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„Ich wäre beinahe gestorben“

Uniklinikum „Ich wäre beinahe gestorben“

Der Fall der kleinen Emma (4 Monate), die seit einer missglückten Operation im Marburger Uniklinikum auf der Baby-Intensivstation liegt, schlug nicht nur in Justiz und Politik Wellen. Jetzt meldete sich Heriknaz B. (35) aus dem Landkreis Gießen. Sie sagt: „Ich wäre beinahe gestorben, weil man mich im Klinikum falsch behandelt hat.“

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Heriknaz B. blättert in ihrer Krankenakte.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nun zieht die Juristin, die auch als Justizdolmetscherin arbeitet, vor Gericht. Am Mittwoch beginnt am Marburger Landgericht der Zivilprozess gegen das Klinikum und gegen die Ärztin Dr. R. Es geht um Schmerzensgeld und Entschädigung, eine fünfstellige Summe. „Aber eigentlich möchte ich die Missstände am Klinikum öffentlich machen und die Leute warnen“, sagt die junge Frau.

Heriknaz B. wurde am 11. Dezember 2006 mit schlimmen Bauchschmerzen in die Notaufnahme des Klinikums gebracht, dann sofort in die Gynäkologie verlegt. „Die diensthabende Assistenzärztin Frau Dr. R. hat nur Blähungen festgestellt, gesagt, ich solle mich nicht so anstellen, es gebe ja keinen Befund“, erzählt Heriknaz B.

 

Im Verlauf der folgenden Nacht verschlimmerten sich ihre Schmerzen erheblich, sie wurde nach eigenen Angaben mehrfach bewusstlos – das ist auch in der Krankenakte dokumentiert. „Man hat sich gar nicht um mich gekümmert, ist auf meine Beschwerden nicht richtig eingegangen“, klagt Heriknaz B. an. „Wenn ich heute an diese Nacht denke, weiß ich, wie hilflos und ausgeliefert ich damals war.“

Am nächsten Morgen fand ihr Freund sie ohnmächtig im Krankenbett, alarmierte die Ärzte. Wenig später lag die junge Frau bereits im Operationssaal. Jetzt erst stellten die Mediziner die wahre Ursache fest: Eine Zyste im Bauchraum war geplatzt, die Patientin hatte bereits literweise Blut verloren, musste Transfusionen bekommen. „Beim Folgegespräch sagte Chefarzt Professor Uwe Wagner zu mir: ‚Hätte ich Sie nicht gerade mit zwei Oberärzten operiert, wären Sie jetzt wahrscheinlich tot‘“, erinnert sich Heriknaz B.

Wochenlang litt sie unter den Nachwirkungen der schrecklichen Erlebnisse und den Folgen des Blutmangels. Während Heriknaz B. in ihrer Krankenakte blättert, sagt sie: „Die haben mich behandelt wie das letzte Stück Dreck. Ich möchte nicht, dass es auch anderen Patienten so geht.“

Und was sagt die Uniklinik selbst zu dem Fall? Frank Steibli, Sprecher des Universitätsklinikums Gießen und Marburg GmbH: „Zu einem laufenden Verfahren nehmen wir keine Stellung.“

von Axel Ehrlich

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