Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
"Ich war einfach stinksauer"

Aus dem Amtsgericht "Ich war einfach stinksauer"

Auf die Angriffe seiner ehemaligen Freundin reagierte ein Marburger mit einem Schlag ins Gesicht und würgte die Frau vor den Augen des gemeinsamen Kindes.

Voriger Artikel
Forscher will Epidemie eindämmen
Nächster Artikel
Digitale Hilfe für Romantik-Forscher

Weil er der Mutter seines Kindes während eines Streits ins Gesicht geschlagen und sie gewürgt hatte, musste sich ein Mann aus Marburg nun vor dem Amtsgericht wegen Körperverletzung verantworten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Doppelter Angriff „im Affekt“ nach einer durchzechten Nacht. Weil er der Mutter seines Kindes während eines Streits ins Gesicht geschlagen und sie gewürgt hatte, musste sich ein Mann aus Marburg nun vor dem Amtsgericht wegen Körperverletzung verantworten.

Im März dieses Jahres kehrte der 34-Jährige in den Morgenstunden angetrunken in seine Wohnung zurück. Seine Heimkehr hörte die ehemalige Freundin des Mannes, die eine eigene Wohnung im selben Haus bewohnt. Da er an diesem Morgen die Betreuung des gemeinsamen Kindes übernehmen sollte, begab sich die Frau samt Kind zu seiner Wohnungstür. Als der Mann auch nach mehrmaligem Klopfen und Klingeln nicht öffnete, trat die aufgebrachte Mutter kurzerhand die bereits im Vorfeld beschädigte Tür ein.

Angeklagter gab Angriffe zu

Während des darauf folgenden lautstarken Streits habe sie „ihm eine verpasst“, sagte die 29-Jährige vor Gericht. Der Mann habe sie hart zurückgeschlagen, ihr einmal gegen die Stirn geboxt, mit einer Hand an ihren Hals gegriffen und sie kurzzeitig gewürgt, sagte die Frau aus.

Vor Gericht gab der Angeklagte seine Angriffe zu. Die Tat sei „im Affekt“ und aus Reaktion auf ihren Schlag geschehen, gab er an. Der handfeste Streit sei nicht die erste körperliche Auseinandersetzung zwischen dem ehemaligen Paar gewesen, bestätigte ebenfalls die Geschädigte. Beide seien bereits des Öfteren aneinandergeraten und reagierten teilweise recht aufbrausend.

Die beiden Elternteile leben getrennt, teilen sich aber die Betreuung des gemeinsamen Kindes. Wegen der wiederholten Unzuverlässigkeit des Mannes sei es bereits häufiger zu Streit zwischen den Eltern gekommen, berichtete die Mutter. Am Morgen der Tat habe sich der Vater geweigert, das Kind zu übernehmen. Aus Wut und Erschöpfung habe sie ihm daher „eben eine gegeben. Ich war einfach stinksauer“, betonte die 29-Jährige vor Gericht.

Beule am Kopf und Rötungen am Hals

Durch die Gegenattacken des Mannes erlitt sie eine große Beule am Kopf sowie Rötungen am Hals und verbrachte danach eine Woche im Frauenhaus.

Die Auseinandersetzung der Eltern bekam das Kleinkind aus einigen Metern Entfernung mit. Weder das Kind noch sie selber hätten jedoch Angst vor dem Kindsvater, betonte die Geschädigte.

Seit dem Vorfall bemühe er sich um seine Familie, das Verhältnis zwischen beiden sei heute besser, sagte die Frau. Im Laufe der Verhandlung zeigte sie daher wenig Interesse an einer weiteren Strafverfolgung des Mannes. Staatsanwalt Nicolai Wolf schlug eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage vor. Dem schloss sich die Verteidigung an: „Beide leben in einer komplizierten Beziehung, sind jedoch auf dem richtigen Weg“, betonte die Verteidigerin des Angeklagten.

Strafrichter Dominik Best stellte das Verfahren gegen den 34-Jährigen schließlich vorläufig für fünf Monate gegen die Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 500 Euro ein.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr