipps-Universität Marburg hat eine Woche lang 20 E-Phasen-Schülerinnen Grundlagen der Physik und Co. aufgezeigt.

Voriger Artikel
Der Abfall befindet sich nicht weit vom Stamm
Nächster Artikel
Wechsel im Verwaltungsrat der Lebenshilfe

Zwei Teilnehmerinnen führen einen Versuch zur klassischen Konditionierung durch, dazu wird der Lidschlagreflex auf ein akustisches Signal konditioniert.

Quelle: Malte Klimczak

Marburg. Die sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sind nach wie vor stark männerdominiert. Um mehr Frauen dazu zu bewegen, ein Studium in einem dieser Fächer aufzunehmen, wird immer wieder von Unis und Schulen Werbung für Mathe und Co. gemacht.

Dass es ein generelles Interesse an den Mint-Fächern gebe, zeige sich dadurch, dass es nur 20 Teilnehmerplätze gab, aber 30 Bewerbungen, sagt Veranstalter Malte Klimczak, Mathematik- und Biologielehrer der Steinmühle und Leiter des Schülerlabors Botanischer Garten an der Uni. Zusammen mit der Biologin Daniela Schumacher leitete er das Projekt.

Bei einer Teilnehmerin führte die Veranstaltung zum sofortigen Erfolg: Pauline Naumann aus Gladenbach will nun Physik studieren. „Ich dachte vorher immer, dass Physik nicht zu mir passt, weil ich eigentlich viel mit Menschen arbeiten will. Aber als Physikerin könnte ich auch als Patentanwältin arbeiten, das interessiert mich“, sagt sie. Im Labor experimentieren wolle sie aber nicht.

Doch Naumann ist eine Ausnahme. Die wenigsten Frauen entscheiden sich für ein Studium in Mathematik, Physik oder Informatik, erklärt Klimczak. Immerhin 23 Prozent Informatik-Studentinnen gebe es, jedoch würden nur zwei Prozent aller weiblichen Studierenden später einen IT-Beruf ausüben, so stellten es einige der Teilnehmerinnen in einem Vortrag dar. Zum Vergleich: Zwölf Prozent der Männer könnten sich einen Job in der IT-Branche vorstellen. Durch die Summer School konnte zumindest bei einer Teilnehmerin das Interesse an dem Fach Informatik geweckt werden, bei einigen ließ es aber sogar nach. Das zeige, wie schwierig es für die Unis ist, mehr Frauen für die bislang als Männerdomänen geltenden Fächer zu begeistern, sagt Klimczak.

Im Fach Biologie hingegen seien die Frauen sogar leicht in der Überzahl, erklärt Klimczak. Er betont, dass die Uni durch Projekte versucht, „vor allem Werbung für Mathe, Physik und Informatik zu machen“.

Man wolle auch mit Vorurteilen den Fächern gegenüber aufräumen. So lernten die Schülerinnen am Informatik-Tag, dass Informatik nicht nur was für Hacker ist, sondern durch Logik und Systematik geprägt ist. Und dass aber auch theoretisch lösbare Probleme nicht immer praktikabel sind.

Projektleiter: „Die Gruppe war sehr motiviert“

Da das Programmieren zu den Haupttätigkeiten eines Informatikers gehört, versuchten sich die Schülerinnen an einem eigenen, einfachen Computerspiel. In Physik bauten die Mädchen zum Teilgebiet Optik Spektroskope (lichtbrechende Boxen) und erkannten unter anderem, dass eine immer kürzere Wellenlänge eine immer höhere Energie eines abgesendeten Photons (Lichtteilchens) mit sich bringt oder dass es eigentlich kein Pink als Farbe gibt.

In Chemie waren die aus der Schulzeit vielen bekannten Redoxreaktionen das Thema. „Aber Bio hat den meisten wohl am besten gefallen“, sagte auch Katharina Belzer aus Homberg-Ohm. „Bio war am spannendsten. Es hat Spaß gemacht, mit Ratten zu arbeiten.“ Am Bio-Tag experimentierten die Schülerinnen mit B. F. Skinners berühmter Skinner-Box. Dazu werden Ratten in die Box hineingesetzt, die nur mit einem Hebel und einer Luke ausgestattet ist. Im Laufe der Zeit wird die Ratte darauf trainiert, dass sie durch das Betätigen des Hebels Futter aus der Luke bekommt. Dadurch wurde Skinner zu einem der wichtigsten Vertreter des Behaviorismus. So anschaulich kann Bio sein.

„Die Gruppe war sehr motiviert, hat viele Fragen gestellt, es hat viel Spaß gemacht“, fasst Klimczak die Woche mit den Mädchen zusammen. Im nächsten Jahr soll das Projekt in eine dritte Runde gehen.

von Yannic Bakhtari

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr