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"Ich war so genervt, da habe ich ihr eben eine geklatscht"

Anklage: Körperverletzung "Ich war so genervt, da habe ich ihr eben eine geklatscht"

Ihr andauerndes Suchtproblem und mangelndes Kontrollvermögen brachten eine 20-Jährige vor das Marburger Amtsgericht. Die Anklagelautete auf zweifache Körperverletzung.

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Gerichtshammer, Gesetzgebung, Rechtsprechung, Richter, Hammer, Gericht, Urteil

Marburg. Ende vergangenen Jahres hielt sich die alkoholisierte junge Frau vor der Wohnung einer Bekannten in Marburg auf. Von der Freundin wollte sie ausgeliehene DVDs wiederholen. Diese weigerte sich zuerst, die aufgebrachte Bekannte in das Haus zu lassen. Als sie die Tür schließlich öffnete, stürmte die Angeklagte an ihr vorbei in die Wohnung und begann, verschiedene Filme zusammenzusuchen und einzustecken.

Als die Bekannte sie darauf aufmerksam machte, dass diese nicht alle ihr Eigentum seien, kam es zum Streit, die Angeklagte griff ihr Gegenüber an. Sie schlug der anderen Frau zweimal kräftig ins Gesicht und stieß sie zu Boden. Ein ebenfalls anwesender junger Mann versuchte, die beiden Frauen zu trennen, wurde dabei von der Angeklagten im Gesicht gekratzt. Nach der kurzen Auseinandersetzung verließ diese das Haus. Bleibende Schäden trug keine der Beteiligten davon. Vor Gericht gab die 20-Jährige die Schläge zu. Sie sei aus Stress wieder mal ausgerastet, erklärte sie den Angriff: „Ich war so genervt, da habe ich ihr eben eine geklatscht.“ Zudem hatte sie an diesem Tag mehrere Gläser starken Schnaps zu sich genommen und war dadurch nicht ganz bei sich, wie sie sagte.

Wegen ihres Alkoholproblems stand sie nicht zum ersten Mal vor Gericht, wurde bereits mehrfach wegen Körperverletzung, Raubes und Diebstahls verurteilt. Zur Tatzeit des aktuellen Falles befand sie sich innerhalb einer Bewährungsfrist. Die junge Frau hat bereits mehrere Erziehungs- und Suchtprogramme absolviert und wird von der Jugendhilfe betreut. Sie habe wieder einen Rückfall gehabt und zu viel getrunken. Mittlerweile habe sie sich ihrer Sucht gestellt und ihr sei klar, dass sie Hilfe benötigt, gab sie an.

Über diesen Punkt hatten sich die Prozessbeteiligten bereits vor der Verhandlung beraten und sich auf eine mögliche stationäre Suchttherapie als geeignete Maßnahme geeinigt. Die Angeklagte erklärte sich bereit, an einem Entzugsprogramm teilzunehmen. Die Heranwachsende habe sich im Gegensatz zu früheren Vergehen besonnen und sieht ihr Suchtproblem heute ein, berichtete die Bewährungshelferin. Die gerichtlichen Weisungen der vergangenen Verurteilung hatte sie jedoch nur zum Teil erfüllt und nicht alle Therapiegespräche wahrgenommen. Die junge Frau weise noch einige Entwicklungsverzögerungen und ein auffälliges Sozialverhalten auf, habe zudem einen deutlichen Hilfebedarf bei der Bewältigung ihres Alltags. Bewährungshilfe und Jugendkonflikthilfe schlugen daher eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht vor.

Bewährungsauflage: stationäre Entzugstherapie

Dem stimmte das Jugendschöffengericht zu und verurteilte die junge Frau wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen und unter Einbeziehung des vorherigen Urteils zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt und mit mehreren Auflagen verbunden. Die 20-Jährige hat die Suchtgespräche weiterzuführen und innerhalb von vier Monaten eine stationäre Entzugstherapie aufzunehmen. Der Vorsitzende Richter Thomas Rohner warnte die Frau eindringlich, das Ruder herumzureißen und die Auflagen dieses mal fest einzuhalten, „aus ureigenem Interesse“.

von Ina Tannert

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