Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
„Ich liebe Herausforderungen“

Porträt: Flüchtlingsbetreuuerin „Ich liebe Herausforderungen“

Andrea Heilmann ist die neue Leiterin der Flüchtlingsbetreuung in Gisselberg. Wer ist die Frau, die aus der Pharmabranche kommt? Ein Porträt.

Voriger Artikel
Moischt lädt zum Ostermarkt
Nächster Artikel
FSV Cappel erhält Kunstrasen

Andrea Heilmann ist die neue Leiterin der Flüchtlingsbetreuung in Gisselberg.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Noch sind die Wände etwas karg, das ein oder andere Büroutensil ist noch nicht geliefert, doch an Ideen, Organisation und neuen Projekten fehlt es der erst wenige Wochen alten Geschäftsstelle des neuen Flüchtlingszentrums in Gisselberg nicht.

Auch Andrea Heilmann ist gerade mit umgezogen. Auf ihre künftige Tätigkeit als Leiterin der Stabsstelle für Flüchtlingsbetreuung freut sie sich enorm und platzt schon fast vor Ideen und Arbeitseifer. „Ich bin immer neugierig auf alles Neue, hier warten jede Menge spannende Aufgaben auf mich.“ Kaum eingestellt stand auch gleich ein erstes Mammutprojekt auf dem Programm - der Umzug ihrer Abteilung nach Gisselberg. Leben wie Beruf der jungen Chefin sind generell von turbulenten Phasen, neuen Herausforderungen und beruflichem Neuland geprägt. Und genau das liegt der abenteuerlustigen 37-Jährigen, ist ein Grund für ihren Sprung aus der Pharmaindustrie in die Flüchtlingshilfe.

Als Auftakt in ein abwechslungsreiches Berufsleben absolvierte die gebürtige Marburgerin eine kaufmännische Ausbildung bei den Behringwerken, entschied sich schließlich für die Öffentlichkeitsarbeit und wechselte vom kaufmännischen in den PR-Bereich. Bis zum vergangenen Jahr arbeitete sie bei Siemens in der Kommunikationsabteilung, war im Marketing und Qualitätsmanagement tätig, wechselte mehrfach Abteilungen und auch Arbeitsorte. Regelmäßig war sie auf Geschäftsreise in den USA unterwegs. Im Oktober kündigte sie ihre Stelle, ein wenig mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Es war eine sehr positive Phase, aber auch Zeit für einen neuen Cut.“

„Kommunikation ist alles“

Den hat sie erreicht, denn der berufliche Einschnitt erscheint von außen betrachtet enorm. „Ich wollte eben wieder etwas anderes, etwas Neues machen, der Wechsel ist dabei gar nicht so extrem“, erklärt sie. Ihr Aufgabengebiet liege auch im neuen Job im Projektmanagement und der Mitarbeiterführung. Und dazu wird vor allem eines benötigt: „Kommunikation ist alles“, weiß die erfahrene PR-Frau.

Künftig steht für sie die Koordination der Stabsstelle, Steuerung der Flüchtlingsbetreuung, Finanzplanung und Absprache mit den verschiedensten Akteuren ganz oben auf der Liste. „Ich greife in alle Bereiche ein, das Kommunikative liegt mir einfach, für Sachbearbeitung bin ich nicht geeignet“, beschreibt sie ihre Stärken.

Sehr wichtig ist ihr in ihrer neuen Aufgabe ein gutes Miteinander, „einer hilft dem anderen und es funktioniert“. Nach dieser Fasson entschied sie sich ebenfalls früh für eine ehrenamtliche Tätigkeit. Der Kontakt zu hilfsbedürftigen Menschen und Einwanderern ist für sie nicht neu. Seit Jahren ist sie ehrenamtlich für den Sozialdienst katholischer Frauen tätig, betreute als Familienpatin im Projekt „Nestwerk“ zahlreiche Neubürger mit Migrationshintergrund.

Auch im Cappeler Flüchtlingscamp arbeitete sie in ihrer Freizeit mit Geflüchteten zusammen, war in der Küche und der Information tätig. Generell ist sie interessiert am Fremden, an anderen Ländern und Kulturen. Ihr Ehemann ist gebürtiger Franzose, gemeinsam bereiste das Paar bereits zahlreiche Staaten, besucht regelmäßig die Familie in Afrika. Rückhalt in ihrem turbulenten Berufsleben und eine Konstante im Alltag gibt ihr dabei stets ihre kleine Familie, Freunde sowie ihre Geburtsstadt Marburg, mit der sie stets eng verbunden blieb.

Nach einem geglückten „Umzug mit Hochdruck“ stehen beruflich demnächst neue Projekte auf dem Programm. In Zukunft will sich Heilmann etwa darum kümmern, dass auch die bereits zugewiesenen und in Marburg verteilten Flüchtlinge „nicht untergehen“, im Rahmen der „Bleibekultur“ weitere Unterstützung erhalten. Die neue, herausfordernde Arbeit im Flüchtlingszentrum macht ihr schon jetzt großen Spaß, „das kann ich mir jetzt für viele Jahre vorstellen“, ist sie überzeugt. Vor möglichen weiteren Hürden im neuen Job schreckt sie dabei nicht zurück, im Gegenteil: „Ich liebe Herausforderungen und brauche einfach Abwechslung im Leben, vielleicht passt die Flüchtlingshilfe deshalb so gut zu mir.“

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr